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„Immun“ gegen Corona? Forscher mit Theorie, weshalb manche Menschen gar nicht am Virus erkranken

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Von: Yasina Hipp

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Aufnahmen des Coronavirus.
T-Zellen können es dem Coronavirus schwer machen sich zu vermehren. © picture alliance/dpa/ZUMA Wire/Niaid-Rml

Die Corona-Infektionszahlen sind derzeit auf einem sehr hohen Niveau. Viele tausend Menschen stecken sich tagtäglich an - trotzdem bleiben einige auch verschont. Woran liegt das?

London - Nach zwei Jahren Pandemie kennt mittlerweile jeder jemanden der sich bereits mit dem Coronavirus infiziert hat. Angesichts der derzeit hohen Neuinfektionen jeden Tag, ist es fast schwieriger jemanden zu identifizieren, der sich bislang noch nicht mit dem Virus infiziert hat. Studien zeigten bereits, dass Menschen mit der Blutgruppe 0 eine statistisch signifikant geringere Wahrscheinlichkeit haben, an Corona zu erkranken. Aber was ist mit solchen die eine andere Blutgruppe haben und trotzdem nicht krank werden? Sind das einfach Glückspilze? Nicht unbedingt. Ein Forscherteam aus London könnte die Lösung in einer Besonderheit des Immunsystems gefunden haben.

Coronavirus: Seronegative Menschen haben ein besonderes Immunsystem

Schon in früheren Studien stellten Forschende fest, dass sich einige Menschen auch ohne Impfung nicht mit dem Coronavirus infizieren. Diese Personen werden „seronegativ“ genannt. Bei den Impfungen gegen das Coronavirus hingegen haben es die dabei gebildeten Antikörper schwierig, da sie immer weniger zu dem sich durch Mutationen verändernden Spikeprotein auf der Virusoberfläche passen. Bei den seronegativen Menschen erkennt das Immunsystem Enzyme im Inneren des Virus, die für die Verbreitung im Körper wichtig sind, und kann diese unschädlich machen und dadurch eine Infektion frühzeitig unterbinden.

Mala Maini und ihr Forscherteam des University College London hat im Rahmen der COVIDsortium-Studie 730 Probanden untersucht und dabei die besondere Rolle der T-Zellen bei seronegativen Menschen entdeckt.

Seronegative Menschen: T-Zellen verhindern Reproduktion von Viren

Das Immunsystem von seronegativen Menschen erkennt Enzyme im Virus, die „die Viren als erstes bilden, wenn sie anfangen müssen, sich zu vermehren, so Maini. Deswegen seien diese Enzyme auch „evolutionär hochkonserviert“ und würden sich kaum verändern, da sie so enorm wichtig für die Vermehrung der Viren sind. Erkennt das Immunsystem dann ebendiese Bestandteile der Viren, kann es die Reproduktion verhindern. Verantwortlich dafür sind die so genannten T-Zellen, die die zweite Schutzmauer des Immunsystems bilden. T-Zellen von seronegativen Menschen sind den Forschern zufolge, wohl schon bei einer „früheren Infektion mit einem ähnlichen Virus“ entstanden. Experten sprechen dann von kreuzreaktiven T-Zellen.

Bei Kontakt mit dem Coronavirus kommt es dann lediglich zu einer „kurzen, vorübergehenden Infektion, man nennt sie auch abortiv“, wie es in der Studie heißt. Die Krankheit bricht also nicht völlig aus, sondern wird direkt vom Immunsystem gestoppt.

Immun gegen das Coronavirus? Einige Fragen bleiben offen

Trotz allem bleibt auch nach dieser Studie offen, warum sich bei einigen Menschen beispielsweise nach einer Erkältung die kreuzreaktiven T-Zelle bilden und bei anderen nicht. Und auch wann eine Erkältung überhaupt die Bildung der besonderen Zellen hervorruft bleibt ebenfalls weiter unbekannt.

Anstatt allerdings allein auf die Stärke des eigenen Immunsystems zu hoffen, verweisen Wissenschaftler weltweit auf die hohe Wirksamkeit und den Schutz der Impfungen, vor allem auch der Auffrischungsimpfungen.

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