Ein Kinder- und Jugendarzt in Berlin drückt ein Abtupftuch an die Stelle, an der eine junge Frau mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty  geimpft wurde.
+
Streit um die Corona-Impfung für Kinder (Symbolbild)

Schutz vor Corona

Deutsches Ärzte-Netzwerk impft heimlich kleinere Kinder - „Ich habe doch eine Verantwortung“

  • Sonja Plagmann
    VonSonja Plagmann
    schließen

Bislang sind Impfstoffe gegen das Coronavirus erst ab 12 Jahren zugelassen. Trotzdem impfen einige Kinderärzte auch jüngere Kinder.

München - Eine Art Netzwerk aus Ärzten soll in Deutschland heimlich kleinere Kinder gegen das Coronavirus impfen - und das, obwohl noch kein Corona-Impfstoff für unter 12-Jährige zugelassen ist. Das berichtet der Tagesspiegel.

Corona-Impfstoffe nur für Kinder über zwölf Jahren zugelassen - Ärzte-Netzwerk impft trotzdem heimlich

Bislang hat die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna für Kinder ab zwölf Jahren freigegeben. In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (Stiko) noch keine generelle Empfehlung herausgegeben. Bislang empfiehlt die Stiko lediglich Impfungen für Kinder ab zwölf Jahren mit bestimmten Vorerkrankungen, da Kinder in der Regel nur äußerst selten von schweren Covid-Verläufen betroffen sind. Seit Wochen gibt es daran Kritik von verschiedenen Seiten - die Gesundheitsminister der Länder fordern nun, dass in den Impfzentren ab sofort für alle 12- bis 17-Jährigen Impfungen angeboten werden. Laut Medienberichten will die Bundesregierung bei der Gesundheitsministerkonferenz das Impfangebot für über 12-Jährige beschließen.

Kinderarzt aus Brandenburg sieht Impfungen von Kindern als seine „Verantwortung“

Doch einigen Kinderärzten geht das nicht schnell genug: Sie widersetzen sich dem Tagesspiegel-Bericht zufolge bereits bewusst den Zulassungsrichtlinien und Empfehlungen. Sie sollen auch Kleinkindern den Impfstoff verabreichen.

„Ich habe doch eine Verantwortung. Für meine Patienten, für die Gesellschaft. Ich finde: Schweren Erkrankungen vorzubeugen, wenn er es kann, das gehört sich für einen Arzt einfach“, wird einer der impfenden Ärzte in dem Bericht zitiert. Er möchte aus Angst vor Morddrohungen anonym bleiben. In seine Praxis in Brandenburg kämen Eltern aus ganz Deutschland. Er impfe auch jüngere Kinder mit den Impfstoffen von Biontech und Moderna, jedoch in kleineren, auf das Alter der Kinder angepassten Dosen.

Mediziner teilt gegen Stiko aus und begründet Kinder-Impfungen

Sein Vorgehen rechtfertigt der Arzt aus Brandenburg mit der „sehr dynamischen Situation“, da inzwischen ganz andere Umstände herrschten als zu dem Zeitpunkt, zu dem die Regeln entwickelt wurden. Denn als die Impfstoffe an Zwölfjährigen getestet wurden, war die Alphavariante des Coronavirus vorherrschend, nun liege die viel ansteckendere Deltavariante aber bei rund 90 Prozent. Auch gegen die Stiko teilt der Kinderarzt aus: Diese könne nur „normales Leben, Pandemie kann sie nicht“.

Mit ihrem Vorgehen bewegt sich das Ärzte-Netzwerk übrigens im legalen Bereich, das Haftungsrisiko bei eventuellen Impfschäden liegt in diesem Fall jedoch alleine beim Arzt. Doch dieses Risiko nehmen die Mediziner bewusst in Kauf, wie der Brandenburger Arzt dem Tagesspiegel erklärt. (spl)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare