Schutzimpfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2: Sozialverbände warnen davor, die Steuerung dem freien Markt zu überlassen (Symbolbild)
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Schutzimpfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2: Sozialverbände warnen davor, die Steuerung dem freien Markt zu überlassen (Symbolbild).

„Das darf nicht sein“

Corona-Impfung: Keine Warteschlange für „Reiche“? Verband warnt vor Verteilungs-Kämpfen

  • Patrick Freiwah
    vonPatrick Freiwah
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„Wir werden eine Verteilungsdebatte erleben“, warnt der Chef eines Wohlfahrtsverbandes vor Problemen beim Corona-Impfschutz. Er fürchtet Vorteile für „Reiche“.

  • Wird die Corona-Impfung die soziale Spaltung in der Gesellschaft vergrößern?
  • Deutsche Sozialverbände warnen vor einer ungleichen Verteilung des Impfstoffes gegen Sars-CoV-2*.
  • Ihr Anliegen: Die Politik darf das Angebot des Impfschutzes nicht dem freien Markt überlassen.

Berlin/München - Zwei große deutsche Wohlfahrtsverbände haben im Hinblick auf die von vielen Menschen sehnlichst erwarteten Corona-Schutzimpfungen vor sozialen Konflikten und wachsender Ungleichheit innerhalb der Bevölkerung gewarnt. "Sobald es einen zugelassenen Impfstoff gibt, werden wir eine Verteilungsdebatte erleben", sagte Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Auch der Präsident des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Adolf Bauer, sieht die Gefahr von Ungerechtigkeit bei der Verteilung des Impfstoffs.

Corona-Impfung: Verteilungskämpfe um das Gegenmittel? „Lange Warteschlangen umgehen“

Wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kürzlich bestätigte, werden zuerst gesundheitliche Risikogruppen und medizinisches Personal einer Impfung gegen das Virus Sars-CoV-2 unterzogen, ehe weitere Bevölkerungsgruppen an der Reihe sind. Nach Einschätzung Schneiders werden danach diejenigen an die Reihe kommen, "die die Wirtschaft am Laufen halten und als systemrelevant gelten."

Menschen, die aus gesellschaftlicher und ökonomischer Sicht dann als weniger wichtig angesehen werden, müssten sich dann hinten anstellen, glaubt der Verbands-Chef. Außerdem ist er überzeugt, dass sich die Verteilung des Corona-Impfstoffs* zu einem Konflikt zwischen Arm und Reich entwickeln könnte: „Dann werden Reiche womöglich Wege suchen, um die lange Warteschlange beim Impfen zu umgehen, indem sie sich das Präparat gegen viel Geld im Ausland beschaffen. Das darf nicht sein“, mahnte der Vorsitzende des gemeinnützigen Verbandes, der sich in Deutschland für die Belange von kranken und schwachen Menschen einsetzt.

Corona-Impfschutz den freien Märkten überlassen? Ein Fehler, glauben Sozialverbände

Schneider appellierte, die Politik müsse alle Anstrengungen unternehmen, um eine derartige Entwicklung zu unterbinden. "Die Staaten dürfen die Steuerung des Impfstoffangebots nicht aus der Hand geben oder die Verteilung den Kräften des freien Marktes überlassen", forderte der Verbandsvertreter. Für die Länder der Europäischen Union ist eine Corona-Impfung frühestens Ende Dezember realistisch.

SoVD-Präsident Bauer sagte, es müsse "verhindert werden, dass diejenigen mit den größeren Ressourcen sich bevorzugten Zugang zu Impfungen verschaffen können und so eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht." TV-Wissenschaftler Harald Lesch befürchtet unterdessen, dass die Corona-Maßnahmen noch wesentlich verschärft* werden. könnten - wenn nicht bei einigen Mitgliedern der Gesellschaft ein Umdenken einsetze. (PF mit AFP) *Merkur.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

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