„Keine analytischen Auffälligkeiten“

Österreich: Tod einer Krankenschwester hat keinen Zusammenhang - dennoch Umfrage-Debakel für AstraZeneca

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Nach dem Tod einer Krankenschwester in Österreich wenige Tage nach der Corona-Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff gibt die EMA nun eine erste Entwarnung.

Update vom 12. März, 15.42 Uhr: Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) warb am Freitag bei einer Pressekonferenz für Vertrauen in den AstraZeneca-Impfstoff. „Die Entscheidung wird von Experten getroffen. Am Ende der Überprüfung muss man das Ergebnis respektieren. Es gab keinen kausalen Zusammenhang, insofern vertraue ich auf die Expertinnen und Experten“, so Kurz. Der Kanzler erklärte, er würde sich mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca impfen lassen.

Eine Sprecherin der WHO verwies am Freitag ebenfalls auf die Beurteilung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die zu dem Schluss kam, dass die Nutzen der Impfung mit dem Mittel größer seien als die Risiken.

Das Unternehmen AstraZeneca selbst hat am Freitag Sorgen wegen schwerer Nebenwirkungen seines Corona-Impfstoffs zurückgewiesen. „Eine Analyse unserer Sicherheitsdaten von mehr als 10 Millionen Datensätzen hat keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen gezeigt“, versicherte ein Sprecher. Das gelte für alle Altersgruppen, Geschlechter, Länder oder Chargen des AstraZeneca-Impfstoffs. „Tatsächlich kommen diese Ereignisse unter Geimpften sogar seltener vor als in der Allgemeinbevölkerung“, hieß es weiter.

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Spahn „nimmt diese Berichte sehr ernst“

Update vom 12. März, 11.12 Uhr: Bei der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland äußerte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu der Kritik am AstraZeneca-Impfstoff. „Wir nehmen diese Berichte sehr ernst“, erklärte er.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seien jedoch zu der Einschätzung gekommen, dass es - „Stand diesen Freitag“ - kein erhöhtes Thrombose-Risiko gebe. „Aber wir beobachten das sehr genau“. Spahn sagte, er bedauere, dass einige Länder die AstraZeneca-Impfungen nun gestoppt hätten - „aber die meisten nicht“, betonte er.

Anke Richter-Scheer, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe und Leiterin des Impfzentrums im Kreis Minden-Lübbecke, erklärte bei der Pressekonferenz, alle zugelassenen Corona-Impfstoffe seien für sie „gleichwertig“.

Corona in Österreich: Umfrage-Debakel für Impfstoff von AstraZeneca

Update vom 12. März, 9.50 Uhr: Der Großteil der österreichischen Bevölkerung steht einer Corona-Impfung grundsätzlich positiv gegenüber. Das zeigte eine aktuelle Umfrage der Tageszeitung Österreich. Die Impfbereitschaft lag demnach bei 65 Prozent. Konkret sagten 44 Prozent der 1000 Befragten, sie wollen sich sicher impfen lassen, 21 Prozent stimmten für „eher ja, ich möchte aber noch abwarten“.

Die Umfrage zeigte auch, welcher der vorhandenen Impfstoffe am beliebtesten ist. Während beim Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer 78 Prozent der Befragten angaben, sie würden sich mit dem Vakzin impfen lassen, waren es bei AstraZeneca lediglich 39 Prozent. Die Mehrheit von 61 Prozent erklärte, sie würde eine Impfung mit dem Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers ablehnen. Der Corona-Impfstoff von Moderna erhielt eine Zustimmung von 60 Prozent der Befragten.

Corona in Österreich: Mehrere Zwischenfälle nach Impfung mit AstraZeneca

Erstmeldung vom 11. März: Amsterdam - In Österreich ist eine Krankenschwester des Landeklinikums Zwettl (Niederösterreich) im Alter von 49 Jahren in „Folge schwerer Gerinnungsstörungen gestorben“. Das teilte das österreichische Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) am vergangenen Sonntag mit. Zehn Tage vor ihrem Tod hatte die Frau eine Erstimpfung mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca erhalten.

Eine weitere Krankenschwester (35) des Landesklinikums Zwettl entwickelte wenige Tage nach ihrer Corona-Impfung mit einer Dosis aus derselben Charge (ABV5300) eine Lungenembolie. Die Frau „ist auf dem Weg der Besserung“, wie das BASG am Sonntag mitteilte. Österreich stoppte daraufhin dennoch vorsichtshalber die Corona-Impfung mit der betroffenen AstraZeneca-Charge. Am Universitätsklinikum LKH Graz gab es einen weiteren Fall einer Lungenembolie bei einer Krankenschwester (51). Der Zusammenhang mit einer wenige Tage zuvor verabreichten AstraZeneca-Impfung blieb zunächst offen.

Corona: EMA sieht keinen Zusammenhang zwischen AstraZeneca-Impfung und Tod der Krankenschwester

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) gab am Mittwoch nun eine erste Entwarnung. Es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass die oben genannten Fälle durch die Corona-Impfung mit dem Vakzin von AstraZeneca verursacht wurden. „Die Charge ABV5300 wurde an 17 EU-Länder geliefert und umfasst eine Million Dosen des Impfstoffs. Einige EU-Länder haben diese Charge ebenfalls als Vorsichtsmaßnahme ausgesetzt, während eine umfassende Untersuchung läuft. Obwohl ein Qualitätsmangel zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich angesehen wird, wird die Qualität der Charge untersucht“, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Der Sicherheitsausschuss PRAC der EMA untersuche die Fälle im Zusammenhang mit der Charge ABV5300, ebenso wie alle anderen Fälle von „thromboembolischen Ereignissen und anderen Erkrankungen im Zusammenhang mit Blutgerinnseln, die nach der Impfung gemeldet wurden“, erklärte die Behörde. „Die bisher vorliegenden Informationen deuten darauf hin, dass die Zahl der thromboembolischen Ereignisse bei geimpften Personen nicht höher ist als in der Allgemeinbevölkerung“, so die EMA weiter.

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Labor-Untersuchungen zeigen „keine analytischen Auffälligkeiten“

Bereits zuvor sah das BASG „keinen kausalen Zusammenhang“ zwischen der Corona-Impfung mit AstraZeneca und den aufgetretenen Fällen. Christa Wirthumer-Hoche, Leiterin der Medizinmarktaufsicht der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), erklärte gegenüber dem ORF, dass im betroffenen Landesklinikum Zwettl genaue Kontrollen durchgeführt wurden.

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„Dort wurde untersucht, wie das Produkt gelagert war, wie es dann verabreicht wurde, die Spritzen und die Ausstattung. Und da wurde ein absolut positives Gutachten erstellt, dass alles da in Ordnung war“, so Wirthumer-Hoche. Bei einer Untersuchung der betroffenen Impfstoff-Charge im offiziellen Kontrolllabor habe es ebenfalls „keine analytischen Auffälligkeiten“ gegeben, erklärte die Leiterin der Medizinmarktaufsicht weiter.

Bereits nach dem ersten Bekanntwerden der Fälle teilte das Unternehmen AstraZeneca der österreichischen Nachrichtenagentur APA mit: „Wir wünschen uns im Interesse all jener, die sehnlich auf eine Impfung warten, eine möglichst rasche Untersuchung, um Klarheit zu haben, wie es zu diesem bedauernswerten Ereignis kommen konnte.“ Das Unternehmen stehe im engen Kontakt mit der AGES und unterstütze die Untersuchung „voll und ganz“. (ph)

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow

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