Minus 80 Grad: Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer musste bisher besonders gekühlt werden. Nun gibt es Entwarnung.
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Minus 80 Grad: Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer musste bisher besonders gekühlt werden. Nun gibt es Entwarnung.

Corona-Impfstoff

Corona: Minus 80 Grad? Entwarnung bei Kühlung von Biontech-Impfstoff - US-Behörden lockern Vorschriften

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer gilt als besonders heikel. Das Vakzin muss bei extremen Minus-Temperaturen transportiert und gelagert werden, bis jetzt. In Sachen Kühlung lockern US-Behörden.

Washington - Der Biontech/Pfizer Impfstoff musste bisher bei Temperaturen bis zu minus 80 Grad aufbewahrt gelagert und gekühlt werden. Ein logistischer Aufwand. Spezielle Gefrierschränke sind dafür nötig. Die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA hat jetzt ihre Vorschriften zur Lagerung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer gelockert.

Der Corona-Impfstoff darf nun in den USA bis zu zwei Wochen lang in normalen pharmazeutischen Gefrierschränken mit Temperaturen von bis zu minus 20 Grad gelagert werden, wie die FDA am Donnerstag mitteilte.

Die FDA will mit der Lockerung der Vorschriften die Arbeit der Impfzentren sowie die Versorgung mit Impfdosen erleichtern. Die Impfzentren müssten nun nicht mehr spezielle Gefrierschränke mit ultraniedrigen Temperaturen anschaffen, erklärte der FDA-Experte Peter Marks. Die Anschaffung von „Ultra-Low-Kühlschränken“ für Impfzentren falle weg und der Impfstoff könne einfacher transportiert werden.

Pfizer/Biontech legt neue Daten zum Corona-Impfstoff vor

Pfizer hatte bei der FDA eine Lockerung der Regulierung für die Impfstofflagerung beantragt. Der US-Konzern legte Daten vor, wonach das Vakzin auch bei geringeren Minustemperaturen von minus 25 bis minus 15 Grad in seiner Wirksamkeit stabil bleibt. Diese Temperaturen könnten von den gängigen pharmazeutischen Gefrier- und Kühlschränken aufrechterhalten werden, argumentieren Biontech und Pfizer.

„Pfizer hat der FDA Daten übermittelt, um diese alternative Temperatur für Transport und Lagerung zu unterstützen. Diese alternative Temperatur für den Transport und die Lagerung der unverdünnten Fläschchen ist erheblich und ermöglicht den Transport und die Lagerung der Fläschchen unter flexibleren Bedingungen“, teilt die FDA mit.

Diese Lockerung gilt nur für die unverdünnten gefrorenen Biontech/Pfizer-Fläschchen. Sie bleiben laut FDA bis zu zwei Wochen bei den Gefriertemperaturen stabil. Aufgetaute Fläschchen können bis zu 5 Tage in einem Kühlschrank aufbewahrt werden, betont die FDA. Verdünnte Impfdosen müssen bei einer Raumtemperatur in sechs Stunden verwendet werden.

In Deutschland ist allerdings weiterhin die Lagerung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs in Ultra-Tiefkühlschränken bei Temperaturen zwischen minus 80 und minus 60 Grad vorgeschrieben (siehe Tabelle unten). Doch vielleicht zieht Deutschland nach. In der Corona-Pandemie geht es um Tempo und die Uhr tickt.

Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte schon Anfang Dezember 2020 mitgeteilt, dass sich der Corona-Impfstoff in einem handelsüblichen Kühlschrank aufbewahren lässt, ohne gleich an Stabilität zu verlieren. Der Impfstoff werde bereits in Trockeeisboxen ausgeliefert, sagte Biontech-Finanzvorstand Sierk Pötting der Ärztezeitung. In denen könne er 30 Tage lang gekühlt werden. Zudem lasse sich der Corona-Impfstoff bedenkenlos für bis zu fünf Tage in Kühlschränken bei zwei bis acht Grad aufbewahren.

Corona-Impfstoffe für Deutschland - Lagerung und Kühlung

ImpfstoffNameLagerung/KühlungImpfstoff-Typ
Biontech/PfizerComirtnaty BNT162b2minus 90 bis minus 60 GradmRNA
ModernaCovid-19 Vaccine Moderna (mRNA-1273)minus 25 bis minus 15 GradmRNA
AstraZenecaCovid-19 Vaccine AstraZeneca (AZD1222)2 bis 8 GradVektor-basiert

Biontech/Pfizer auch in deutschen Arztpraxen

Spätenstens ab Mai soll auch in den Arztpraxen der Biontech-Impfstoff gegen das Coronavirus geimpft werden, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

„Einen Impfstart für die Praxen in den nächsten sechs bis acht Wochen“, erwartete die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Das sagte ein KVB-Sprecher der Rheinischen Post. Nach Angaben des Apothekerverbands Nordrhein stehen allein in Nordrhein-Westfalen 4.000 Apotheken bereit, die niedergelassenen Ärzte ab Mai mit Impfstoff zu versorgen.

Corona-Impfstoff - Liefermengen werden bald zum Problem

Weltärzte-Chef Frank Ulrich Montgomery rechnet in zwei Monaten aufgrund der „Schwemme an Impfstoffen“ mit einer Überforderung der Impfzentren. „Wir werden in zwei Monaten sehr viel mehr Impfstoff in Deutschland haben, als die bisherigen Impfzentren verimpfen können“, sagte er am Freitag im Interview mit den Fernsehsendern RTL und ntv.

Er dringt daher auf Konzepte, wie etwa der Impfstoff zu den Hausarztpraxen transportiert werden kann. „Das alles muss jetzt geplant werden und ich sehe schon jetzt mit Grausen, wie wir dann wieder von einer Ad-Hoc-Lösung in die nächste Ad-Hoc stolpern, weil es keinen präzisen Plan gibt“, sagte Montgomery. (ml mit Material der AFP)*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Corona-Zahlen in Deutschland steigen wieder deutlich - über die aktuelle Lage informieren Spahn und Wieler auf einer Pressekonferenz.

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