1. Startseite
  2. Welt

Astrazeneca-Impfstoff: Schweiz will scheinbar Millionen erworbene Dosen wieder verkaufen

Erstellt:

Kommentare

Der Astrazeneca-Wirkstoff sorgt für Aufsehen. Doch ein Gießener Virologe verteidigt das Vakzin. Die Schweiz wiederum erwägt einen radikalen Schritt.

Update vom 21. Februar, 12.40 Uhr: Die Schweiz erwägt, ihren Astrazeneca-Impfstoff wieder zu verkaufen. Das berichtet ntv unter Berufung auf die Neue Züricher Zeitung. Dabei gehe es konkret um 5,3 Millionen Dosen, die die Regierung bereits erworben hatte. Damit reagiert das Land offenbar auf die anhaltenden Bedenken gegenüber dem Vakzin. Es bestünden Zweifel bezüglich der Wirksamkeit. Bislang hat die für die Zulassung zuständige Schweizer Behörde Swissmedic keine Entscheidung getroffen, sondern auf den Bedarf weiterer Daten laufender Studien verwiesen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte erst am Samstag bei einer Bürgerbefragung gegen die Vorurteile gegen Astrazeneca gewettert. Die Wirksamkeit läge dann bei 81 Prozent. 

Gießener Virologe verteidigt Astrazeneca-Impfstoff - Heftige Reaktion offenbar gutes Zeichen

Update vom 20. Februar, 12.30 Uhr: Der Gießener Virologe Friedemann Weber bricht im Gespräch mit Focus Online eine Lanze für den Astrazeneca-Impfstoff. Nachdem zahlreiche Angestellte einer Braunschweiger Klinik stark auf den Impfstoff reagierten (siehe Update vom 18. Februar, 21.28 Uhr), sind die Bedenken teilweise groß. Christian Drosten verteidigte den Impfstoff kürzlich im NDR-Podcast gegen Kritik.

Wie Weber nun anführte, sei eine heftige Reaktion auf den Impfstoff jedoch ein gutes Zeichen. „Das ist die Reaktion auf den Impfstoff. Die Leute haben besonders gut darauf reagiert“, so der Gießener Virologe. „Das ist das erste Anzeichen, dass das Immunsystem anspringt und das ist bei allen diesen Impfstoffen recht ausgeprägt.“ Das spreche dafür, dass sie eine gute Immunantwort auslösen - was dazu führen kann, dass Personen sich krank fühlen. Also: ein gutes Zeichen.

Reaktion auf Impfung mit Astrazeneca - Zahlreiche Angestellte von Klinik fallen kurzfristig aus

Update vom 18. Februar, 21.28 Uhr: In einer Braunschweiger Klinik hatten sich nach einer Corona-Impfung mit dem Astra-Zeneca-Wirkstoff etliche Angestellte krank gemeldet. 37 von 88 Beschäftigten waren kurzzeitig arbeitsunfähig (siehe Erstmeldung). Der Ärztliche Direktor der Klinik, Professor Karl-Dieter Heller, rät dennoch zur Astrazeneca-Impfung, wie er nun gegenüber der F.A.Z. erklärte.

Der Mediziner stellte klar, dass es seinen Angestellten schon kurz nach Auftreten der Beschwerden wieder gut ginge: „Am Montag waren alle wieder arbeitsfähig. Die meisten fühlten sich schon am Samstag wieder gut. Niemand hat Schaden genommen.“ Vom Ausmaß der Nebenwirkungen sei Heller dennoch überrascht gewesen: „Wir hatten mit Nebenwirkungen bei zehn bis 15 Prozent der Mitarbeiter gerechnet, landeten dann aber bei 40 Prozent.“

Dieser Effekt sei allerdings kein Grund zur Sorge - im Gegenteil. Denn „die Impfstoffe sind offenbar also so potent, dass das Immunsystem stark darauf reagiert. Wenn Sie das mit einem Virologen besprechen, schließt der daraus auf eine gute Wirkung der Impfung.“

Zuvor sei die Impfsituation innerhalb des Klinikpersonals diskutiert worden. Viele Angestellte hätten sich gewünscht, durch den Biontech/Pfizer-Wirkstoff immunisiert zu werden, da dieser wirksamer ist als der von Astrazeneca. Da Biontech/Pfizer aber vorrangig bei der älteren Bevölkerung (65+) angewendet werden soll, musste das Klinikum Braunschweig auf Astrazeneca zurückgreifen.

