Zahlreiche Mythen geistern durchs Netz

Corona und die Impfung: Faktencheck zu den Impfstoffen - Von Unfruchtbarkeit bis Genveränderung

  • Thomas Eldersch
    VonThomas Eldersch
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Endlich gibt es geeignete Mittel im Kampf gegen das Coronavirus in Form verschiedener Impfstoffe. Das Vertrauen in sie ist aber teilweise gering. Ein Überblick über Mythen und Fakten.

  • Das Coronavirus hat Deutschland immer noch im Griff.
  • Durch die neu entwickelten Impfstoffe gibt es jetzt einen Ausweg aus der Pandemie.
  • Falsche Behauptungen im Internet führen aber häufig zu einer geringen Impfbereitschaft.

München - Die Impfung gegen das Coronavirus ist in Deutschland ein heiß diskutiertes Thema. Viele Menschen sind sich unsicher, ob sie sich impfen lassen sollen. Befeuert wird die Impfskepsis durch zahlreiche Behauptungen und Mythen, die auf YouTube oder in den sozialen Medien verbreitet werden. Deshalb fordern Experten und Politiker immer wieder: Nur mit Aufklärung könne die Impfbereitschaft gefördert werden. Deshalb finden Sie hier nun einen Faktencheck zu ein paar der gängigsten Impfmythen.

Corona-Impfmythen: Unfruchtbarkeit durch die neuen Impfstoff

Behauptung: Die Corona-Impfstoffe könnten bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen.

Falsch! - Die Behauptung kam wohl deshalb auf, weil es eine angebliche Ähnlichkeit zwischen dem Spike-Protein des Coronavirus und dem körpereigenen Protein Syncytin-1 geben soll. Syncytin-1 ist bei gebärfähigen Frauen für die Bildung der Plazenta verantwortlich, über die das Ungeborene mit Nährstoffen versorgt wird. Behauptet wird deshalb, dass die Impfung Syncytin-1 ebenfalls lahm lege und so die Bildung der Plazenta verhindere.

Es gebe aber keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen, so „dass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs im Grunde unmöglich ist“, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, Annette Beck-Sickinger, der Freien Presse. Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, sagte der Deutschen Presseagentur: Selbst wenn beide Proteine Ähnlichkeiten aufwiesen, könne man nicht schlussfolgern, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das Coronavirus auch das Protein Syncytin-1 angriffen.

Sollte es jedoch tatsächlich zu einer Reaktion kommen, dann müsste demzufolge auch eine Covid-Erkrankung eine schädliche Auswirkung auf die Schwangerschaft haben, so Dölken. Denn der Körper bildet bei einer Infektion dieselben Abwehrmechanismen wie nach einer Impfung. In Studien zu Sars-CoV-2 wurde allerdings keine erhöhte Zahl an Fehlgeburten oder Komplikationen festgestellt.

Corona-Impfmythen: Der Impfstoff könne die menschlichen Gene verändern

Behauptung: Eine mRNA-Impfung führt zu Genveränderungen.

Das ist ausgeschlossen! - Anders als beispielsweise die Impfung gegen die Grippe, die aus toten oder abgeschwächten Viren oder Teilen davon besteht, funktionieren die Impfstoffe von Biontech und Moderna über die sogenannte mRNA. Das m steht für messenger und RNA steht für Ribonukleinsäuere. Es werden also bei der Impfung keine toten Sars-CoV-2-Erreger injiziert, sondern nur eine „Bauanleitung“ für Bestandteile des Virus - eben das Botenmolekül mRNA. Aufgrund dieser Anleitung können so körpereigene Zellen Teile des Viren-Hüllenproteins (Spike-Protein) selbst herstellen. So kann dann das Immunsystem bei einer späteren Infektion sofort das Protein des Virus erkennen und es bekämpfen.

Einige Menschen haben jetzt Angst, dass die mRNA bis in den Zellkern vordringt und dort die DNA verändert. Doch das ist allein schon aufgrund der unterschiedlichen chemischen Struktur beider unmöglich. Zudem erreicht die mit der Impfung aufgenommene mRNA gar nicht die Zellkerne, in denen das Erbgut in Form von DNA lagert. Die Botenmoleküle wandern nur ins Zellplasma, wo sie abgelesen und dann rasch abgebaut werden - so schnell, dass es lange als ausgeschlossen galt, sie überhaupt therapeutisch nutzen zu können.

