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Impfen gegen Corona: Wann bin ich an der Reihe? Zentrale Faktoren, von denen das abhängt

  • Cindy Boden
    vonCindy Boden
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Das Impfen gegen das Coronavirus hat begonnen. Doch wer ist wann an der Reihe? Um das festzumachen, spielen verschiedene Umstände eine Rolle.

  • Die Impf-Verordnung regelt für Deutschland, wer zu den priorisierten Gruppen gehört, solange nicht für jeden Impfstoff da ist.
  • Wie lange es dauert, bis andere Gruppen dran sind, hängt unter anderem von der Anzahl verfügbarer Dosen und der Zahl an Impfwilligen ab.
  • 2021 könnte nach derzeitiger Einschätzung ein großer Teil der Deutschen geimpft werden.

Berlin - Die erste in Deutschland geimpfte Person mit einem Mittel gegen das Coronavirus war 101 Jahre alt und lebte in einem Seniorenzentrum. Sie gehört zu der Gruppe, die zuerst immunisiert werden soll. Wer wann genau dran ist, regelt die „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“.

Zu Beginn des Impf-Marathons ist noch nicht genügend Impfstoff für alle in Deutschland Lebenden verfügbar. Deshalb hat die Ständige Impfkommission Empfehlungen erarbeitet, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) fast komplett übernommen hat. Für die Antwort, wann jemand mit einer Corona-Impfung dran ist, ist also entscheidend, ob der- oder diejenige zu den obersten Priorisierungsgruppen gehört. Spahns Verordnung sieht folgende Gruppen vor:

  • Höchste Priorität: Personen, die mindestens 80 Jahre alt sind; Personen, die in Pflege- oder Altenheimen leben oder arbeiten; Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten
  • Hohe Priorität: Personen, die mindestens 70 Jahre alt sind; Personen mit Trisomie 21, Demenz, einer geistigen Behinderung oder nach Organtransplantationen; enge Kontaktpersonen von Schwangeren oder Pflegebedürftigen; Polizei- und Ordnungskräfte, die einem hohem Infektionsrisiko ausgesetzt sind
  • Erhöhte Priorität: Personen, die mindestens 60 Jahre alt sind; Personen, die medizinisch vorbelastet sind, etwa mit einer HIV-Infektion, Diabetes mellitus oder Krebserkrankungen; Personal in Kitas, Schulen und im Einzelhandel; Personal mit relevanter Position etwa aus dem Apothekenwesen, in der Wasser- und Energieversorgung oder im Telekommunikationswesen; Personal mit relevanter Position etwa in Regierungen, Justiz oder Polizei und Feuerwehr

Hinweis: Eine noch detailliertere Aufschlüsselung, welche Personen zu den Gruppen gehören, finden Sie in der Impfverordnung selbst.

Corona-Impfung: Wann bin ich an der Reihe?

Doch es gibt aber noch weitere Faktoren, die mitentscheiden, wann jemand an der Reihe ist.

Die wichtigste Voraussetzung ist natürlich, dass genügend Impfdosen vorhanden sind. Wenn man sich die Zahlen anschaut, darf man jedoch nicht vergessen, dass jeder Mensch mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer zweimal geimpft werden muss - auf eine Person kommen als zwei Impfdosen. Zur Einordnung: Bis Ende März 2021 sind elf bis zwölf Millionen Impfdosen geplant, die in Deutschland verimpft werden können.

Hinzu kommen aber womöglich weitere Impfstoffe, die noch nicht in der EU zugelassen sind, etwa vom US-Unternehmen Moderna oder aus Großbritannien von Astrazeneca. Sollten sie ausgeliefert werden, können die priorisierten Gruppen schneller geimpft werden. Damit wären Willige, die nicht dazu gehören, ebenfalls schneller dran.

Vor der Anmeldung des Impfzentrums stehen Impfwillige.

Für die beiden Impfstoffe von Biontech und Moderna sind dem Gesundheitsministerium zufolge insgesamt 136,3 Millionen Dosen sicher, die nahezu alle 2021 geliert werden könnten. Mit je zwei nötigen Dosen ließen sich so rechnerisch 68,2 Millionen Bürger impfen - bei rund 83 Millionen Einwohnern in Deutschland. Tests, wie der Wirkstoff etwa bei Schwangeren oder Kindern wirkt, soll es laut Biontech 2021 geben.

Corona-Impfung: Bundesländer bestimmten Terminvergabe - Zahl täglicher Impfungen unterschiedlich

Die Terminvergabe regelt jedes Bundesland selbst. Einem Bericht des Bayerischen Rundfunks zufolge sollen in Bayern die über 80-Jährigen, die nicht in einem Senioren- oder Pflegeheim leben, im Januar schriftlich informiert werden, dass sie berechtigt sind, sich impfen zu lassen. Laut bayerischem Gesundheitsministerium sollen die Impfung der Menschen mit höchster Priorität bis Ende Januar abgeschlossen sein. Weitere zeitliche Eingrenzungen ließen sich bisher nicht absehen.

Wie viele Impfungen gegen das Coronavirus täglich geschafft werden können, schätzen die Bundesländer ebenfalls unterschiedlich ein. Rechnet man beispielhaft mit deutschlandweit 150.000 Impfungen pro Tag, würde es wegen der doppelten Impfung knapp zwei Monate dauern, bis 4,3 Millionen Menschen vollständig geimpft sind. Das wäre rund die Hälfte derer, die laut Impfverordnung zuerst an der Reihe sind.

Entscheidend wird auch sein, wer alles Impfungen durchführen kann. Neben den bis zu 442 Impfzentren bundesweit und den mobilen Impfteams ist auch denkbar, dass nach einigen Monaten Hausärzte impfen, wodurch es mehr Termine geben würde. Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geht laut dpa davon aus, „dass die Praxen vermutlich im Sommer impfen werden.“ Die Hausärzte seien darauf eingestellt, „schnell eine große Gruppe an Patienten zu impfen“. Für Sommer rechnet Gesundheitsminister Spahn auch mit genug Impfstoff für Massenimpfungen.

Wie viele Menschen sind gewillt, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen?

Doch wie viele Menschen werden sich überhaupt impfen lassen? Je weniger es sind, desto schneller sind natürlich andere Gruppen dran. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur haben derzeit etwa zwei Drittel der Deutschen vor, sich piksen zu lassen.

Wann genau wer an der Reihe ist, hängt also von verschiedenen Einflussfaktoren ab, wodurch genaue Zeitfenster zurzeit kaum abschätzbar sind. Spahn schrieb jedoch auf Twitter: „Wir wollen jedem, der in 2021 geimpft werden will, auch so bald wie möglich ein Impfangebot machen.“ Planungen bei Impfwilligen für 2021 scheinen also realistisch. (cibo/dpa)

Rubriklistenbild: © Stefan Puchner/dpa

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