Experten des Helmholtz-Instituts für Infektionsforschung überzeugten Heller letztlich aber von Astrazeneca: „Die sagten ganz klar: Lasst euch dennoch impfen. Besser 70 Prozent Wirksamkeit als auf die Impfung zu verzichten. Ebenso ist nach der Impfung im Falle der Erkrankung ein weniger intensiver Verlauf zu erwarten.“ Daher appelliert der Mediziner auch weiterhin daran, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen: „Der Impfstoff wirkt und seine Wirkung wird nach einigen Wochen auch noch einmal stärker. Nicht geimpft sein, ist definitiv schlechter.“

Corona-Impfstoff: WHO spricht sich für AstraZeneca aus.
Der Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens AstraZeneca soll die helfen, die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen: Am 29. Januar 2021 erhielt der Impfstoff eine bedingte Marktzulassung in der EU, am 15. Februar sprach sich auch die WHO für ihn aus. © Martin Wagner/imago-images

Astrazeneca-Impfstoff: Experte rät zur dritten Impfung - von anderem Hersteller

Update vom 18. Februar, 11.20 Uhr: Die Kritik am Impfstoff von Astrazeneca reißt nicht ab, in vielen Fällen sorgte das nun bereits zu ausgefallenen Impstoff-Terminen (siehe Update vom 17. Februar). Nachdem auffällig viele Mitarbeiter zweier Kliniken überraschend viele Symptome nach einer Impfung mit dem Vakzin gezeigt hatten, hatten die Kliniken sogar vorübergehend einen Impfstoff-Stopp für den Astrazeneca-Impfstoff ausgesprochen.

Im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen erklärt Immunologe Professor Carsten Watzl: „Das Mittel von Astrazeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind.“ Während die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna nämlich eine Wirkung von etwa 94 Prozent erzielen, soll die Wirkung des Astrazeneca-Vakzins bei etwa 70 Prozent liegen. Doch wie Watzl in dem Interview weiter erklärt, biete auch eine Impfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca eine höhere Sicherheit, als gar keine Impfung zu erhalten.

„Ein Unterschied zwischen den Impfstoffen ist, dass diese Nebenwirkungen bei mRNA-Impfstoffen in mehr Fällen und stärker nach der zweiten anstelle der ersten Impfung auftreten. Bei Astrazeneca ist es genau umgekehrt“, erklärt der Immunologe weiter. Es sei jedoch auch möglich, die Immunität, die durch den Wirkstoff von Astrazeneca ausgelöst worden sei, später noch einmal durch einen anderen Impfstoff zu verstärken. „Es wäre deshalb kein Problem, eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nachzuholen.“

Virologe Christian Drosten dagegen spricht sich in seinem neuen Podcast sehr für den Astrazeneca-Impfstoff aus.

Astrazeneca-Impfstoff in der Kritik: Virologe schwächt Sorgen vor fehlender Wirkung ab

Update vom 17. Februar, 16.20 Uhr: Die Kritik am Vakzin von Astrazeneca nimmt seit Tagen immer größere Ausmaße an. Nachdem sich auffällig viele Mitarbeiter einer Klinik nach einer Impfung mit dem Wirkstoff krank gemeldet hatten, reagierten bereits zwei Kliniken (siehe Ursprungsmeldung). Doch wie Virologe Prof. Plachter von der Uni Mainz im Gespräch mit Bild erklärt, könne man sicher sein, dass der Impfstoff wirke, sobald ein Körper auf die Verabreichung reagiere.

„Im Prinzip bedeutet die Impfreaktion nur, dass das Immunsystem aktiviert ist und das ist ein gutes Zeichen“, verdeutlicht der Experte dabei. Demnach sei es „Jammern auf hohem Niveau“ und „überhaupt nicht schlimm“, wenn es den Geimpften für einige Tage schlecht gehe.

Corona in Deutschland: Impfbereitschaft lässt offenbar bereits nach - erste Termine abgesagt

Update vom 17. Februar, 15.20 Uhr: Immer mehr Menschen in Deutschland und der Welt unterziehen sich einer Impfung gegen das Coronavirus, doch vor allem der Wirkstoff von Astrazeneca sorgt nun erneut für Schlagzeilen. Nachdem sich nämlich auffällig viele Mitarbeiter nach einer Impfung mit dem Vakzin krank gemeldet hatten, stoppten gleich zwei Kliniken in Deutschland die Verimpfung des Wirkstoffs (siehe Ursprungsmeldung unten).

Nachdem Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Vormittag bei einer Pressekonferenz bestätigt hatte, dass der Vorfall nun vom Paul-Ehrlich-Institut untersucht werde, häufen sich nun offenbar Bedenken vor einer Verabreichung des Astrazeneca-Impfstoffs. Wie unter anderem n-tv berichtet, sollen einige Impfberechtigte vor einer Sorge des Astrazeneca-Impfstoffs ihren Termin bereits verfallen lassen haben. „Ja, bei uns wurden Termine abgesagt, Leute sind nicht gekommen“, erklärte eine Sprecherin des Kreises Paderborn gegenüber dem TV-Sender. Nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums gebe es bislang noch keinen landesweiten Überblick über die Anzahl abgesagter Termine.

