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Corona-Impfung für Kinder: Münchner Experte sieht „viele sinnvolle Argumente“ – nicht nur wegen Delta

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Von: Stefan Sessler

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Coronavirus - Familienimpftag in Thüringen: Ein 14-Jähriger erhält in einem Impfzentrum in Weimar seine erste Covid-19-Impfung.
Kontroverse um Corona-Impfung für Kinder © Bodo Schackow/dpa

Die Stiko zögert, die Bundesregierung nicht. Nun sind Eltern verunsichert: Soll man Kinder und Jugendliche gegen Corona impfen lassen? Ein Münchner Oberarzt zu der Kontroverse.

München – Allen 12- bis 17-Jährigen in Deutschland soll ein Impfangebot gemacht werden. Das beschlossen am Montag die Gesundheitsminister von Bund und Ländern. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte bereits im Mai den Covid-19- Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen, vor wenigen Tagen folgte die Freigabe für Moderna. Was Eltern über die Vakzine denken und ob sie die Kinder-Impfung überhaupt wollen*, verrät 24vita.de.

Die „Ständige Impfkommission“ (Stiko) empfiehlt die Impfung bisher jedoch nur vor allem für Kinder und Jugendliche mit bestimmten Vorerkrankungen wie Diabetes oder Adipositas, bei Kontakt zu Menschen, die keinen ausreichenden Impfschutz aufbauen können, oder bei einem erhöhten beruflichen Ansteckungsrisiko etwa im Rahmen einer Ausbildung.

Stiko-Vorsitzender Thomas Mertens bekräftigte gestern, man werde ohne die notwendige Datensicherheit auch weiterhin keine generelle Empfehlung aussprechen. Aus epidemiologischer Sicht sei die Impfung von Kindern lange nicht so relevant wie die Erwachsener. Entscheiden müssen nun also die Eltern. Kann ich mein Kind guten Gewissens impfen lassen? Darüber sprachen wir mit Dr. Christoph Spinner, Oberarzt und Pandemiebeauftragter am Klinikum rechts der Isar.

Herr Dr. Spinner: Sind Sie dafür, 12- bis 17-Jährige auch ohne Vorerkrankungen zu impfen?

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna sind in der Europäischen Union derzeit zur Anwendung auch bei Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren zugelassen. Der Zulassung liegen Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus randomisiert kontrollierten Studien zugrunde und die Europäische Zulassungsbehörde (EMA) kam zu dem Ergebnis, dass Sicherheit und Wirksamkeit gegeben sind, sodass die Zulassung erfolgte. 

Trotzdem ist in Deutschland eine Debatte über Kinderimpfungen entbrannt.

Bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 bis 17 Jahren mit relevanten Vorerkrankungen des Risikos schwerer Covid-19-Verläufe empfiehlt die Stiko bereits heute eine Impfung. Für eine allgemeine Impfempfehlung bei Kindern und Jugendlichen war die Datenlage zu seltenen schweren Verläufen bei Kindern bisher nicht so eindeutig, dass eine Impfung mit einem relevanten Schutz vor schweren Verläufen und/ oder Post-, Long-Covid-19 Folgen einherging, weil bisher angenommen wurde, dass Kinder und Jugendliche mehrheitlich einen milden Verlauf ohne Folgen aufweisen.

In den letzten Wochen und Monaten ergeben sich jedoch Hinweise, dass Covid-19 auch bei einem relevanten Anteil von Kindern und Jugendlichen mit erheblichen Folgen einhergeht. Deshalb ist es richtig, dass die zuständigen Fachgremien, hier die Stiko, regelmäßig die wissenschaftlichen Erkenntnisse prüfen und ihre Empfehlungen gegebenenfalls anpassen.

Zusammenfassend sind mRNA-Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren wirksam und sicher und bereits heute möglich. Eine Anpassung der Stiko-Empfehlung erfolgt, sofern wesentliche neue Daten zu Verläufen und Folgen beiKindern vorliegen. Grundsätzliche Zweifel an der Sicherheit der mRNA-Impfstoffe bei Kindern ab 12 Jahren gibt es bisher nicht.

Wie wichtig ist es, auch 12- bis 17-Jährige zu impfen, um Delta in den Griff zu bekommen? 

Delta verbreitet sich erheblich leichter als alle anderen Sars-CoV-2 Varianten. Herdenimmunität ist daher aus meiner Sicht ohne Impfung oder Immunität nach durchgemachter Erkrankung von Kindern nicht möglich. Es ist daher sinnvoll, die Voraussetzung einer möglichst breiten Immunisierung zu prüfen, denn Impfungen sind die einzige Möglichkeit, dass Sars-CoV-2-Infektionen erheblich unwahrscheinlicher werden.

Sehen Sie andere Wege als die Kinderimpfung, die Impfquote Richtung Herbst/Winter entscheidend zu steigern?

Am wichtigsten erscheint es mir vor allem, die sich ständig ändernde Wissenslage sehr genau im Auge zu behalten und zu diskutieren. Es gibt auch heute viele sinnvolle Argumente, Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren impfen zu lassen.

Was empfehlen Sie Eltern, die 12- bis 17-jährigen Nachwuchs ohne Vorerkrankungen daheim haben? Viele wissen gerade nicht, wie sie sich verhalten sollen.

Aus der heutigen Situation heraus scheint es mir sehr sinnvoll, diese Frage gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen zu besprechen. Sie sind in der Lage, sich ebenso eine sinnvolle Meinung zu den Impfstoffen zu bilden. Auch heute schon sprechen aus meiner Sicht viele gute Gründe für eine Impfung.

*24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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