Informationen über die Impfung werden im Impfpass eingetragen.
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Beim Impfpass gibt es „skandalöse“ Sicherheitslücken. Ein Experte erklärte nun eine mögliche Lösung. (Symbolbild)

Zerschlägt sich die Urlaubs-Hoffnung?

Corona-Chaos um deutschen Impfpass droht: Sicherheitslücke „skandalös“ - Experte erklärt mögliche Lösung

  • Veronika Arnold
    vonVeronika Arnold
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Der europäische Corona-Impfausweis soll nach monatelangen Beschränkungen bald wieder sicheres Reisen ermöglichen. Doch nun könnte eine Sicherheitslücke die Hoffnungen zunichte machen.

Update vom 3. Mai, 16.30 Uhr: Zu Beginn der Sommerferien soll eine Corona-Impfung nicht nur analog mit einem Eintrag im gelben Impfheft nachgewiesen werden können, sondern auch digital auf Smartphones. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betonte gegenüber Merkur.de die große Bedeutung eines digitalen Impfnachweises. „Ein digitaler Impfpass wäre hilfreich, ein europäischer umso elementarer – ein wichtiges Projekt, das wir so schnell wie möglich umsetzen sollten“, so Lauterbach.

Fachleute hatten am Wochenende allerdings darauf hingewiesen, dass bereits die Einträge und Aufkleber im gelben Impfheft nicht fälschungssicher seien. Dadurch könnten auch Fälschungen in die digitale Welt übertragen werden. Bei der Einführung des digitalen Impfnachweises in Deutschland sollten Manipulationen daher unter anderem mit den Methoden verhindert werden, mit denen auch Banken den betrügerischen Einsatz von Kreditkarten bekämpfen.

So könnten IT-Systeme im Hintergrund verhindern, dass eine Kreditkarte zeitgleich in unterschiedlichen Ländern oder Städten verwendet wird. „Ein ähnliches System wäre für den digitalen Impfausweis beziehungsweise die Nutzung des QR-Codes unter Berücksichtigung der Datenschutzkonformität zwingend erforderlich“, erklärte Analyst Thorsten Urbanski von der Sicherheitsfirma „Eset“ der dpa.

Corona-Chaos um Impfpass droht: Heftige Kritik an Spahn - „Jeder Kiosk wird besser geführt“

Update vom 3. Mai, 9.50 Uhr: Einträge aus dem gelben Impfbuch lassen sich offenbar leicht fälschen (siehe Erstmeldung). Ein Aufkleber, ein handschriftlicher Vermerk und ein Stempel belegen bisher, dass Bürger:innen eine Corona-Impfung in Deutschland erhalten haben. Ein Übertrag aus dem gelben Impfbuch auf den neuen EU-Impfausweis soll jedoch laut Plan des Bundesgesundheitsministeriums zunächst umstandslos in Arztpraxen, Impfzentren oder in Apotheken erfolgen. Das sei anfällig für Betrug und Fälschungen warnen Experten. Diese Sicherheitslücke bringt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in Bedrängnis. Es hagelt Kritik von allen Seiten.

„Jeder Kiosk in Deutschland wird besser geführt als das Gesundheitsministerium in der Corona-Pandemie“, sagte die Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Amira Mohamed Ali, in der Welt. Ein fälschungssicherer Impfnachweis sei nicht vorhanden. „Dabei hätte der Gesundheitsminister sich seit einem Jahr darum kümmern können“, kritisierte Mohamed Ali. Jens Spahn müsse umgehend die Frage beantworten, warum er den Impfnachweis im Eilverfahren erst im Februar ausschreiben ließ.

Sicherheitslücke beim EU-Impfpass - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird heftig kritisiert.

Zuvor hatte sich auch FDP-Vizefraktionschef Michael Theurer in der Welt die Bundesregierung für die Sicherheitslücke kritisiert (siehe Update 2. Mai, 15.19 Uhr). Auch der Koalitionspartner SPD dringt demnach auf mehr Sicherheit. Es sei Aufgabe des Bundesgesundheitsministers, „das europäische Impfzertifikat so sicher wie nur möglich mitzugestalten“, sagte Sabine Dittmar, gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, der Welt.

Das Umschreiben von dem gelben Impfbuch im Papierformat auf den digitalen EU-Impfpass, dem sogenannten „Grünen Impfzertifikat“ über Apotheken wäre eine rein deutsche Lösung, kein Vorschlag der Europäischen Kommission, erklärte ein EU-Kommissionssprecher am Sonntag, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Länder, in denen das nationale Gesundheitssystem bereits vollständig digitalisiert sei, hätten es da leichter.

