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Dritte Corona-Impfung noch 2021 nötig? Spahn will schon Dosen zurückhalten - Patientenschützer mahnt

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Von: Marcus Giebel

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Deutschland impft fleißig vor sich hin. Dennoch ist ein Ende der Immunisierungen im Akkord ist so bald nicht in Sicht. Nun laufen die Vorbereitungen für die Auffrischungen.

München - Eins, zwei, drei - dann ist die große Gefahr durch das Coronavirus vielleicht vorbei. Nach der Erst- und Zweitimpfung gegen SARS-CoV-2 sollen immungeschwächte Personen in Deutschland noch in diesem Herbst eine dritte Dosis verabreicht bekommen. Die sogenannte Booster-Impfung soll den vollständigen Impfschutz bringen - speziell vor den neuen Mutationen wie der voranschreitenden Delta-Variante.

Der Infektionsimmunologe Leif Erik Sander jedenfalls verwies beim gemeinsamen Auftritt mit Gesundheitsminster Jens Spahn (CDU) und Lothar Wieler in Berlin auf eine Studie, der zufolge Menschen über 80 Jahren nach der zweiten Impfung eine leicht reduzierte Immunantwort zeigen. Auch nach Organtransplantationen oder bestimmten Therapien könnte die Booster-Impfung notwendig werden. Weiter zählte der Experte von der Berliner Charité Kontaktpersonen dieser Risikogruppen, also etwa Teile des Gesundheitspersonals, zum Kreis derer, denen eine Impfauffrischung noch in diesem Jahr gut tun würde.

Leif Erik Sander sitzt vor einer blauen Wand
Weiß einiges über die Delta-Variante von SARS-CoV-2 und seine Auswirkungen auf die Impfkampagne zu berichten: Leif Erik Sander ist Infektionsimmunologe an der Berliner Charité. © Bernd Von Jutrczenka/dpa

Corona-Impfung: Experte will „nächste Phase schon jetzt andenken“

Für eine generelle dritte Vakzin-Verabreichung sieht Sander jedoch keinen Grund. Allerdings werde die allem Anschein nach deutlich ansteckendere Delta-Variante „mit ziemlicher Sicherheit eine noch höhere Impfquote erfordern“. Deshalb legt er ein vorausschauendes Planen nahe: „Wir müssen die nächste Phase beim Impfen jetzt schon andenken.“ „Es ist überfällig zu reagieren“, sagte indes Eugen Brysch*, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

Das scheint auch Spahn so zu sehen. Deshalb will der Gesundheitsminister sogar bereits jetzt Impfdosen zurückhalten. Eine Taktik, die viele Impfzentren bereits im Frühjahr im Hinblick auf die Zweitimpfung gefahren haben. Der CDU-Politiker lobte auch die deutsche Strategie, auf die Einhaltung der Zeit-Intervalle bei den Impfungen zu achten. Dies erweise sich im Angesicht der Delta-Variante als richtiger Weg.

Corona-Impfung: Genauer Zeitpunkt „innerhalb des Intervalls“ soll Arzt und Patient überlassen bleiben

Dieser sollte nach Spahns Meinung auch jetzt nicht verlassen werden. Wobei die Politik nicht alles regulieren werde: „Innerhalb des Intervalls entscheiden das am Ende der Arzt und der zu Impfende.“ Spahn erwartet, dass binnen vier bis sechs Wochen - also mitten im Hochsommer - weit über 50 Prozent der Bevölkerung vollständig immunisiert sein werden.

Ob dies auch unter Berücksichtigung der Vorbereitungen für die Booster-Impfungen - sprich das Vakzin-Hamstern - gelingen wird? Die Opposition hat da mit Blick auf die Impfstoffbeschaffung ihre Zweifel. Christine Aschenberg-Dugnus warnt vor einem „erneuten Bestell-Fiasko“, wie Deutschland es bereits im Winter und Frühjahr erlebte. „Es müssten schon jetzt ausreichend Auffrischungsimpfungen für den Herbst gesichert werden“, schreibt die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion Spahn ins Hausaufgabenheft.

Jens Spahn hat sich das Jackett über die Schulter geworfen und spaziert über eine Straße.
Schon einen Schritt voraus: Jens Spahn plant offenbar bereits für die Booster-Impfungen im Herbst. © Kay Nietfeld/dpa

Corona-Impfung: Neues Futter für die Neiddebatte? Patientenschützer vermutet „Sorge vor Verteilungsdiskussion“

Eugen Brysch geht sogar einen Schritt weiter und betätigt bereits den Alarmknopf. „Ich sehe aber weder bei Bund noch in den Ländern eine großangelegte Initiative zu diesem Thema“, monierte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz: „Als Grund vermute ich Sorge vor einer Verteilungsdiskussion.“ Die liebe alte Neiddebatte also. Denn natürlich schwingt die Frage mit: Müssen manche Jüngeren und Gesunden nun noch länger auf ihr von Kanzlerin Angela Merkel versprochenes Impfangebot warten, weil einige Ältere zeitnah zum dritten Mal drankommen sollen?

Allein für den Zeitraum der Kalenderwochen 22 bis 26 erwartet das Bundesgesundheitsminsterium gut 14,2 Millionen Impfdosen. Bis 10 Uhr am 25. Juni wurden nach offiziellen Angaben seit Beginn der Kampagne kurz vor dem Jahreswechsel 70,5 Millionen Dosen im Land verabreicht. Knapp 44 Millionen Menschen - also 52,9 Prozent der Bevölkerung - haben mindestens einen Piks bekommen, knapp 28,4 Millionen und damit 34,1 Prozent gelten als vollständig geimpft. Zumindest gegen die bislang bekannten Mutanten des Coronavirus.

Laut RKI-Chef Wieler sind auch zweimal geimpfte Personen „vor schweren Erkrankungen durch Delta geschützt“. Nach der ersten Impfung bestehe dagegen die Gefahr, das Virus weiterzugeben. Deshalb appellierte auch Spahn, Zweitimpfungen nicht länger als geplant aufzuschieben: „Gerade mit Blick auf die Delta-Variante ist es wichtig, die zweite Impfung wahrzunehmen.“ Zugleich pries er den „exzellenten Schutz“ durch die in Deutschland zugelassenen Präparate. *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA (mg)

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