Corona-Impfstoff: WHO spricht sich für AstraZeneca aus.
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Corona-Impfstoff: WHO spricht sich für AstraZeneca aus.

Covid-19-Pandemie

Diskussion um Impfstoff-Einsatz: WHO spricht sich für AstraZeneca-Impfstoff aus - ohne Altersbeschränkung

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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AstraZeneca hat in Rekordzeit einen Corona-Impfstoff auf den Markt gebracht. Das Vakzin wird jetzt auch in Deutschland verimpft. Bei der Wirksamkeit gibt die WHO aber eine andere Empfehlung heraus.

Genf - Zum Corona-Impfstoff von AstraZeneca gibt es unterschiedliche Urteile. Das ist etwas verwirrend. Die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts* (RKI) empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff momentan nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahre.

Die Datenlage zur Wirkung bei Älteren sei zu dünn. Deswegen schränkte die Stiko die Altersgruppe für den Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmakonzerns ein. Die Beschränkung auf Jüngere sei „kein Qualitätsurteil über den Impfstoff“, betonte  Stiko-Chef Thomas Mertens. Deutschland steht damit nicht allein (siehe Liste ).

  • In Schweden beispielsweise soll der Impfstoff nur für Menschen genutzt werden, die jünger als 65 Jahren sind.
  • In Spanien soll der Impfstoff von AstraZeneca vorerst nur Personen im Alter von 18 bis unter 55 Jahren verabreicht werden, die nicht zu einer Risikogruppe gehören. Auch hier lautet die Begründung, es fehlten Daten zur Wirkung bei Älteren und bei Menschen mit Vorerkrankungen.
  • In Südafrika wurden die geplanten AstraZeneca-Impfungen vorübergehend gestoppt. Am vergangenen Wochenende (7. Februar) veröffentlichten die Universitäten von Oxford und Witwatersrand eine Studie, wonach das Vakzin nur einen „minimalen Schutz“ vor leichten und mittelschweren Krankheitsverläufen nach einer Infektion mit der in Südafrika vorherrschenden Variante B.1.351 schützt.

WHO empfiehlt AstraZeneca-Impfstoff auch für Menschen über 65 Jahre

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt den Corona-Impfstoff des Pharmakonzerns AstraZeneca jetzt auch für Menschen über 65 Jahre. Unter Berücksichtigung der derzeitigen Datenlage empfehle die WHO den Impfstoff „für den Einsatz bei Personen im Alter von 65 Jahren und älter“, erklärte das Expertenkomitee für Immunisierungen (Sage) am Mittwoch in Genf. Zudem könne das Vakzin auch in Gegenden eingesetzt werden, in denen Corona-Mutanten* aufgetreten sind.

Coronavirus VarianteMutmaßliche Eigenschaft
Britische Variante B.1.1.7.Erhöhte Übertragbarkeit
Südafrika-Variante B.1.351Reduzierte Wirksamkeit der Immunantwort nach Infektion/Impfung
Manaus (Brasilien)-Variante B.1.1.28 P.1Hinweis auf mögliche Wiederansteckung

Dass es noch nicht ausreichend Daten für ältere Menschen gebe, gestand auch Sage-Chef Alejandro Cravioto laut der Nachrichtenagentur AFP ein. „Aber wir glauben, dass die Reaktion dieser Gruppe (auf das Vakzin) nicht anders sein kann als von Gruppen jüngeren Alters.“ Deshalb werde der Impfstoff von AstraZeneca „ab 18 Jahre und darüber ohne eine Höchstalter-Beschränkung“ empfohlen.

Sein Expertenkomitee erwarte mit Ungeduld weitere Daten, sagte Cravioto. Es wäre aber „unangebracht“, mit den Empfehlungen zu warten. „Tausende Menschen sterben täglich.“

WHO: Corona-Impfstoff von AstraZeneca wirkt gegen Mutanten des Coronavirus

Die Experten empfahlen zudem den Einsatz von AstraZeneca auch in Regionen der Welt, in denen Mutanten des Coronavirus aufgetreten sind. Die Studie, wonach der Impfstoff bei der erstmals in Südafrika aufgetretenen Variante weniger gut schützt, habe nur einen sehr kleinen Umfang gehabt und liefere deshalb keine spezifischen Aussagen zu schweren Erkrankungen, sagte Cravioto. Deshalb empfehle Sage „im Moment“ die Anwendung des Vakzins „auch, wenn Virusvarianten in einem Land präsent sind“.

In der Studie mit ungefähr 2.000 Probanden, die im Durchschnitt 31 Jahre alt waren, wurde eine leichte Erkrankung als mindestens ein Symptom von Covid-19 definiert, teilte die Universität Oxford mit.

Wegen der Studie hatte Südafrika seine mit AstraZeneca geplante Impfkampagne verschoben. Das Land will nun stattdessen den Corona-Impfstoff des US-Unternehmens Johnson & Johnson einsetzen.

Die südafrikanische Virus-Variante B.1.351 gilt als deutlich ansteckender als frühere Varianten. Südafrika will seine Bestände an AstraZeneca-Ampullen nun an Länder, in denen frühere Varianten des Coronavirus vorherrschend sind, verkaufen oder den AstraZeneca-Impfstoff gegen Vakzine anderer Hersteller tauschen.

Wirken die Impfstoffe gegen die Corona-Mutationen?

Der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll sowohl gegen die in Großbritannien als auch die in Südafrika aufgetauchten Coronavirus-Mutationen wirken. Daten zu einer entsprechenden Studie wurden im Fachblatt Nature Medicine Ende Januar 2021 veröffentlicht. Moderna meldete eine hohe Wirksamkeit bei den beiden Varianten. Alle Impfstoff-Produzenten haben angekündigt, ihre Impfstoffe anzupassen. Die Corona-Mutationen breiten sich weiter in Deutschland aus. Hier lesen Sie unseren New-Ticker zum Thema Corona in Deutschland.

In Deutschland sind mittlerweile drei Impfstoffe verfügbar:

  • BioNTech/Pfizer seit 26. Dezember 2020 - mRNA-Impfstoff
  • Moderna seit 14. Januar 2021 - mRNA-Impfstoff
  • AstraZeneca seit 29. Januar 2021 - Vektorimpfstoff

(ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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