Entscheidung über Risiko-Patienten

Corona-Impfung: Ärzte warnen vor Spahn-Plänen - „Absolut weltfremd“

  • vonLena Bammert
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Der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns reagiert mit viel Kritik auf die Pläne von Gesundheitsminister Jens Spahn.

  • Die ersten Impfungen werden bald auch in Deutschland durchgeführt werden.
  • Das Gesundheitsministerium veröffentlichte einen ersten Plan zur Impf-Durchführung.
  • Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns reagierte auf den Entwurf mit einigem Unverständnis.

München - Der Deutsche Ethikrat beschäftigt sich, so ist es auf der Webseite des Rats zu lesen, „mit den großen Fragen des Lebens“. Die großen Fragen des Lebens, das waren in der Vergangenheit Problemstellungen aus den Themenbereichen Biosicherheit, genetische Diagnostik, Demenz, Selbstbestimmung, Intersexualität. Dann kam das Coronavirus und mit ihm viele große Lebensfragen, denen sich jeder einzelne Mensch für sich im Privaten stellen musste. Einigen stellte sich aber auch die Kommission des Ethikrats. Wie geht man mit Personen um, die nachweislich immun gegen den Krankheitserreger sind, war zum Beispiel eine davon. Mit den baldigen Zulassungen von Impfstoffen gegen das Coronavirus wurde jetzt die nächste große Lebensfrage: „Wer wird zuerst geimpft?“, beantwortet.*

Corona-Impfung: Alte Menschen und Risikopatienten werden priorisiert

Zu der ersten priorisierten Gruppe gehören demnach sehr alte Menschen und Risikogruppen. Soweit, so gut. Aber nicht so einfach. Denn mit dieser einen Antwort stellt sich erneut eine sehr wichtige Frage. Wer entscheidet darüber, wer ein Risiko-Patient ist? Spahn und das Gesundheitsministerium sind in ihrem Entwurf für eine „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus* SARS-CoV-2“ zu folgender Antwort gekommen: Haus- und Fachärzte können und sollen den Risikopatienten eine Impfberechtigung ausstellen - per Attest.

KVB zum Impfplan von Spahn: „muss in jedem Fall verhindert werden“

Soweit, so gut, aber immer noch nicht so einfach. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) ist strikt dagegen. Der Vorstand der KVB, Dr. Wolfgang Krombholz, Dr. Pedro Schmelz und Dr. Claudia Ritter-Rupp bezeichnete das Konzept in einer Pressemitteilung als „absolut weltfremd“. Neben dem bürokratischen Mehraufwand kritisierten sie zusätzlich auch mögliche negative Folgen auf ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis: „Das muss in jedem Fall verhindert werden“, so der Vorstand in der Pressemitteilung.

Die Planung von Impfzentren und mobilen Impfteams wird von der KVB hingegen befürwortet. Für die Durchführung sei es jedoch unerlässlich, dass Haus- und Fachärzte mit ihren Praxisangestellten bei der Impfung ebenfalls priorisiert würden.

Merkel-Gipfel: Möglicher Lockdown noch vor Impfstoff-Zulassung

Die Regelungen rund um die Impfung sind dringlich - denn die potenziell lebensrettende Vakzine soll auch in Bayern in Kürze verfügbar sein. Der Kampf gegen das Coronavirus war von Anfang an ein Kampf gegen die Zeit. Mit der baldigen Zulassung der Impfstoffe inmitten von weiter steigenden Infektions- und Todeszahlen, verschärft sich dieser Kampf jetzt jedoch immer mehr. Um Zeit zu gewinnen, hat Merkel für die nächsten Tage ein Treffen mit den Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Länder geplant. Dabei geht es um einen flächendeckenden Lockdown - auch um Weihnachten herum. (leb) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © pa/dpa/Stephan Jansen

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