Ein Vakzin scheinbar Ladenhüter

Corona-Impftrödler: Analyse zeigt welche Bundesländer lahmen - wohl nicht nur aus Impfstoff-Mangel

  • Martina Lippl
    VonMartina Lippl
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Beim Impfen gegen Corona geht es voran. Doch im Moment hakt es. Impftermine sind rar. Es sei zu wenig Impfstoff da, heißt es. Doch es gibt einen gewaltigen Impfdosen-Rückstau.

München - Gibt es nun genug Corona-Impfstoff oder sind die Dosen tatsächlich zu knapp? Bei den Corona-Impfungen fällt seit Montag die Priorisierung weg. Alle können sich jetzt gegen Corona impfen lassen. Auch Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Das klingt erstmal großartig, doch die Freude ist bei vielen gedämpft. Wer sich jetzt um einen Impftermin bemüht, braucht Geduld. Erstimpfungen sind in einigen Bundesländern bis Mitte oder gar Ende Juni kaum möglich. Der Impfstoff sei zu knapp. Viel Impfstoff würde für Zweitimpfungen verwendet, heißt es.

Corona: Impfdosen-Rückstau oder Impfstoff-Mangel?

Einmal hüh und einmal hott - viele Impfwillige wissen gar nicht mehr, wie sie sich verhalten sollen oder was sie überhaupt von allem halten sollen. Was ist denn jetzt tatsächlich los? Ist nun genügend Impfstoff da oder nicht? Dass der Impfstoffmangel nicht die ganze Wahrheit ist, stellt die Welt in einer Analyse fest. Drei Faktoren würden dagegen sprechen. Da gebe es zum einen einen rekordverdächtigen Impfdosen-Rückstau. Dazu gibt es demnach große Unterschiede bei einzelnen Corona-Impfstoffen, ob die gelieferten Mengen tatsächlich verimpft wurden. Als dritten Punkt hat das Blatt eine deutliche Kluft beim Impftempo zwischen den Bundesländern ausgemacht.

Millionen Corona-Impfdosen ungenutzt

Über gelieferte Impfstoffdosen informiert das Bundesgesundheitsministerium auf seinem Impfdashboard Anfang der Woche. Bis zum Ende der 22. Kalenderwoche am 6. Juni 2021 wurden demnach 61.153.242 Dosen Impfstoff geliefert. 92,8  Prozent dieser Dosen wurden bis zum 8. Juni 2021 verimpft, ist dort zu erfahren. Exakt handelt es sich nach Daten um 56.592.971 Impfdosen (Stand 9. Juni). Also liegen rund 4.560.271 Corona-Impfdosen an diesem Mittwoch noch im Kühlschrank. Am Montag waren es übrigens laut der Welt-Berechnung noch rund 6,25 Millionen Impfdosen.

Corona-Impfstoff Johnson & Johnson ist ein Ladenhüter

Es werden mehr Dosen geliefert als verimpft, soviel scheint klar. Die Impfdosen werden oft für Zweitimpfungen zurückgehalten. Doch beim Vakzin Johnson & Johnson ist keine Zweitimpfung nötig. 760.462 Johnson & Johnson Impfdosen sind laut dem Impfquotenmonitoring des Robert-Koch-Instituts (RKI) (Stand: 8. Juni 2021) noch übrig. Der Impfstoff scheint ein Ladenhüter zu sein.

HerstellerDosen Stand 7. Juni 2021 (Quelle: Impfdashboard)
BionTech/Pfizer42.727.811 Dosen
Astrazeneca10.803.950 Dosen
Moderna5.886.880 Dosen
Johnson & Johnson1.734.601 Dosen
Corona-Impfstoff 61.153.242 Dosen Impfstoff geliefert

Impfstoffmangel: Impftempo in Deutschland

Beim Impfstoff-Tempo geht jedes Bundesland seinen Weg. Das hängt natürlich von der Liefermenge ab, aber auch von der Impf-Taktik. Bremen hat vom Start weg schnell geimpft und führt beim Impf-Ranking. Über 50,4 Prozent der Bremerinnen und Bremer haben bereits eine Erstimpfung erhalten, vollständig geimpft sind 25,7 Prozent. Dabei hat Bremen erst 73,2 Prozent der Impfdosen geliefert bekommen.

Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben Sondermengen aufgrund der Corona-Lage geliefert bekommen. Das Saarland hat schon 82,5 Prozent der Corona-Impfdosen erhalten. Mindestens 49,7 Prozent der Bevölkerung sind schon einmal geimpft. Bei den gelieferten Impfdosen handelt es sich um die Anzahl von Impfdosen, die der Bund bereits an Bundesländer sowie örtliche Ärzte und Ärztinnen geliefert hat.

Bayern hat 73,4 Prozent der Liefermenge laut Impfdashboard-Daten (Stand: 07. Juni) bezogen. Gegen Corona sind 44,9 Prozent der Bevölkerung geimpft. Brandenburg hinkt beim Impftempo noch hinterher. 43,7 Prozent sind hier mindestens einmal geimpft. Bundesweit liegt man damit auf dem vorletzten Platz. Allerdings hat das Bundesland bisher die geringste Menge an Corona-Impfstoff erhalten, nämlich 70,6 Prozent. Kurz davor liegt Hamburg mit 43,8 Prozent erstgeimpfter Personen und der zweitgeringsten bisher erhaltenen Impfmenge mit 70,7 Prozent. Auf dem letzten Platz der mindestens einmal Geimpften liegt Sachsen (41,5 Prozent). Dabei hat das Bundeslang allerdings bereits 72,2 Prozent der Impfdosen geliefert bekommen.

Bis Ende Juni werden bis zu 13 Millionen Impfdosen geliefert, teilt das Bundesgesundheitsministerium mit. Natürlich unter dem Vorbehalt, dass die Hersteller ihre Lieferprognosen einhalten. Ob dann tatsächlich jeder Impfwillige bis Ende Juni ein Impfangebot erhält, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Dienstag nochmals beteuerte? Das Impfen ist einer der wichtigsten Säulen in der Pandemie - auch wenn sich die Corona-Lage in Deutschland aktuell entspannt.

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) in Deutschland fasst den Fortschritt der Impfkampagne in einem Online-Tool zusammen. Neben der Liefermenge spielt hier die Kapazität eine Rolle. Die einzelnen Bundesländer könnten nach der Simulation und angesichts der Liefermenge viel mehr impfen. Vom Start weg verlief die Impfkampagne in Deutschland schleppend. Das Impftempo in Deutschland stotterte im Frühling 2021 schon. 80-Jährige warteten auf einen Impftermin und Millionen Impfdosen lagen herum. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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