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Corona-Impfung verweigert: US-Klinik feuert über 150 Angestellte - die bemühen vor Gericht Nazi-Vergleich

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Von: Marcus Giebel

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Demonstranten halten Fahnen und Schilder in Händen
Einsatz gegen die Impfpflicht: US-Bürger gehen zeigen, was sie von einer aufgezwungenen Immunisierung halten. © Yi-Chin Lee/dpa

Wer sich nicht gegen Covid-19 impfen lässt, wird vor die Tür gesetzt. So hat es eine Klinik in Houston beschlossen und Recht bekommen.

München - Es ist ein großes Dilemma in der aktuellen Phase der Corona-Pandemie: Während viele Menschen die Tage zählen, bis sie endlich den Impfstoff gegen Covid-19-Erkrankungen verabreicht bekommen, verweigern sich andere gegen den Schutz aus der Spritze. So werden in Deutschland längst Debatten geführt, ob die angestrebte Herdenimmunität überhaupt erreichbar ist.

Daran anschließend dürfte schon bald wieder darüber diskutiert werden, mit welchen Nachteilen im öffentlichen Leben sich Impfverweigerer künftig arrangieren müssten. Oder ob sogar eine Impfpflicht für bestimmte Bevölkerungsgruppen verhängt werden sollte. Ein immens heißes Thema, keine Frage.

Mitschwingen würde bei Zurückhaltenden aber eben dann die Frage, was es ihnen wert ist, einen weiten Bogen um die Vakzine zu machen. Womöglich auch sogar den Jobverlust?

Video: Delta-Variante könnte wegen Impfverweigerern zum Problem werden

Klinik entlässt Impfverweigerer: 153 Angestellte verlieren ihren Job nach Suspendierung

In den USA war das die letztliche Konsequenz für 153 Angestellte einer Klinik. Denn das Houston Methodist Hospital hatte bereits im April alle Mitarbeiter dazu verpflichtet, sich bis spätestens bis zum 7. Juni impfen zu lassen. Das berichten mehrere Medien. Am Tag nach Ablauf der Deadline seien 178 von ihnen für zwei Wochen ohne Bezahlung suspendiert worden, weil sie die Vorschrift missachtet hätten.

Das wiederum wollten viele der Betroffenen nicht hinnehmen. So gingen 117 Angestellte juristisch gegen diesen Schritt ihres Arbeitgebers vor. So weit, so nachvollziehbar. Allerdings klagten sie etwa unter dem Verweis, ihre Situation lasse sich mit der von Inhaftierten in Konzentrationslagern der Nazis im Zweiten Weltkrieg vergleichen, die für medizinische Experimente missbraucht wurden.

Klinik entlässt Impfverweigerer: Nazi-Vergleich wird von Gericht als „verwerflich“ zurückgewiesen

Diese Begründung wies die zuständige Bundesrichterin als „verwerflich“ zurück. Die Klage wurde unter dem Hinweis kassiert, den Angestellten stehe es frei, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Die Präparate gegen Covid-19 seien nicht experimentell und gefährlich.

Infolge des Richterspruchs hätten etliche der Mitarbeiter gekündigt, einige seien entlassen worden, wie ein Sprecher der Krankenausgesellschaft der Nachrichtenagentur AP sagte. Die Gruppe der Impfunwilligen ist bereits weitergezogen vor ein Berufungsgericht. Eine der Hauptklägerinnen erhofft sich den juristischen Erfolg im zweiten Anlauf, um für ein Umdenken zu sorgen. Damit „sie Gesetze machen, die Angestellte davor schützen, das an jedem anderen Ort des Landes durchmachen zu müssen“.

Vor einem großen Gebäude stehen zwei Krankenwagen, dahinter ist ein Kran zu sehen.
Hier arbeiten nur Geimpfte: Das Houston Methodist Hospital hat unter seiner Belegschaft rigoros durchgegriffen und darf sich bestätigt fühlen. © FRANCOIS PICARD/afp

Klinik entlässt Impfverweigerer: Nazi-Vergleich wird von Gericht als „verwerflich“ zurückgewiesen

Die 39-Jährige zweifelt an der Sicherheit der Impfstoffe. Auch ungeimpft hat sie bereits eine neue Stelle gefunden - bei einer Zeitarbeitsfirma. Einige ihrer Mitstreiter lehnen die Vakzine eigenen Angaben zufolge aus religiösen Gründen ab, andere verwiesen auf Vorerkrankungen, die eine Verabreichung der Präparate nicht ratsam machen würden.

Die Klinik in der texanischen Metropole verbucht die ausgesprochene Impfpflicht für sich als Erfolg. Immerhin hätten sich laut des Betreibers fast 25.000 der mehr als 26.000 Mitarbeiter der Einrichtung impfen lassen. Für Schlagzeilen sorgte aber die viel kleinere Gruppe. Die nun ein Präzedenzfall werden könnte, denn in anderen US-Bundesstaaten folgten Kliniken dem Vorbild des Houston Methodist Hospital - und könnten sich nun ebenfalls Klagen von Teilen der Belegschaft gegenübersehen. (mg)

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