Angst vor Fälschungen und Mutanten

Amtsärzte kritisieren geplante Lockerungen für Corona-Geimpfte - „Müssen unbedingt weiterhin getestet werden“

  • Patrick Huljina
    vonPatrick Huljina
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In Deutschland sind Lockerungen der Corona-Maßnahmen für Geimpfte und Genesene geplant. Amtsärzte sehen insbesondere die Ausnahme von Corona-Tests kritisch.

Berlin - Die Corona-Impfungen in Deutschland nehmen allmählich an Fahrt auf - und damit auch die Debatte über Freiheiten für vollständig Geimpfte. Bestimmte Freiheitseinschränkungen sollen für Personen, die beide Schutzimpfungen gegen das Coronavirus erhalten haben, zurückgenommen werden. Doch das stößt längst nicht nur auf Zustimmung.

Corona in Deutschland: Lockerungen für Geimpfte und Genesene geplant

Union und SPD sollen sich nach Informationen der dpa am Montag (3. Mai) auf einen Entwurf für eine bundesweite Verordnung zur Rückgabe von Rechten an Geimpfte und Genesene geeinigt. Vorgesehen ist einerseits eine rechtliche Gleichstellung mit Menschen, die einen negativen Corona-Test vorweisen können. Zudem sollen Corona-Geimpfte oder Genesene auch ohne Test in Geschäfte, Zoos oder zum Friseur gehen dürfen.

Kontaktbeschränkungen sowie Ausgangsbeschränkungen sollen für diese Personengruppen ebenfalls gelockert oder aufgehoben werden. Nach Reisen müssten Geimpfte und Genesene demnach nicht mehr in Quarantäne, außer sie waren in einem Virusvariantengebiet. Die Maskenpflicht an bestimmten Orten und die Abstandsregeln sollen allerdings auch weiter für alle gelten.

Amtsärzte mit Kritik an geplanten Lockerungen für Geimpfte: „Müssen weiterhin getestet werden“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass bei Einreisen nach Deutschland künftig ein vollständiger Impfnachweis anstelle eines Corona-Tests ausreichen soll. Mit dieser Idee sind die Amtsärzte überhaupt nicht einverstanden. „Geimpfte müssen unbedingt weiterhin getestet werden. Es wäre fatal, wenn Geimpfte und Genesene künftig von allen Testpflichten etwa bei der Einreise ausgenommen würden“, erklärte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

„Ohne umfassende Tests verlieren wir den Überblick über das Infektionsgeschehen - gerade auch mit Blick auf Virusvarianten“, mahnte Teichert weiter. Wenn Reiserückkehrer nicht mehr getestet würden, wisse man nicht, ob sie Mutanten, wie beispielsweise die britische Virus-Variante B.1.1.7 oder die südafrikanische Corona-Variante B.1.351, einschleppten.

Amtsärzte fordern weiterhin Corona-Tests, auch von bereits Geimpften. (Symbolbild)

Corona in Deutschland: Amtsärzte fordern einheitlichen Impfnachweis

Teichert kritisierte darüber hinaus, dass die Bundesregierung Corona-Geimpften Rechte zurückgeben wolle, obwohl derzeit kein einheitlicher Nachweis für den Impfstatus zur Verfügung stehe. Fachleute hatten am vergangenen Wochenende darauf hingewiesen, dass derzeit große Sicherheitslücken bestehen. Bereits die Einträge und Aufkleber im gelben Impfheft seien nicht sicher vor Fälschungen.

„Die Politik darf nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen: Bevor es bundesweit Erleichterungen für Geimpfte gibt, muss ein einheitliches Zertifikat als Impfnachweis eingeführt werden“, forderte Teichert daher. Das Zertifikat müsse digital und in Papierform zur Verfügung stehen und unbedingt fälschungssicher sein.

Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach betonte die große Bedeutung eines digitalen Impfnachweises. „Ein digitaler Impfpass wäre hilfreich, ein europäischer umso elementarer – ein wichtiges Projekt, das wir so schnell wie möglich umsetzen sollten“, erklärte der Experte gegenüber Merkur.de. Zudem machte Lauterbach große Hoffnung für den Mai und sagte ein exponentielles Absinken der Corona-Zahlen in Deutschland voraus. (ph/dpa)

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