Die Corona-Impfungen in Deutschland müssten doch schneller gehen?
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Die Corona-Impfungen in Deutschland müssten doch schneller gehen?

Deutschland im Impfstau

Corona-Desaster: Millionen Impfdosen liegen in Deutschland unbenutzt herum

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Das Impftempo in Deutschland stottert. Bei den Impfungen gibt es einen Rückstau. Millionen Corona-Impfdosen liegen noch unbenutzt herum. Dabei warten über 80-Jährige noch auf einen Impftermin.

Berlin - Sicherlich, der Corona-Impfstoff ist knapp - aus mittlerweile wohlbekannten Gründen. Dann noch der Astrazeneca*-Stopp. Alles Faktoren die bremsen. Doch es gibt schon ein Jahr nach dem Beginn der Corona-Pandemie einen wirksamen Corona-Impfstoff. Er kommt nur zu langsam an. Die Impfkampagne nimmt in Deutschland kaum Fahrt auf - und das mitten in der dritten Welle.

Zu wenig Corona-Impfungen in Deutschland?

Die Impfzentren schöpfen aktuell nur knapp 70 Prozent ihrer Kapazität aus. Nach dem Beschluss des Bund-Länder-Gipfels sollen die 433 Impfzentren bis Ostern den Großteil der Impfungen durchführen. Am Mittwoch wurden 285.947 Impfdosen verimpft, wie aus den Daten des Robert-Koch-Instituts* (RKI) und dem Gesundheitsministerium hervorgeht. Am Dienstag waren es demnach 268.000 und am Montag sogar nur etwa 220.000.

Dabei könnte die Impfzentren täglich 342.000 Impfungen mit dem aktuell verfügbaren Impfdosen vornehmen. Am Mittwoch wären das 56.053 Impfdosen gewesen, die eigentlich noch ihren Weg in den Arm gefunden hätten. Nun liegt der Impfstoff ungenutzt im Kühlschrank rum. Der Lagerbestand wächst. Und die nächsten Lieferungen stehen vor der Tür. 70,5 bis 73,5 Millionen Corona-Impfdosen sollen im bevorstehenden zweiten Quartal geliefert werden. Im ersten Quartal waren es 19,8 Millionen Dosen.

Droht das nächste Impfchaos mit Ansage?

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) in Deutschland warnte schon Ende Februar vor einem Impfstau*. Es forderte damals schon, Arztpraxen beim Impfen zu beteiligen, um das Impftempo zu erhöhen. Den Effekt und den momentanen Stand der Impfkampagne in Deutschland fasst das ZI in einem Online-Tool seitdem zusammen. Nun ist es endlich so weit. Arztpraxen in NRW dürfen jetzt impfen. In Bayern starten Hausärzte im April.

Schon jetzt 3,5 Millionen Corona-Impfdosen ungenutzt

Laut „Tagesschau“ liegen inzwischen 3,5 Millionen Impfdosen in den Bundesländern ungeimpft herum. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) sprach am Mittwoch von „Falschmeldungen zu ‚Impfdosen auf Halde‘“. Die Impfdosen im Lager müssten für bereits vereinbarte Termine oder Zweitimpfungen zur Verfügung stehen. Eine Übersicht über gelieferte Impfdosen gibt das Impfdashboard des Gesundheitsministeriums. Nach den RKI-Impfmonitor wurden 11.753.895 Impfdosen (Datenstand: 24. März) verabreicht, doch diese Zahlen werden unregelmäßig aktualisiert. Zudem übermittle das Land Hessen aufgrund einer Softwareumstellung vom 22. bis zum 25. März keine Daten. Denn dann wäre es 3,9 Millionen unverimpfte Impfdosen.

Impfstoff in DeutschlandBis zum 24. März gelieferte DosenVerabreichte Impfdosen laut RKI (Datenstand 25. März, 8 Uhr)
BioNTech/Pfizer10.912.395 Dosen5.611.264/ 3.489.123/ gesamt 9.100.387
AstraZeneca3.631.200 Dosen2.181.260/ 527/ gesamt: 2.181.787
Moderna1.111.200 Dosen357.732/113.989/ gesamt: 471.721
Impfstoff-Dosen gesamt 15.654.795 Dosen11.753.895

Corona-Impfungen in Deutschland - Viele 80-Jährige warten noch

In den Bundesländern läuft es unterschiedlich. In einigen Ländern warten Über-80-Jährige noch auf einem Impftermin. Diese Altersgruppe hat ein hohes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Sie gehören zur ersten Prioritätsgruppe in der Impfverordnung und sollten eigentlich bis zum Ende des ersten Quartals geimpft sein, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CSU) Anfang Februar. Laut RKI waren am Mittwoch im Saarland mehr als 73 Prozent der Über-80-Jährigen zumindest einmal geimpft - in Baden-Württemberg und in der NRW-Region Westfalen-Lippe dagegen erst jeweils rund 59 und in Mecklenburg-Vorpommern erst knapp 50 Prozent.

Wiederholt hatte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens gewarnt, dass die Gefährdetsten für schwere Covid-19-Verläufe benachteiligt würden. Den Grund sah Mertens darin, dass etwa Lehrkräfte, Erzieher oder Polizisten vorrangig geimpft würden, auch wenn sie jung und gesund seien. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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