Wie n-tv weiter berichtet, sollen nach den gehäuften Krankmeldungen in Kliniken von den insgesamt 72.000 nach Niedersachsen ausgelieferten Astrazeneca-Impfstoff-Dosen bis einschließlich Dienstag erst 8806 Dosen verimpft worden sein. Das bestätigte das Gesundheitsministerium in Hannover gegenüber dem TV-Sender.

Zu viele Mitarbeiter mit Nebenwirkungen krank: Deutsche Kliniken stoppen Astrazeneca-Impfung

Ursprungsmeldung vom 17. Februar 2020: Braunschweig - Nachdem bereits erste Regionen in Schweden eine Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgesetzt hatten, stoppten nun auch erste Kliniken in Niedersachsen Impfungen mit dem Vakzin. Nach Klagen von etlichen Klinik-Angestellten über Nebenwirkungen wurde die Verabreichung des Wirkstoffs an gleich zwei Orten gestoppt, wie auch owl24.de* berichtet.

Corona in Deutschland: Zu viele Mitarbeiter melden sich nach Astrazeneca-Impfung krank

So teilte das Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig am Dienstag auf Anfrage mit, geplante Impfungen mit diesem Präparat zu verschieben. Auch am Klinikum Emden galt zwischenzeitlich ein Stopp für Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin. Am Dienstagabend gab der Landkreis Leer für die Verabreichung des Wirkstoffs jedoch wieder grünes Licht. Grund dafür: nachdem der Wirkstoff von Astrazeneca 88 Beschäftigen der Klinik Braunschweig geimpft worden war, meldeten sich 37 von ihnen wegen „Impfreaktionen“ vorübergehend krank. Die Impfung erfolgte am Donnerstag. Um den Betrieb nicht zu gefährden, stoppte die Klinik aus diesem Grund jegliche weitere Impfung mit dem Astrazeneca-Wirkstoff.

Auch am Klinikum Emden meldeten sich Beschäftigte nach Impfungen krank. Daraufhin kündigte der Landkreis Leer zunächst ebenfalls an, das Mittel nicht mehr zu spritzen. „Denn unsere Impfdosen stammen vermutlich aus der gleichen Charge wie in Emden“, hieß es.

Corona in Deutschland: Nebenwirkungen können auftreten - doch Chargenproblem Ursache für Komplikationen?

Nebenwirkungen und Reaktionen können nach Angaben des Robert Koch-Instituts* sowohl bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna als auch beim Vektor-basierten Astrazeneca-Präparat auftreten. Der Leiter des Krisenstabs des Landes Niedersachsen, Heiger Scholz, zeigte sich am Dienstag aber überrascht angesichts des vermehrten Auftretens von
Nebenwirkungen. Ein Chargenproblem sei nicht auszuschließen. Einen schweren Verlauf der Nebenwirkungen habe es bislang demnach nicht gegeben, niemand habe mit Komplikationen in eine Klinik gemusst, sagte Scholz. Letztlich seien die erwartbaren Nebenwirkungen ein positives Zeichen - man sehe, dass der Impfstoff wirke.

Probleme mit dem Astrazeneca-Impfstoff hatte bereits Südafrika gemeldet. Einem Medienbericht zufolge will das Land eine Million Dosen des Impfstoffs zurückgeben. Eine Studie habe gezeigt, dass der Impfstoff nur eingeschränkt gegen die in Südafrika entdeckte Virus-Mutation wirke.

Corona in Deutschland: Paul-Ehrlich-Institut informiert - nun wird Vorfall untersucht

Das für die Sicherheit von Impfstoffen zuständige Paul-Ehrlich-Institut wurde informiert. Eine Einschätzung zu den konkreten Fällen sei derzeit noch nicht möglich, sagte eine Sprecherin des Instituts der „Braunschweiger Zeitung“. Aktuell werde untersucht, ob die Reaktionen über das hinausgingen, was in den klinischen Prüfungen beobachtet wurde. Der Hersteller sieht keinen Grund zu Sorge. „Derzeit sind die gemeldeten Reaktionen so, wie wir sie aufgrund der Erkenntnisse aus unserem klinischen Studienprogramm erwarten würden“, teilte Astrazeneca am Montag auf Anfrage mit.

Währenddessen sinkt die Zahl der Neuinfektionen weiterhin, doch über 200 Mitarbeiter einer Eisfabrik in Osnabrück infizierten sich nun mit dem Coronavirus*. *Merkur.de und owl24.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Auch interessant

Kommentare