Coronavirus - Digitaler Impfausweis in der Apotheke
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Ein Smartphone zeigt den QR Code eines digitalen Impfausweises.

Gesundheitsministerin reagiert

Impf-Skandal in Deutschland: Falscher Corona-Freibrief an mehr als 100.000 Menschen verschickt

  • Veronika Arnold
    VonVeronika Arnold
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Zigtausenden Brandenburgern wurde vom Gesundheitsministerium ihr Impfnachweis zugeschickt, obwohl sie ihren vollständigen Impfschutz noch gar nicht bekommen hatten.

Berlin - Impf-Skandal in Brandenburg: Offenbar haben mehr als 100.000 Menschen fälschlicherweise ihren digitalen Impfnachweis zugeschickt bekommen, obwohl ihnen die beiden Impfungen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 noch nicht vollständig verabreicht wurden.

Impfskandal in Brandenburg: Gesundheitsministerium verschickt mehr als 100.000 falsche Corona-Freibriefe

Das berichtet die Lausitzer Rundschau online und verweist auf ein Schreiben des Gesundheitsministeriums Brandenburg, das eine Bürgerin erhalten hatte. „Sehr geehrte Frau (...), Sie sind in einem Impfzentrum oder von einem mobilen Impfteam im Land Brandenburg gegen das Corona-Virus vollständig geimpft worden“, heißt es gleich zu Beginn der Mitteilung. Dabei hatte die Frau aus Cottbus ihre zweite Impfung noch gar nicht erhalten und somit auch noch keinen vollständigen Imunschutz.

Das Schreiben mit dem Datum vom 16. Juni 2021 ging laut Berliner Zeitung an weitere rund 460.000 Brandenburger, die ihre erste Spritze nicht von Arzt oder Krankenhaus bekommen hatten. Und das obwohl bis zu diesem Tag insgesamt erst 382.000 Brandenburger beide Impfungen erhalten hatten. Da nur ein Teil von diesen 382.000 ihren vollständigen Impfschutz in einem Impfzentrum oder von mobilen Teams erhalten hatten, bedeutet dies, das mehr als 100.000 Menschen ihren Corona-Freibrief zu unrecht erhalten haben müssen. Die genau Zahl ist derzeit noch unklar.

Falsche Impf-Nachweise in Brandenburg verschickt: Gesundheitsministerin reagiert

„Das ist zweifelsohne misslich und ich bedaure das“, wird Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (63, Grüne) von der Berliner Zeitung zitiert. Vermutet wird ein Versagen der Kassenärzte-Vereinigung, die die Impfzentren betreibt – und nur Zweitgeimpften einen QR-Code senden sollte. Nach BZ-Angaben schweigt Chef Peter Noack bislang dazu.

In einer Pressemitteilung vom 9. Juli weist Nonnemacher die scharfe Kritik der Linken-Fraktion allerdings zurück und betont: Das Zertifikat sei kein Impfnachweis. „Es dient ausschließlich der Erstellung eines digitalen Impfnachweises. Dies ist nur möglich, wenn eine vollständige Impfung vorliegt.“ Auf der ersten Seite des Schreibens sei zwar von einer vollständigen Impfung die Rede, „sollte nur eine Impfung vorliegen, klärt sich der Sachverhalt auf der zweiten Seite auf“, so die Gesundheitsministerin. Dort stehe neben „dem Datum der Impfung(en) und dem erhaltenen Impfstoff beim Vermerk ‚Erstimpfung/Wiederimpfung‘ im Falle einer Erstimpfung 1/2, im Fall von zwei Impfungen 2/2“, heißt es in der Pressemitteilung. Der vollständige Impfschutz werde beim Übertrag des QR-Codes in den digitalen Impfnachweis erst bei Vorliegen beider Impfungen - also Erst- und Zweitimpfung - angezeigt, so der Hinweis.

Ob es beim „händischen“ Übertrag in das gelbe Impfheft mit dem vorliegenden Schreiben nicht aber doch zu fehlerhaften Einträgen und Verwirrung kommt, bleibt fraglich.

Die Diskussion um Impfungen und damit verbundene Erleichterungen spitzt sich in Deutschland derzeit enorm zu. Ein Landeskassen-Chef fordert sogar ein Reiseverbot für Ungeimpfte.

Digitaler Impfnachweis - so funktioniert er

Das Impfzertifikat besteht aus einem QR-Code, der gescannt werden kann. Eine digitale Signatur soll ihn fälschungssicher machen. Der Impf-Nachweis kann auf Mobilgeräten gespeichert oder auch in ausgedruckter Form vorgezeigt werden. Pflicht ist das digitale Impfzertifikat nicht. Corona-Impfungen können weiterhin auch durch einen herkömmlichen Impfpass nachgewiesen werden. In Deutschland wird das digitale Zertifikat seit Mitte Juni bei Impfungen routinemäßig ausgestellt. Menschen, die früher geimpft wurden, können sich den digitalen Nachweis nachträglich kostenlos etwa in Apotheken ausstellen lassen. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden in Deutschland bislang rund 40 Millionen Zertifikate ausgestellt. Hier geht‘s zum Corona-News-Ticker in Deutschland. (va)

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