Eine jüngst veröffentlichte Studie aus Amerika stellte zwar fest, dass in besonders seltenen Fällen bei einer sehr starken Corona-Infektion, kleine Erbgut-Schnipsel des Virus in die DNA vordringen könnten. Die Studie sei aber noch nicht von unabhängigen Forschern überprüft worden. „Völlig ausgeschlossen wird jedoch sein, dass der RNA-Impfstoff in DNA umgeschrieben und integriert wird“, betonte seinerzeit etwa Joachim Denner vom Robert Koch-Institut (RKI) hinsichtlich der US-Studie.

Corona-Impfmythen: Menschen sind nach der Impfung gestorben

Behauptung: Bei den Testläufen sind sechs Menschen am Biontech-Impfstoff gestorben.

Falsch! - An der entscheidenden Phase-3-Studie der Firma Biontech nahmen im Zeitraum zwischen Ende April und Mitte November 2020 43.448 Menschen teil. Und tatsächlich starben in dieser Zeit sechs Probanden - jedoch nicht an der Impfung. „Alle Todesfälle stellen Ereignisse dar, die in der allgemeinen Bevölkerung der Altersgruppen, in denen sie auftraten, mit einer ähnlichen Rate vorkommen“, schreibt die für die US-Zulassung des Präparats zuständige Behörde FDA. „Keinen Zusammenhang“ der Fälle mit der Impfstudie sieht auch die europäische Zulassungsbehörde EMA: „Andere Vorerkrankungen waren eher die Todesursache.“

So stammten allein vier der verstorbenen Teilnehmer aus der sogenannten Vergleichsgruppe. Also der Gruppe, der lediglich ein Placebo injiziert wurde. Sie starben an alterstypischen Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Ein Proband aus der Impfstoffgruppe erlitt rund zwei Monate nach der Impfung einen Herzinfarkt. Der letzte Tote hatte bereits zuvor zahlreiche Vorerkrankungen. Dies bestätigt auch die Annahme Lothar Wielers, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Er sagte, dass es statistisch wahrscheinlich sei, dass „Menschen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung versterben werden“, weil zunächst nur die vulnerablen Gruppen geimpft würden.

Bis zum jetzigen Zeitpunkt (16. Januar 2021) wurden in Deutschland mehr als 1.000.000 Menschen mit der ersten Impfdosis geimpft. Im zeitlichen Zusammenhang damit sind bis jetzt zehn Menschen gestorben. Jedoch sagt Brigitte Keller-Stanislawski vom Paul-Ehrlich-Institut: „Aufgrund der Daten, die wir haben, gehen wir davon aus, dass die Patienten an ihrer Grunderkrankung gestorben sind - in zeitlich zufälligem Zusammenhang mit der Impfung.“

Corona-Impfmythen: Die schnelle Zulassung macht die Impfung unsicher

Behauptung: Die schnelle Zulassung und die Neuartigkeit des mRNA-Impfstoffs macht das Präparat unsicher.

Falsch! - Nur in den USA und Großbritannien gab es eine sogenannte Notfallzulassung. In Europa wurde jedoch eine bedingte Marktzulassung erteilt. Bei diesem Verfahren wird umfassender geprüft und die Hersteller tragen eine größere Verantwortung für die Sicherheit ihres Produkts. Außerdem kam aufgrund der angespannten Pandemie-Lage das sogenannte Rolling-Review-Verfahren zum Einsatz. Das heißt, die Hersteller konnten bereits während der Impfstoff-Entwicklung erste Berichte über Sicherheit und Wirksamkeit bei der Prüfbehörde einreichen. So musste am Ende der Testphase nicht bei null angefangen werden.

Das macht das Verfahren schneller, aber nicht unsicherer: „Ein Rolling Review und ein beschleunigtes Bewertungsverfahren bedeuten nicht, dass es Abstriche hinsichtlich der Sorgfalt bei der Prüfung geben wird“, schreibt das für Impfstoffe und Arzneimittel zuständige Paul-Ehrlich-Institut.

Auch ist die Forschung an mRNA-Impfstoffen nicht neu. Bereits seit drei Jahrzehnten wird daran geforscht. So sollten Mittel für die Krebstherapie und zur Impfung gegen Tollwut, Zika und die saisonale Grippe entwickelt werden. Auch die deutschen Unternehmen CureVac und Biontech arbeiten schon sehr lange am medizinischen Einsatz der mRNA. Der Wettlauf im Kampf gegen die Corona-Pandemie hat den Impfstoffen nun zum Durchbruch verholfen. (tel/dpa)

Rubriklistenbild: © Matthias Stolt / imago images

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