Eine Person trägt Handschuhe und hält eine Spritze.
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Mit dieser neuen Impfmethode können noch mehr Menschen geimpft werden.

Funktioniert mit handelsüblicher Spritze

„Roos-Methode“ für Corona-Impfungen soll großen Fortschritt bringen - nicht alle Mitarbeiter beherrschen sie

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Dank einer neuen Methode für Corona-Impfstoffe von Sari Roos, einer finnischen Krankenschwester, können in Finnland und Norwegen bereits mehr Menschen geimpft werden.

Helsinki - Aus einem Fläschchen des Vakzins von Biontech sollen laut der Europäischen Arzneimittel-Agentur sechs Dosen zum Spritzen gewonnen werden. Die Krankenschwester Sari Roos aus Helsinki hat nun eine Methode entwickelt, wie sich sieben Stück aus einem Fläschchen entnehmen lassen. Auch bei den anderen Impfstoffen kann die „Roos-Methode“ angewandt werden. Das beeinflusst das Impftempo in Finnland enorm.

Roos erklärte der Welt gegenüber, dass es für die Extra-Spritze keinerlei besondere Spritzen und Nadeln bedürfe, wie sonst bei der Gewinnung von Extradosen. Lediglich eine handelsübliche Ein-Milliliter-Spritze. Die Nadel, solange sie generell für Impfungen geeignet ist, spielt dabei ebenfalls keine Rolle. Bei ihrer Methode muss ein wenig der Flüssigkeit mit der Spritze eingesaugt und dann wieder in das Behältnis zurück gespritzt werden, damit keine Luft mehr in der Spritze ist.

Impfstoff-Reste gegen das Coronavirus landeten in Mülleimern

Weiter erklärt sie: „Dann zieht man die genaue Dosis auf und vervollständigt sie mit steriler Luft aus der Flasche. Der Zweck der Luft ist, die gesamte Flüssigkeit aus der Nadel in den Patienten zu drücken und den Injektionskanal zu schließen, damit es nicht blutet.“ So werde die Vakzin-Dosis mit sehr geringem Verlust injiziert.

Die Idee zu dieser Methode sei ihr bei der Vorbereitung der ersten Impfungen mit Biontech in Finnland gekommen, als sie sah, dass in den Nadeln und Spritzen viel Impfstoff hängen bleibe. Dieser Rest wanderte bisher in den Müll. „Spritzen für intramuskuläre Injektionen sind oft mit einer großen Luftblase befüllt, die zum Entleeren der Spritze verwendet wird. Die Größe der Luftblase entspricht dem, was der Verlust für jede Impfstoffdosis wäre“, erklärt sie.

Corona: Für die „Roos“-Methode braucht es 100 Prozent Genauigkeit und Präzision

Daraufhin habe sie experimentiert um herauszufinden, wie der Rest in einer richtigen Dosierung aus der großen Menge des Impfstoffes gewonnen werden könne. Heraus kam die „Roos-Methode“. Diese stellte sie im vergangenen Dezember dem THL, dem finnischen „Institute for health and welfare“, vor. Bereits im Januar ließ das Institut die Methode zu, sodass fortan sieben Impfungen aus einem Fläschchen in Finnland entnommen werden durften. Auch andere Länder wie etwa Norwegen schlossen sich an.

„Es wäre auch falsch, einen Impfstoff in den Müll zu werfen, wenn er Leben retten kann.“ so Roos. Ein Problem der „Roos“-Methode sei, dass eine sehr hohe Präzision für die Umsetzung nötig ist: „Jede Dosis muss zu 100 Prozent genau sein, damit der Impfstoff für diese ,Bonus‘-Dosen ausreicht“ erklärt die Krankenschwester. Das Impf-Personal werde zwar darauf geschult, jedoch seien schon mehrere Mitarbeiter zu unpräzise gewesen, sodass sie von dem Bereich abberufen wurden.

Extra-Dosen in Deutschland nur in zwei Bundesländern erlaubt

Doch nicht nur für den Impfstoff von Biontech ist diese Methode geeignet. Laut Roos könne aus einer Multidosisflasche Moderna oder Astrazeneca fortan zwölf statt zehn Impfungen gezogen werden. In Deutschland ist lediglich in Bayern und NRW die Gewinnung von Extra-Dosen offiziell erlaubt. Und das auch nur auf Verantwortung des gegen das Coronavirus-Impfenden-Arztes. So steht es im Impfplan der Bundesrepublik.

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