1. Startseite
  2. Welt

Ansteckungen bei Ü-60-Jährigen ohne Booster-Impfung - neue Corona-Studie zeichnet klares Bild

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Eine NHS-Mitarbeiterin bereitet im November 2021 eine Booster-Impfung mit dem Biontech-Vakzin gegen Covid-19 vor.
Die Booster-Impfung wird wegen nachlassender Antikörperzahl empfohlen. © Dinendra Haria/Imago

Die Wirkung einer Corona-Impfung beginnt ab einem halben Jahr nachzulassen. Ältere Menschen sind besonders betroffen.

Berlin - Angesichts hoher Infektionszahlen gilt die Auffrischungsimpfung inzwischen als Mittel der Wahl. Denn der Impfschutz, über den die Mehrheit der Menschen in Deutschland verfügt, lässt mit der Zeit nach. Strittig ist aber noch, ob sich das Boostern - also das Auffrischen der Impfung durch eine weitere Spritze - zunächst auf die besonders gefährdeten Menschen beschränken soll, oder ob bereits jetzt alle dafür ins Auge gefasst werden sollen.

Booster-Impfung: Wem wird die Auffrischung empfohlen?

Zwar hat laut Impfverordnung jeder Anspruch auf die Auffrischung, die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt das Boostern bislang aber erst Menschen ab 70, grundsätzlich auch Bewohnern und Beschäftigten in Heimen. Und die Experten raten nach einer Impfung mit dem Vakzin von Johnson & Johnson - hier ist nur eine Dosis vorgesehen - zum raschen Boostern bereits nach vier Wochen.

Als Grund nennt die Stiko die „vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit“ des Präparats gegenüber der Delta-Variante. Die Stiko sichtet derzeit die aktuellen Studien und will in den kommenden Wochen eine überarbeitete Empfehlung vorlegen.

Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) empfiehlt die Booster-Impfung bereits für Menschen ab 60 - nach Abwägung und ärztlicher Beratung. Bewohnerinnen und Bewohnern sowie den Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen wird ebenfalls dazu geraten. Auch bei medizinischem Personal - ambulant und stationär - sollte der GMK zufolge das Boostern erwogen werden. Schließlich wird Menschen mit einer Immunschwäche zum Boostern geraten.

Corona-Auffrischimpfung: Wann und mit welchem Vakzin?

Empfohlen wird durchweg das Boostern mit einem mRNA-Impfstoff sechs Monate nach Erreichen des vollen Impfschutzes. Dieser wird in der Regel nach der zweiten Dosis erreicht. Die meisten Menschen in Deutschland sind demnach noch nicht an der Reihe.

Wieviele Menschen in Deutschland sind bereits geboostert worden?

Bislang haben gerade mal gut zwei Millionen Menschen in Deutschland die Auffrischung bekommen - nach Meinung von Experten viel zu wenig. Der Immunologe Leif Erik Sander rechnet vor, dass rund 30 Millionen Menschen dringend die Booster-Impfung bräuchten - darunter Menschen über 70, schwer Vorerkrankte, Patienten mit Immunschwäche und Beschäftigte des Gesundheitswesens.

Boostern: Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es?

Nach Angaben von Sander lässt die Wirkung der Vakzine nach rund sechs Monaten nach, Ältere sind besonders von diesem Effekt betroffen. Bei 40 Prozent der Menschen über 70 ließen sich keine neutralisierenden Antikörper mehr nachweisen.

Eine Studie in Israel, das auch beim Boostern Vorreiter ist, zeigt eine gute Wirksamkeit der Auffrischungen. Berichten zufolge haben die Forscher herausgefunden, dass es bei Menschen über 60 Jahren, die bislang nur zwei Dosen bekamen, zehn Mal mehr Infektionen gab als bei denjenigen in dieser Altersklasse, die die Booster-Impfung bekamen. Zudem seien bei zweifach Geimpften 20 Mal häufiger schwere Krankheitsverläufe aufgetreten als bei den Studienteilnehmern mit dreifachem Impfschutz.

Eine Studie des Impfstoffherstellers Biontech/Pfizer belegt nach Angaben des Unternehmens ebenfalls eine hohe Wirksamkeit der dritten Dosis: Sie habe den hohen Impfschutz, der nach der zweiten Dosis erreicht worden sei, wiederherstellen können und zeige eine relative Impfstoffwirksamkeit von 95,6 Prozent - deutlich mehr als bei Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern ohne Auffrischungsimpfung.

Corona: Wer soll die Booster-Impfungen vornehmen?

Infrage kommen dafür insbesondere Arztpraxen: Sie könnten nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wöchentlich 3,5 Millionen Dosen verabreichen. Hinzu kommen die noch bestehenden Impfzentren: In Berlin gibt es noch zwei davon. Im Sommer waren es noch sechs, trotzdem spielen sie bei den Impfungen in der Hauptstadt eine wichtige Rolle: In diesen und den mobilen Impfstationen würden über 40 Prozent der Impfungen in Berlin vorgenommen.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für die Wiedereröffnung weiterer Zentren ausgesprochen, hast dafür aber kaum Unterstützung aus den Ländern erhalten. Wer zwei Corona-Impfungen hinter sich hat, fragt sich vielleicht, ob er die Entscheidung für den dritten Schuss vom Antikörpertest abhängig machen sollte. Das sagen Experten. (AFP/frs)

Auch interessant

Kommentare