Langersehnter Wendepunkt in Pandemie?

Israel-Studie: Biontech-Impfung stoppt Virus-Übertragung - Lauterbach erwartet „Rückkehr zum normalen Leben“

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Steht endlich der langersehnte Wendepunkt in der Corona-Krise bevor? Neue Daten zum Biontech-Impfstoff aus Israel geben Hinweise auf einen entscheidenden Aspekt, der die „Rückkehr zur Normalität“ einläuten könnte.

Tel Aviv - Rund ein Jahr befinden sich Deutschland und die Welt inzwischen im Corona-Ausnahmezustand. Immer mehr Menschen leiden unter den Folgen der Pandemie, unter Ängsten vor der neuartigen Krankheit Covid-19 und den erheblichen Folgen des monatelangen Lockdowns. Neue Daten aus Israel könnten nun einen Wendepunkt einläuten und machen Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

Corona-Impfstoff: Israels Biontech-Studie zeigt erstaunliche Daten zur Wirksamkeit

Fast 96 Prozent Wirksamkeit nach kompletter Impfung - dieser Wert geht aus neuen Daten aus Israel zum Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizers hervor. Bei Geimpften wurde zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis 95,8 Prozent weniger Infektionen festgestellt als bei nicht geimpften Menschen. Das teilte das israelische Gesundheitsministerium am Samstag mit. Eine Woche nach der zweiten Dosis lag die Wirksamkeit demnach bei 91,9 Prozent.

Vor einer schweren Erkrankung schützt der Impfstoff der Studie zufolge zwei Wochen nach der zweiten Dosis sogar zu 99,2 Prozent. Einen tödlichen Verlauf verhinderte die Impfung zu 98,9 Prozent.

Wendepunkt in der Corona-Krise: Biontech-Geimpfte nicht mehr ansteckend?

Doch ein weiterer Schutz-Aspekt der Impfung scheint sich nun abzuzeichnen - und der könnte den lang ersehnten Wendepunkt in der Corona-Krise einläuten. Offenbar schützt die Impfung auch gegen eine nachweisbare Infektion mit Sars-CoV-2. Das berichten Der Spiegel und Bild.de und beziehen sich auf eine bisher unveröffentlichte Studie des israelischen Gesundheitsministeriums und des Herstellers Pfizer. Die Untersuchung basiere auf Daten von 1,7 Millionen Geimpften. Sie sei noch nicht veröffentlicht, weder als sogenannter Preprint noch in einem wissenschaftlichen Fachmagazin. Das solle aber noch passieren.
Das würde bedeuten, dass Geimpfte nicht nur gegen das Virus geschützt sind, sondern auch nicht mehr ansteckend wären. Die Studie wurde dem Bericht zufolge von der israelischen Nachrichtenseite Ynet geleaked.

Lauterbach jubelt über Israel-Studie - „Rückkehr zum normalen Leben“

Offiziell bestätigt sind die erfreulichen Hinweise bisher nicht. Doch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) wagt eine erste Bewertung der neuen Daten. „Diese Auswertungen sind von großer Bedeutung. Sie sind der erste klare Hinweis darauf, dass man sich nach der Impfung nicht ansteckt und auch nicht ansteckend ist“, wird der Epidemiologe von Bild zitiert. „Damit würde die Impfung eine Herdenimmunität tatsächlich ermöglichen – und die Rückkehr zum normalen Leben möglich machen. Zumindest deuten das die Ergebnisse mit Biontech zum jetzigen Zeitpunkt an“, so der Epidemiologe weiter. Optimistisch wertete Lauterbach die Ergebnisse auch im Hinblick auf die sich derzeit ausbreitenden Corona-Mutationen wie beispielsweise der als aggressiver geltenden Variante aus Großbritannien. Denn dieser sei in Israel „sehr groß“, so der SPD-Experte.

Israel als Vorreiter beim Impfen - Daten machen auch für Deutschland Hoffnung

Die israelische Impfkampagne gilt als die erfolgreichste der Welt. In Israel, das 9,3 Millionen Einwohner hat, haben nach neuen Angaben des Gesundheitsministeriums bereits 4,25 Millionen Menschen mindestens eine Corona-Impfdosis erhalten. 2,88 Millionen Menschen haben bereits beide für eine vollständige Immunisierung notwendigen Impfdosen bekommen. Inzwischen können alle Menschen ab 16 Jahren einen Impftermin vereinbaren. Die Regierung will bis Ende März allen Bewohnern des Landes eine Impfung anbieten.

Auch wenn in Deutschland der Bevölkerungsanteil Geimpfter noch deutlich geringer ist, machen die Zahlen Hoffnung. Denn ein zentraler Aspekt für die Rückkehr in ein normales Leben, stellt die sogenannte „sterile Immunität“ einer Impfung dar. Das bedeutet, dass Geimpfte nicht nur gegen das Virus geschützt sind, sondern auch niemanden anderen mehr anstecken können. Somit könnte die sogenannte „Herdenimmunität“ der Bevölkerung erreicht werden.

„Sterile Immunität“ nach Impfung: Weitere Studien mit Hinweisen

Hinweise auf eine mögliche „sterile Immunität“ nach einer Impfung gab es bereits in einer weiteren Studie aus Israel, die allerdings noch nicht von Experten begutachtet wurde. Infizieren sich Menschen nach einer Corona-Impfung mit dem Erreger Sars-CoV-2, reproduzieren sie anscheinend weniger Viren als Ungeimpfte - und wären damit weniger ansteckend. Das fand ein Team um Idan Yelin vom Institute of Technology in Haifa fand heraus. Die Ergebnisse wertete auch Clemens Wendtner von der München-Klinik-Schwabing als „Anlass zu Hoffnung“.

Bei jenen 1140 Menschen, deren Impfung bereits 12 bis 28 Tage zurücklag, war die per PCR-Untersuchung ermittelte Viruslast um den Faktor vier geringer als bei den Ungeimpften. Wendtner betont: „Der Impfstoff BNT162b2 führt nicht nur zu einem Individualschutz des Geimpften hinsichtlich einer Covid-19-Erkrankung, sondern es ist davon auszugehen, dass bei einer ausreichenden Durchimpfung der Bevölkerung auch ein gewisser Bevölkerungsschutz im Sinne einer Vakzin-basierten Herdenimmunität realistisch entstehen kann.“ Künftige Studie müssten jedoch zeigen, wie lange ein solcher Effekt tatsächlich andauere.

Studie aus Israel: Keine offizielle Bestätigung zu „steriler Immunität“

Israels Corona-Beauftragter Nachman Asch zeigte sich im Gespräch mit dem Armeesender am Sonntag vorsichtig: „Wir wissen noch nicht genug über Infektionen, das ist der große Unbekannte.“ Es sei klar, dass die Impfung schwere Krankheitsverläufe verhindere. „Ich weiß aber nicht, in wieweit sie verhindert, dass Geimpfte das Virus in sich tragen und weitergeben.“ Er hoffe, dass man in den kommenden Wochen mehr darüber herausfinden werde. (va/AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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