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Corona-Impfung umsonst? Obwohl Gibraltar fast durchgeimpft ist, liegt die Inzidenz bei 600

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Von: Marco Blanco-Ucles

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Obwohl die Halbinsel Gibraltar nahezu durchgeimpft ist, liegt die Inzidenz bei stolzen 600. Was das genau zu bedeuten hat, zeigt der Blick auf weitere Statistiken.

Gibraltar – Zahlen lügen nicht, heißt es nicht erst seit der Corona-Pandemie. Dennoch ist es wichtig, Zahlen einzuordnen. In Gibraltar zum Beispiel, jenem malerischen britischen Überseegebiet an der Südspitze Spaniens, leben rund 34.000 Menschen. Etwa 78.000 Impfdosen gegen das Virus wurden auf der Halbinsel mit ihrem markanten Felsen bislang verabreicht. Das macht offiziell eine Impfquote von 116 Prozent – und das, ohne dass ein Einwohner bislang eine dritte Impfdosis als Auffrischung erhalten hätte oder die bis Zwölfjährigen geimpft wurden. Gleichzeitig lag die Sieben-Tage-Inzidenz* in Gibraltar zum Wochenbeginn bei rund 600. Verpufft der Impfschutz bei vielen Menschen also wirkungslos?

Corona-Zahlen in Gibraltar zeigen, wovor die Impfung wirklich schützt

Licht ins vermeintliche Dunkel bringt unter anderem ein Blick auf die Verteilung der Impfungen. So wurden mit den 78.000 Impfdosen – vornehmlich Biontech/Pfizer – nicht nur die Bürger Gibraltars geimpft. Mindestens 8000 spanische Pendler, die täglich auf der Halbinsel arbeiten, wurden ebenfalls damit immunisiert. Zudem sind offenbar nicht alle Menschen in Gibraltar zweifach geimpft – auch nicht bei den über Zwölfjährigen. So vermeldeten am vergangenen Sonntag die örtlichen Gesundheitsämter 18 Neuinfektionen. Zehn Betroffene waren bereits vollständig geimpft – acht laut den Behörden jedoch nicht.

Die hohe Sieben-Tage-Inzidenz ist auf die mittlerweile in ganz Europa dominante und hochansteckende Delta-Variante* zurückzuführen. Die aggressive Variante ist in der Lage, auch Geimpfte zu infizieren. Aber was bringt eine Impfung dann? Die einfache Antwort: Sie schützt sehr zuverlässig vor schweren Krankheitsverläufen. Und das in allen Altersklassen. Wie Focus Online berichtet, meldete die Regierung von Gibraltar am Montag insgesamt 304 aktive Corona-Fälle, 176 davon sind der Delta-Variante geschuldet. Nur ein Bruchteil davon muss aber noch im Krankenhaus behandelt werden, ganz anders als zu Beginn der Pandemie. Am Wochenende waren es einem SZ-Bericht zufolge neun Erkrankte, nur eine Person davon auf der Intensivstation.

Der markante Felsen von Gibraltar. In dem britischen Überseegebiet an der Südspitze Spaniens ist die 7-Tage-Inzidenz hoch, aber kaum jemand muss noch ins Krankenhaus
Der markante Felsen von Gibraltar. In dem britischen Überseegebiet an der Südspitze Spaniens ist die 7-Tage-Inzidenz hoch, aber kaum jemand muss noch ins Krankenhaus. © picture alliance / DPR

Gibraltar: Corona-Szenario zeigt, was deutschen Bürgern bevorsteht

Und es stirbt niemand mehr. Als der Chief Minister Fabian Picardo am 8. April Gibraltar für „Covid-frei“ erklärte, hatte das kleine Land 94 Todesfälle durch das Coronavirus zu beklagen. Durch die fortgeschrittene Impfstrategie auf der Halbinsel kam bis heute kein einziger Fall dazu. Das Hauptziel, mit den Impfungen schwere Verläufe und Todesfälle zu vermeiden, wurde also offensichtlich erreicht – trotz der hohen Infektionszahlen.

Neben dem Kampf gegen die Delta-Variante entbrennt in Gibraltar ein neuer Wettlauf mit der Zeit. Viele Bürger haben ihre zweite Impfung bereits im Februar erhalten. Mehrere Studien – unter anderem aus Israel – kommen zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit des Vakzins nach ungefähr sechs Monaten nachlässt. Das wäre spätestens im August. Deswegen wird auf der Halbinsel in Kürze eine dritte Impfrunde nötig sein. Selbiges, ist sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sicher, wird auch auf die deutschen Bürger irgendwann im Herbst zukommen. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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