„Querdenken“-Anhänger demonstrieren im Herbst 2020 mit dem Banner „Ich will kein Versuchskaninchen für Euren Impfstoff sein“ gegen die Corona-Maßnahmen.
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„Ich will kein Versuchskaninchen für Euren Impfstoff sein“: Szene von einer der landesweiten Demos gegen die Corona-Maßnahmen.

„Ist nichts Neues“

Corona-Impfgegner: Österreichischer Verhaltensökonom schlägt „systematische Diskriminierung“ vor

  • Franziska Schwarz
    VonFranziska Schwarz
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Eine ausreichende hohe Impfquote ist ein Werkzeug im Kampf gegen Corona. Wie aber überzeugt man die Skeptiker? Ein Verhaltensökonom hat einen Vorschlag.

Zürich - Ein Gratis-Joint, Freibier, Baseball-Tickets für lau: Die US-Regierung drückt bei Anreizen für die Corona-Impfung am medienwirksamsten auf‘s Gas. Der Erfolg dieser Strategie ist durchwachsen. Hierzulande mahnte erst diese Woche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an, die erforderliche Impfquote nicht zu reißen.

Etwa zwei Drittel der befragten Erwachsenen sagten dem Robert-Koch-Institut (RKI) jüngst, sich „auf jeden Fall“ oder „eher“ impfen lassen zu wollen. Das ist für eine Herdenimmunität zu wenig. Unter anderem wegen der Delta-Mutation wäre ein Wert von 85 Prozent bei den Zwölf- bis 59-Jährigen und von 90 Prozent bei den Älteren nötig, so das RKI.

Corona und Impfgegner: Verhaltensökonom fordert „systematische Diskriminierung“

Die Verhaltensökonomie untersucht das wirtschaftliche Verhalten von Menschen. Und einer ihrer Vertreter sagte jetzt dem Schweizer Portal blick.ch in Bezug auf strikte Impfgegner: „Diese überzeugt man nur, wenn wir systematisch diskriminieren.“

Für den österreichischen Verhaltensökonom Gerhard Fehr wäre das aber nur der letzte Schritt. Der 50-Jährige forderte im Gespräch mit blick.ch, das Schweizer Gesundheitsministerium müsse klarmachen, was passiert, wenn man sich nicht impfen lässt. „Aber ohne Angstmacherei.“

Fehr erläuterte: „Niemand würde in ein Flugzeug steigen, wenn das Absturzrisiko bei einem halben Prozent läge. Aber alle Nichtgeimpften sind derzeit bereit, an einem Virus zu erkranken, an dem sie mit 0,5-prozentiger Wahrscheinlichkeit sterben werden.“

„Impfschwänzer“ in der Corona-Krise: Lauterbach & Co. fordern Bußgeld

Wie bei Rauchern, die Warnetiketten auf Zigarettenschachteln auch nicht abschreckten, reiche Kommunikation allein aber nicht. Wie kann man diese Menschen bewegen? Fehr schlug nun vor, Skeptikern ungefragt einen Impftermin zuzuschicken, den sie wahrnehmen oder verstreichen lassen können. „Sie müssten sich aber aktiv abmelden, wenn sie nicht hingehen wollen“, forderte er als Haken an der Sache.

Anschließend könne laut Fehr womöglich ein Bußgeld folgen, so wie SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hierzulande es hierzulande gefordert hat.

Verhaltensökonom vermutet 35 Prozent Corona-Impfskeptiker in der Schweiz

„Dann wird es aber immer noch gut 35 Prozent geben, die sich partout nicht impfen lassen wollen“, glaubt Fehr für die Schweiz. Und hier kommt in dem Interview sein Diskriminierungsvorschlag ins Spiel. Nur Geimpfte sollten ins Restaurant oder Konzert gehen dürften.

„Systematische Diskriminierung ist nichts Neues, sie begegnet uns dauernd im Alltag“, begründete Fehr seinen Vorstoß. Zum Beispiel könnten sich viele Menschen wegen ihres Lohns nicht einen täglichen Restaurantbesuch leisten, führte er als Beispiel an.

Bundesregierung will Corona-Impfskeptiker mittels TV und Radio erreichen

Die Frage, ob Impfgegnern eine solche „systematische Diskriminierung“ passe, ist für Fehr falsch gestellt. „Die Frage ist vielmehr: Darf eine Minderheit für sich in Anspruch nehmen, volle Freiheitsrechte zu genießen, auf Kosten der geimpften Mehrheit?“, entgegnete er. „Wir würden es schließlich auch nicht akzeptieren, wenn 25 Prozent der Bevölkerung die Steuern nicht zahlen würden.“

Die deutsche Bundesregierung will unterdessen die Werbung fürs Impfen forcieren. Das Gesundheitsministerium will dafür die bestehende Impfkampagne „lauter stellen“, so ein Sprecher. So sollten unter anderem TV- und Radiospots an jene gerichtet sein, die über eine zweite Impfung oder über eine Impfung generell nachdenken. (frs)

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