Kompliaktionen bei Auffrischungsimpfung in Seniorenheim in Oberhausen
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Bei einer Auffrischungsimpfung in einem Seniorenheim in Oberhausen kam es zu Komplikationen (Symbolbild)

Internes Schreiben an Ärzte durchgesickert

Nach Drittimpfung: Zwei Senioren müssen wiederbelebt werden - Zusammenhang nicht bestätigt

  • Josef Forster
    VonJosef Forster
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In Oberhausen mussten sich neun Bewohner eines Seniorenheims nach der Drittimpfung in ärztliche Behandlung geben. Ein konkreter Zusammenhang wird überprüft.

Oberhausen/München - Wie WDR und Bild übereinstimmend berichten, kam es in einem Seniorenheim in Oberhausen nach Drittimpfungen gegen das Coronavirus zu gesundheitlichen Problemen bei den Bewohnern. Neun der 90 geimpften Senioren begaben sich nach der Impfung in ärztliche Behandlung, zwei Senioren mussten drei Tage nach der Impfung wiederbelebt werden. Nun wird geprüft, ob ein Zusammenhang zwischen dem Verabreichen des Vakzins und den gesundheitlichen Komplikationen besteht. Nach Bild-Informationen handelte es sich um den Impfstoff des Herstellers Biontech.

Wie der WDR schreibt, geht der Leiter des Gesundheitsamtes Oberhausen derzeit davon aus, dass verschiedene Umstände zu den Komplikationen geführt hätten. Dazu gehören beispielsweise Dauermedikation, die zunehmende Wärme und Dehydrierung.

Komplikationen nach Drittimpfung: Arzt warnt in internem Schreiben

Der Vorfall in Oberhausen bewegte den Vorstand der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein dazu, ein internes Schreiben an seine Kollegen zu richten, das dem WDR vorliegt. „Ich würde Sie bitten, selber ärztlich zu entscheiden, ob Sie auf eine Empfehlung durch die Stiko beziehungsweise EMA warten oder ob die dritten Impfungen nun zeitlich bei Ihren eigenen Patienten so dringlich sind, dass Sie diese ohne Empfehlung durchführen müssen“, heißt es darin.

Der Oberhausener Hausarzt Peter Kaup verzichtete aufgrund des Zwischenfalls darauf, weitere Drittimpfungen bei seinen Patienten durchzuführen. Eine Drittimpfung „ohne Impfempfehlung jetzt schnell durchzuführen ist aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar“. Er wolle auf eine Entscheidung der Ständigen Impfkommission (Stiko) warten, berichtete er dem WDR. Auch im Mühlheimer Impfzentrum wird es in der nächsten Zeit keine Drittimpfungen für über 80-Jährige geben, wenn die zweite Impfung weniger als sechs Monate zurückliegt.

Auffrischungsimpfung: Paul-Ehrlich-Institut untersucht Zwischenfälle

Die Vorfälle in Oberhausen wurden dem Paul-Ehrlich-Institut gemeldet. Ein Zusammenhang zwischen Drittimpfung und den Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und neurologischen Störungen bei den Bewohnern des Seniorenheims in Oberhausen ist Gegenstand der Untersuchung. Dr. Henning Karbach, Leiter des Gesundheitsamts Oberhausen wies gegenüber der Bild darauf hin, dass es sich bei den Vorfällen um „multimorbide“ und stark „vorerkrankte“ Personen unter Dauermedikation handele. „Vermutlich haben unterschiedliche Umstände, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung standen, zu dieser Situation geführt“, stellt der Mediziner klar.

Auch der Dortmunder Virologe Carsten Watzl warnte gegenüber dem WDR davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Man könne nicht von Einzelfällen auf das Gros schließen. Die KV Westfalen-Lippe verwies auf Studien aus Israel, die keine Probleme bei Drittimpfungen aufweisen.

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