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Impfpflicht für spezielle Berufe kommt: Klinik-Engpässe bei Personal befürchtet

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Von: Martina Lippl

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Intensiv-Pflegerin auf Covid-Station. Pflegekräfte auf Intensivstationen sind in der Corona-Pandemie besonders gefordert.
Pflegekräfte auf Intensivstationen sind in der Corona-Pandemie besonders gefordert. © Jens Büttner/dpa

Schon jetzt haben Krankenhäuser mit Personalausfällen zu kämpfen. Mit der kommenden Impfpflicht rechnen Kliniken mit weiteren Einschränkungen bei der Patientenversorgung.

Berlin - Die Corona-Impfquote bei Beschäftigten in der Pflege ist sehr hoch. 95 Prozent der Krankenpflegekräfte sind vollständig geimpft. Bei Beschäftigten in patientennahen Bereichen liegt die Impfquote bei 90 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Umfrage* der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hervor. Wenn Mitte März die Impfpflicht für Beschäftigte in Kliniken und Pflege in Kraft tritt, kann das trotz der Impfquoten den Personalnotstand verschärfen. Experten warnen vor einer Gefährdung bei der Patientenversorgung.

Einrichtungsbezogene Impfpflicht - Krankenhäuser erwarten Personal-Probleme

Zwei Drittel der Krankenhäuser (66 Prozent) rechnen der DKG-Umfrage zufolge mit Einschränkungen bei der Patientenversorgung, wenn ab 16. März ungeimpftes Personal nicht mehr beschäftigt werden darf.

„Umso wichtiger ist es, dass Rechtsklarheit hergestellt wird und die Gesundheitsämter nach dem 15. März einheitlich und mit angemessenen Übergangsfristen das weitere Verfahren umsetzen“, so DKG-Chef Gerald Gaß in einer aktuellen Pressemitteilung am Montag. Gaß fordert umgehend eine Umsetzung der allgemeinen Impfpflicht. „Denn es ist den Beschäftigten am Krankenbett auf Dauer kaum vermittelbar, warum sie selbst einer Impfpflicht unterliegen, gleichzeitig aber der weitaus größte Teil der Patienten, um die sie sich kümmern müssen, die Impfung leichtfertig nicht genutzt hat“, teilt der DKB-Chef mit.

Die Personaldecke in den Krankenhäusern ist derzeit schon dünn. Fast zwei Drittel der Krankenhäuser verzeichnen mehr als übliche oder sogar deutlich höhere krankheitsbedingte Ausfälle. „Die Personalausfälle sind aktuell ein deutlich größeres Problem als in normalen Jahren“, stellt Gaß fest. Jedes zweite Krankenhaus kann derzeit aufgrund krankheitsbedingter Personalausfälle seine Betten auf den Allgemeinstationen nicht vollumfänglich betreiben, so ein Ergebnis der DKB-Umfrage.

Ärzteverband: Anfang Februar wird es eng in den Kliniken

Kliniken werden nach Einschätzung des Marburger Bunds in wenigen Tagen an ihre Belastungsgrenze stoßen. „Spätestens Anfang Februar wird es in den Krankenhäusern deutschlandweit sehr eng werden, wenn die Infektionszahlen weiterhin in diesem Tempo steigen“, sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Samstag. Sie erwarte, dass in den kommenden Wochen sehr viele Beschäftigte des ärztlichen und pflegerischen Personals ausfallen werden, weil sie sich infiziert haben und in Isolation müssen.

„Das Personal ist der Engpass“

Das gelte für den ambulanten Versorgungsbereich genauso wie für den stationären. Weiter steigende Infektionszahlen könnten dazu führen, „dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr dem üblichen Standard entsprechen wird“, sagte Johna. Anders als in der ersten Pandemiewelle gehe es jetzt nicht mehr um zu wenig Technik oder zu wenige Beatmungsgeräte. „Das Personal ist der Engpass.“

Für wen gilt die Corona-Impfpflicht ab März 2022?

Bis zum 15. März müssen Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen laut der Reform des Infektionsschutzgesetzes nachweisen, ob sie vollständig geimpft sind, von Corona genesen sind oder ein ärztliches Attest ihrer Nicht-Impfbarkeit vorlegen. Die Impfpflicht gilt für Personengruppen in bestimmten Einrichtungen:

Wer nach dem 16. März keinen Immunitätsnachweis vorlegen kann, darf dort in der Regel nicht mehr beschäftigt werden. Viele Krankenhäuser weisen auch ihr Personal auf mögliche arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie die Freistellung von ungeimpften Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ohne Lohnfortzahlung hin.

Beschäftige in Kliniken oder Pflege sollen bevorzugt Novavax angeboten bekommen

Beschäftigte in Kliniken oder in der Pflege sollen „bevorzugt“ den Corona-Impfstoff von Novavax erhalten können. Das haben die Gesundheitsminister von Bund und Länder am Samstag (22. Januar) beschlossen.

„Krankenschwester, ungeimpft“ sucht neuen Job: Anzeigen häufen sich und schüren Verdacht. Mehrere Medien beobachten Inserate ungeimpfter Pflegekräfte. Doch was steckt tatsächlich dahinter? (ml) *Für die Online-Umfrage wurden nach Angaben der DKG 246 Krankenhäuser ab 50 Betten am 18. und 19. Januar befragt.

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