Erhöhung des Impftempos notwendig

Corona-Durchimpfung in Deutschland bis Ende Juni möglich? Neue Studie zeigt den Weg

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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Die Bundesregierung will allen Bürgern in Deutschland bis Ende September ein Impfangebot machen. Eine neue Studie zeigt nun, dass die Versorgung aller Impfwilligen bereits deutlich früher möglich ist.

Düsseldorf/München - Der Corona-Impfstart in Deutschland verlief schleppend. Immer noch kommt es zu zahlreichen Verzögerungen bei der Lieferung von Impfdosen. Die Bundesregierung hat angekündigt, bis Ende September jedem ein Impfangebot zu machen. Eine neue Studie macht nun Hoffnung, dass bereits Ende Juli alle impfwilligen Deutschen versorgt sein könnten.

Corona in Deutschland: Menge des Impfstoffs in wenigen Wochen kein limitierender Faktor mehr

Die Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt einen Weg, wie man in Deutschland mit den vorhandenen Impfdosen die Durchimpfung aller Impfwilligen um einige Monate früher erreichen könnte. Dafür müsste allerdings die Geschwindigkeit der Corona-Impfungen* in den kommenden Wochen deutlich erhöht werden.

Folgt man den Berechnungen der IMK-Forscher, ist die Menge des vorhandenen Corona-Impfstoffs* in wenigen Wochen kein limitierender Faktor mehr. Ab dann sei es entscheidend, den vorhandenen Impfstoff schnell zu verimpfen. Laut den Autoren der Studie, Sebastian Dullien und Andrew Watt, müsste das Impftempo von derzeit etwa 200.000 täglichen Impfungen gegen das Coronavirus* in Deutschland bis Ende April auf rund 275.000 gesteigert werden. Bis Ende Juni sollten demnach etwa 670.000 tägliche Corona-Impfungen angestrebt werden.

Corona in Deutschland: „Hochfahren der Verimpfungen prinzipiell machbar“

„Prinzipiell sollte ein solches Hochfahren der Verimpfungen machbar sein und die Politik sollte nun ihren Fokus darauf legen, die dafür notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, so die IMK-Forscher. Bereits am vergangenen Mittwoch (10. März) wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI)* erstmals mehr als 250.000 Corona-Impfungen* an einem Tag gemeldet.

Die Geschwindigkeit lasse sich insbesondere weiter steigern, wenn weniger stark auf die Priorisierung geachtet werden müsse, erklärten die Autoren der Studie. Ein weiterer wichtiger Faktor für die Erhöhung des Impftempos sei demnach die routinemäßige Einbindung von Haus- und Betriebsärzten in die Corona-Impfung. Bis spätestens Mitte April soll dies laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auch in allen Bundesländern passieren.

Neben den Impfzentren sollen spätestens ab Mitte April auch Hausärzte routinemäßig Corona-Impfungen durchführen.

Corona in Deutschland: Durchimpfung aller Impfwilligen rechnerisch bis Ende Juni möglich

Als Grundlage für die Berechnung der Impfwilligen in Deutschland haben die Forscher aktuelle Umfragewerte genutzt. Demnach geben 75 Prozent der Deutschen an, sich „sicher“ oder „wahrscheinlich“ gegen das Coronavirus* impfen lassen zu wollen. Da derzeit keine Kinder die Corona-Impfstoffe verabreicht bekommen, besteht die Grundgesamtheit aus den rund 70 Millionen Erwachsenen in Deutschland. Laut den Berechnungen der Forscher ergibt das insgesamt etwa 52,5 Millionen Impfwillige.

Laut der Studie von Dullien und seinem IMK-Forscherkollegen Watt bis Ende Juli insgesamt 136,6 Millionen Dosen der Corona-Vakzine* der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca sowie Johnson & Johnson in Deutschland angekündigt. Die Autoren beziehen sich dabei auf die von der Bundesregierung mitgeteilten Liefermengen der einzelnen Hersteller.

Beim Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist bereits eine Dosis ausreichend, bei den übrigen Herstellern jeweils zwei. Rein rechnerisch könnten somit, bei entsprechender Beschleunigung der Impfgeschwindigkeit, laut den IMK-Forschern bis Ende Juli 77,6 Millionen Erwachsene in Deutschland vollständig geimpft werden. „Damit würden die erwarteten Lieferungen (sollten die Hersteller tatsächlich ohne Verzögerung liefern) bereits Ende Juni rechnerisch ausreichen, um alle impfwilligen Erwachsenen vollständig zu impfen“, heißt es in der Studie.

Corona in Deutschland: Hausärzte wollen mit dem Impfen loslegen - Lieferprobleme bei AstraZeneca

„Die Praxen könnten sofort mit dem Impfen loslegen“, sagte Ulrich Weigeldt, Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands, am Freitag gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Er forderte, die Impfungen in den Impfzentren auslaufen zu lassen und schnellstmöglich den Arztpraxen zu übertragen. Weigeldt erklärte, die Hausärzte seien erschüttert und fassungslos darüber, dass „der längst überfällige Impfstart in unseren Praxen nun weiterhin auf die lange Bank geschoben“ werde. „Derweil liegen Millionen Impfstoffdosen ungenutzt herum in kostenintensiven Impfzentren, deren Anonymität gerade ältere Menschen scheuen“, so der Verbandspräsident.

Ein Dämpfer für die Erhöhung der Impfgeschwindigkeit in Deutschland dürfte allerdings die am Freitag angekündigte Lieferkürzung von AstraZeneca an die Europäische Union sein. In Thüringen wurde deswegen bereits die Vergabe der Impftermine gestoppt und der Start der Corona-Impfungen bei Hausärzten verschoben. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bezeichnete die angekündigte Lieferkürzung als „absolut inakzeptabel“. (ph) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Bodo Schackow

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