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Pandemie schon bald vorbei? Ärzte-Chefs wollen bei Impfpflicht nicht mehr mitmachen

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Von: Jonas Raab

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Karl Lauterbach will die Impfpflicht, doch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen erteilt dem Gesundheitsminister eine Absage.
Karl Lauterbach will die Impfpflicht, doch Kassenärzte-Chef Andreas Gassen erteilt dem Gesundheitsminister eine Absage. © Future Image/imago

Die SPD drängt auf eine allgemeine Impfpflicht gegen Corona. Kassenärzte wenden sich ab. Die Krankenhausgesellschaft geht sogar noch einen Schritt weiter.

Berlin - Die Debatte um die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht in Deutschland nimmt Fahrt auf. Auf Drängen der SPD-Regierung – insbesondere von Bundeskanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Karl Lauterbach – soll der verpflichtende Piks gegen Corona im Bundestag beraten und schon bald auf den Weg gebracht werden. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung, Andreas Gassen, hat eine Befürchtung – und erteilt Lauterbach eine Absage.

Sollte die Impfplicht kommen, so Gassen in der Bild, wollen die deutschen Kassenärzte sie nicht umsetzen. Die Praxen der rund 100.000 niedergelassenen Mediziner seien „kein Ort, um staatliche Maßnahmen durchzusetzen“, sagte er. Gassen betonte, wie wichtig das Vertrauen zwischen Arzt und Patient sei – und erklärte dann: „Wir werden unseren Ärzten nicht zumuten, eine Impfpflicht gegen den Willen der Patienten zu exekutieren.“

Corona-Impfpflicht: Kassenärzte wollen nicht mitmachen - „Politik muss sich kümmern“

Auch den Vorschlag von Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann wischen die Kassenärzte vom Tisch: Der CDU-Politiker forderte, eine Beratungs-Pflicht für Impf-Unwillige einzuführen. Dazu Stefan Hofmeister, Vize der Kassenärztlichen Vereinigung, in der Bild: „Die Entscheidung um die Impfpflicht ist eine politische. Wenn die Bundesregierung diese beschließen will, muss sie sich auch um die Umsetzung kümmern.“

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft geht noch einen Schritt weiter. Verbandschef Gerald Gaß stellte im Handelsblatt die Notwendigkeit der Impfpflicht infrage – und sprach gar schon vom Ende der Pandemie. Der Grund: Omikron und seine milden Verläufe.

Corona: Wackelt wegen Omikron jetzt sogar die einrichtungsbezogene Impfpflicht?

„Wenn die Politik nach Abwägung der wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dem Ergebnis kommen sollte, dass die Pandemie vorbei ist und es deshalb keine Impflicht mehr braucht, dann gibt es eine neue Lage“, sagte Gaß. In diesem Fall gäbe es aus seiner Sicht keinen Grund, an der allgemeinen und an der einrichtungsbezogenen Impfpflicht festzuhalten.

Bis zum 15. März müssen Beschäftigte in Einrichtungen wie Arztpraxen und Kliniken Impf- oder Genesungsnachweise vorlegen. Zwar blieb die befürchtete Kündigungswelle laut Gaß im Gesundheitswesen aus, aber dennoch hätten sich durch Omikron die Vorzeichen verändert.

Krankenhausgesellschaft zweifelt an Sinn der Impfpflicht - Corona „nur noch Grippe“?

„Wenn Corona tatsächlich nur noch als eine Grippe angesehen wird, dann muss das Virus auch so behandelt werden – und gegen die Grippe gibt es keine Impfpflicht für medizinisches Personal“, sagte Gaß. Der Ethikrat habe sich bei seiner Empfehlung für die einrichtungsbezogene Impfpflicht an der mittlerweile nicht mehr dominanten Delta-Variante orientiert. „Unter dem Lichte der Omikron-Variante muss deswegen auch die einrichtungsbezogene Impfpflicht neu bewertet werden“, forderte Gaß im Handelsblatt. (jo)

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