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Armee entwickelt „Superimpfstoff“ gegen Corona - wirksam gegen viele Varianten

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Von: Markus Hofstetter

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Mitarbeiter des Walter Reed Army Institute of Research arbeiten in einem Labor
Die US-Armee arbeitet an einem Superimpfstoff gegen das Coronavirus (Archivfoto) © Rick Docksai/imago

Die Wirksamkeit aktueller Corona-Impfstoffe gegenüber Varianten nimmt ab. Die US-Armee will nun einen Superimpfstoff entwickelt haben, der auch Virusmutanten abdeckt. 

Silver Spring/Maryland - Es ist ein Traum für die durch das Coronavirus* geplagten Welt: Ein Impfstoff, der auch gegen Varianten wirksam ist. Dieser Traum könnte bald Wirklichkeit werden. Die US-Armee, genauer gesagt das Walter Reed Army Institute of Research, scheint auf dem besten Weg zu sein, ein Vakzin zur Marktreife zu entwickeln, das den Körper effizient vor einer Vielzahl verschiedener Virusmutanten schützt.

Bei dem sogenannten Spike-Ferritin-Nanopartikel-Impfstoff (SpFN) handelt es sich um einen Proteinimpfstoff, der Novavax* ähnelt. Er basiert auf dem Protein Ferritin, das Eisen speichern kann. Nach Informationen des Portals Defense One ist das Besondere an dem Protein, dass es ähnlich wie ein Fußball 24 Seiten aufweist. An jeder dieser Seite kann theoretisch das Spikeprotein einer anderen Virusvariante befestigt werden.

US-Armee entwickelt Superimpfstoff gegen Coronavirus: auch Wirkverstärker ist neu

Das Spikeprotein ist das Werkzeug des Coronavirus, um in menschliche Zellen einzudringen. Die bereits zugelassenen Impfstoffe zielen darauf ab, Antikörper zu bilden, die dieses Spikeprotein binden. Auf diese Weise kann das Virus nicht mehr an den Rezeptoren einer Zelle andocken, sie kann nicht mehr infiziert werden. Zusätzlich werden T-Zellen aktiviert, die bei einer Durchbruchsinfektion* vom Virus befallene Zellen erkennen und diese unschädlich machen. Auch diese Weise werden schwere Krankheitsverläufe vermieden.

Eine weitere Besonderheit von SpFN ist, dass es laut dem Walter Reed Army Institute of Research den in Eigenregie entwickelten Wirkverstärker ALFQ enthält. Dieser soll besonders sicher und wirkkräftig sein. Wirkverstärker stellen sicher, dass der Körper nach der Impfung auch genug Antikörper und T-Zellen produziert.

US-Armee entwickelt Superimpfstoff gegen Coronavirus: Wirksamkeit bei Rhesusaffen ist belegt

Eine im Dezember 2021 im Science Translational Medicine veröffentlichte vorklinische Studie zeigt, dass das SpFN-Vakzin bei 32 Rhesusaffen eine hohe gute Wirksamkeit aufwies. Demnach bietet der Impfstoff einen guten Schutz sowohl gegen das ursprüngliche Coronavirus als auch gegen die Alpha-, Beta-, Gamma- und Deltavarianten*. Es soll sogar gegen das im Jahr 2002 aufgekommene SARS-CoV-1-Virus wirksam sein. Labortests mit Proben aus Menschen sollen, so schreibt Spiegel.de, laut Medienberichten zudem gezeigt haben, dass durch die Impfung entstandene Antikörper auch Omikron unschädlich machen können.

Studien der Phase 1 an 72 Menschen im Alter von 18 bis 25 Jahren starteten im April 2021. Diese wurden in drei Gruppen unterteilt, die unterschiedlich starke Dosen des SpFN-Impfstoffs in verschiedenen Zeitabständen erhielten. Doch noch gibt es keine Ergebnisse dazu. Bevor ein Impfstoff zugelassen wird, muss dieser allerdings insgesamt drei Phasen durchlaufen. Ist Phase 1 erfolgreich abgeschlossen, stehen noch zwei aus.

US-Armee entwickelt Superimpfstoff gegen Coronavirus: potenzielles Vakzin für ärmere Länder

Im Walter Reed Army Institute of Research ist man aber bereits jetzt optimistisch. „Dieses Vakzin überragt die bisherigen Corona-Impfstoffe“, sagt Kayvon Modjarrad, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten des Instituts, in einer Mitteilung der Einrichtung. „Die wiederholbare und geordnete Anordnung des Coronavirus-Spikeproteins auf einem mehrflächigen Nanopartikel kann die Immunität so stimulieren, dass sich ein deutlich breiterer Schutz bildet.“

Neben der breiten Immunantwort ist ein weiterer Vorteil des Army-Impfstoffs, dass er über weite Temperaturbereiche hinweg stabil ist, er muss also nicht wie beispielsweise der Biotech-Impfstoff* bei zweistelligen Minusgraden gekühlt werden. Damit bietet sich das Vakzin auch für ärmere Staaten an, die nicht in der Lage sind, Kühlketten zu etablieren.

US-Armee entwickelt Superimpfstoff gegen Coronavirus: Skeptiker sieht keinen „Wunderimpfstoff“

Doch es gibt auch Skeptiker. „Ich sehe hier keinen ‚Wunderimpfstoff‘“, erklärt Dr. Andreas Radbruch, Immunologe und wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums Berlin gegenüber T-Online. Ob dieser Impfstoff gegen alle nur denkbaren, heute noch gar nicht existierenden Varianten von SARS-CoV-2 schütze, sei dahingestellt.

Radbruch hält den Impfstoff anderen in der Entwicklung befindlichen Impfstoffen, die ebenfalls auf mehr als nur ein Spikeprotein setzen, zumindest konzeptionell nicht grundsätzlich überlegen. Sie sind auch alle noch nicht zugelassen. „Aber wir sollten nicht vergessen, dass ein großer Vorteil auch der mRNA-Impfstoffe ist, dass man sie sehr schnell an neue Varianten anpassen kann.“*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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