EU-Impfpass - Kritik wegen Sicherheitslücken

Update vom 2. Mai 2021, 15.19 Uhr: Die Sicherheitslücken beim geplanten EU-weiten Impfnachweis sorgen für scharfe Kritik aus der FDP: „Dass es diese Sicherheitslücken nach mehr als einem Jahr immer noch gibt, ist skandalös“, wird der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer von der Welt zitiert. Schon vor einem Jahr habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) über Rechte für Geimpfte gesprochen. „Wie die Impfung gegen Corona aber sicher dokumentiert werden kann, hat ihn offenbar nicht wirklich interessiert“, so Theurers Vorwurf. Seiner Ansicht nach, müsse die Bundesregierung jetzt sicherstellen, dass die Sicherheitslücken geschlossen werden. Theurer schlägt diesbezüglich “fälschungssichere Chargennummern der Impfstoffhersteller“ vor, die unmittelbar digital erfasst werden könnten. „QR-Codes mit hohen Sicherheitsstandards seien eine bessere und sichere digitale Möglichkeit. Diese müssten schnell umgesetzt werden, so der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende.

Corona-Impfpass nicht fälschungssicher: Zerschlägt sich die Hoffnung auf sichere Urlaubsreisen?

Erstmeldung vom 2. Mai 2021, 13.55 Uhr: Berlin - Ein EU-weit einheitlicher Impfausweis soll ab dem Sommer das Reisen in Europa trotz Corona-Pandemie ermöglichen. Das auch als grüner Impfpass bezeichnete Zertifikat soll Auskunft darüber geben, ob ein Mensch das Coronavirus weiterverbreiten kann oder zumindest wie wahrscheinlich das ist. Neben Informationen über eine etwaige Corona-Impfung soll das Dokument deshalb auch aktuelle Testergebnisse und Angaben über eine überstandene Corona-Erkrankung enthalten.

Beim deutschen gelben Impfpass besteht die Gefahr von Fälschungen.

Das Zertifikat ist in erster Linie als digitales Dokument gedacht, um es auf Mobilgeräten vorzeigen zu können. Es soll aber auch ausgedruckt werden können. Wichtig ist, dass ein QR-Code gescannt werden kann, um die Echtheit zu prüfen. Das Dokument soll in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch ausgestellt werden. Die deutsche Impfpass-App orientiert sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums an diesen Vorgaben. Doch jetzt kündigen sich Sicherheitslücken bei dem geplanten EU-Impfpass an. Sind die Hoffnung auf baldige und sichere Reisen schon bald wieder Geschichte?

Bericht: Geplanter EU-Impfnachweis ist nicht fälschungssicher

Einem Medienbericht zufolge lässt sich dieser nämlich problemlos fälschen. Nach Planungen des Gesundheitsministeriums sollen die im gelben Impfpass eingetragenen Impfnachweise umstandslos in Arztpraxen, Impfzentren oder in Apotheken auf den neuen EU-Impfausweis übertragen werden können, wie die Welt am Sonntag berichtet. Da dieser Nachweis im gelben Impfpass leicht zu fälschen sei, sei auch das darauf aufbauende neue EU-Zertifikat entsprechend anfällig für Betrug. Erste Anzeichen für einen wachsenden Schwarzmarkt in Sachen Impfpässe gibt es bereits.

Das Bundesgesundheitsministerium räumte gegenüber der Zeitung die Sicherheitslücke ein. Bei der Prüfung der analogen Impfpässe sei "besondere Vorsicht geboten". Das gelte auch, wenn "die Informationen in einen digitalen Impfpass übertragen werden", erklärte das Ministerium.

Die Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) sieht die Verantwortung für die offene Sicherheitslücke beim Gesundheitsministerium. Beim Eintrag in den gelben Ausweis fehle die Absicherung gegen Fälscher komplett, sagte Sprecher Matthias Marx. "Das hätte man auch besser lösen können - mit Hologrammaufklebern etwa, mit geprägtem Papier, mit Materialien, die sich nicht jeder auf Amazon zusammenklicken kann."

EU-Kommission hält EU-Impfnachweis für sicher - Problem liegt in Deutschland

Ein Sprecher der EU-Kommission erklärte dagegen, der EU-Impfnachweis sei sicher. Entscheidend sei, dass der Eingabeprozess im jeweiligen Land sicher sei. Dabei hätten es diejenigen Länder leichter, in denen das nationale Gesundheitssystem bereits vollständig digitalisiert sei. "Die Umschreibung von Papiernachweisen auf digitale grüne Zertifikate über Apotheken wäre eine rein deutsche Lösung, kein Vorschlag der Europäischen Kommission", betonte der Sprecher.

Es sei hier besonders wichtig, dass die vorgelegten Papierdokumente sorgfältig geprüft und abgeglichen würden, bevor ein EU-weit gültiges Zertifikat generiert werde.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte vergangene Woche angekündigt, den digitalen Impfpass möglichst schnell zugänglich zu machen. Dafür solle dass Infektionsschutzgesetz entsprechend geändert werden. Demnach soll der digitale Impfpass in der "zweiten Hälfte des zweiten Quartals" einsatzbereit sein. Und nicht nur die Fälschungssicherheit macht in Deutschland Sorgen. Leider hapert es beim grünen Impfpass noch an weiteren Stellen. (va/AFP)

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