Gibt keinen Grund für frühere Impfung von Lehrern, sagt Stiko-Chef Thomas
 Mertens.
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Gibt keinen Grund für frühere Impfung von Lehrern, sagt Stiko-Chef Thomas Mertens.

Corona-Impfstrategie

Lehrer und Erzieher bevorzugt impfen? Stiko-Chef lehnt Änderung der Impf-Strategie ab

  • Martina Lippl
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Normal statt Notbetrieb: Um Schulen und Kitas schneller zu öffnen, sollten Lehrkräfte und Erzieher:innen schneller geimpft werden. Stiko-Chef Mertens äußert sich mit klaren Worten zu diesen Forderungen.

Berlin - Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, sieht derzeit keinen Grund dafür, Lehrer:innen und Erzieher:innen bevorzugt zu impfen.

Corona-Impfungen: Stiko-Chef gegen frühere Impfungen von Lehrern

„Die Stiko hat ihre Empfehlung auf die Auswertung internationaler Daten und auch die Meldedaten aus Deutschland gegründet. Daraus ergibt sich keine Notwendigkeit, die Lehrer jetzt abweichend von der Empfehlung vorzuziehen“, sagte Mertens der Rheinischen Post. Lehrer mit entsprechendem Alter und solche mit besonderen Vorerkrankungen würden bereits jetzt auf dieser Grundlage priorisiert.

Ob es darüber hinaus weitere Umstufungen geben solle, müsse die Politik entscheiden. „Die Begründung für eine geänderte Vorgehensweise muss dann allerdings auch von diesen politischen Entscheidungsträgern kommen“, stellte der Stiko-Chef Mertens klar.

Corona-Impfungen: Wann sind Lehrkräfte und Erzieher an der Reihe?

Nach der aktuellen Impfverordnung sind Erzieher:innen und Lehrer:innen bislang in der dritten Gruppe („erhöhte Priorität) an der Reihe. Bund und Länder hatten sich vergangene Woche darauf verständigt, die Einstufung von Lehrkräften in eine höhere Prioritätsstufe beim Impfen zu überprüfen. Sie seien wie Erzieherinnen und Erzieher einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt, wenn die Schulen und Kitas wieder öffnen. Gesundheitsminister Jens Spahn sprach sich gegen eine höhere Priorisierung der Berufsgruppe auf einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag (12. Februar) aus. Eltern von Schulkindern hätten ja dann im weiteren Sinne auch ein erhöhtes Infektionsrisiko.

Impf-Prioritäten in Deutschland - Wer kann sich zuerst impfen lassen?

Der Corona-Impfstoff ist noch knapp. Deswegen werden in Deutschland zuerst über 80-Jährige und Bewohner sowie Mitarbeiter in Pflegeheimen geimpft. Sie haben nach der Impfverordnung höchste Priorität.

Inzwischen sind drei Corona-Impfstoffe in Deutschland zugelassen: von Biontech, Moderna und AstraZeneca. Bei dem Vakzin von AtraZeneca liegen bisher noch zu wenig Daten über die Wirksamkeit bei älteren Menschen vor. Deswegen empfiehlt die Stiko den AstraZeneca-Impfstoff zunächst nur an 18- bis 64-Jährige zu verimpfen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte daraufhin Veränderungen in der Impfreihenfolge an. Da das Mittel für die höchsten Risikogruppen über 80 und über 70 Jahre nun ausfällt, würden jüngere Gefährdete aus anderen Risikogruppen aufrücken. Doch der Minister stellte gleichzeitig klar, dass an der Grundreihenfolge festgehalten wird. In der ersten Impfgruppe gebe es auch Menschen, die jünger als 64 Jahre seien, etwa beim medizinischen Personal oder den Beschäftigten in der Pflege. 

PriorisierungGruppe/PersonenBerufe und Merkmale der Gruppen
Höchste Priorität/ Gruppe 1Menschen über 80, Menschen in Pflegeheimen, Personal auf Intensivstationen, in Notaufnahmen und Rettungsdiensten und RisikogruppenMenschen hohen Alters, besonders hohes Ansteckungsrisiko durch ihre Arbeit in Pflege, Arztpraxen, Krankenhäuser und Impfzentren
Hohe Priorität / Gruppe 2Über 70-Jährige, Menschen mit Trisomie 21, Demenz, Transplantations-Patienten, bestimmte KontaktpersonenÄrzte, Krankenpfleger und -schwestern, Gesundheitsämter und Polizei, die im Dienst einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind
Erhöhte Priorität / Gruppe 3Über 60-Jährige, medizinisch vorbelastet Menschen, Polizei und Feuerwehr, Personal in Kitas, Schulen und im Einzelhandel Menschen mit Krankheiten, wie Adipositas, Diabetes, Krebs, Asthma und Herzerkrankungen. Sowie Beschäftigte mit niedrigen Expositionsrisiko, Bundeswehr, Justiz und Rechtspflege, Personen in Unternehmen der kritischen Infrastruktur.
Ohne Priorität / Gruppe 4 Alle, die ein geringeres Risiko haben, einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung zu erleiden. Ihnen soll nach den priorisierten Gruppen ein Impfangebot gemacht werden.

(Quelle: Bundesregierung.de, Stand: 16. Februar)

Corona-Impfungen: So wollen die Länder Schulen und Kitas öffnen

Auf dem Corona-Gipfel haben Bund und Länder sich auf eine Verlängerung des Lockdowns in Deutschland bis zum 7. März geeinigt. Bei den nächsten Lockerungen spielt eine neue Kennziffer eine wichtige Rolle: Die 7-Tage-Inzidenz unter 35.

Beim Thema Schule konnte sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht durchsetzen. Die Öffnung von Schulen und Kitas bleibt Sache der Länder. Die meisten Bundesländer setzten momentan auf den 22. Februar als Stichtag für die erste Präsenzveranstaltung. Natürlich nur, wenn die Inzidenz in den Landkreisen und kreisfreien Städten das zulässt. Einige preschen schon vor. In Sachsen sind Grundschulen und Kitas ab 15. Februar im eingeschränkten Regelbetrieb geöffnet.

  • Baden-Württemberg: Kitas und Grundschulen ab dem 22. Februar schrittweise geöffnet
  • Bayern: Kitas und Grundschulen im Wechselunterricht ab dem 22. Februar geöffnet
  • Berlin: Grundschulen ab dem 22. Februar geöffnet
  • Brandenburg: Wechselunterricht in den Klassenstufen 1 bis 6 ab dem 22. Februar
  • Bremen: Termin noch offen
  • Hamburg: Grundschulen nicht vor März öffnen
  • Hessen: Wechselunterricht in den Klassenstufen 1 bis 6 ab dem 22. Februar
  • Mecklenburg-Vorpommern: Grundschulen und Kitas ab dem 22. Februar
  • Niedersachsen: Termin noch weitgehend offen, Grundschulen schon seit Januar im Wechselbetrieb, Entscheidung Anfang März
  • Nordrhein-Westfalen: Schrittweise Öffnung der Schulen ab dem 22. Februar hin zum Präsenzbetrieb
  • Rheinland-Pfalz: Wechselunterricht ab dem 22. Februar
  • Saarland: Wechselunterricht an Grundschulen ab dem 22. Februar
  • Sachsen: Grundschulen und Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb ab dem 15. Februar
  • Sachsen-Anhalt: Öffnung von Schulen und Kitas ab dem 1. März
  • Schleswig-Holstein: Regelbetrieb an Grundschulen und Kitas ab dem 22. Februar
  • Thüringen: Stufenplan je nach Inzidenzwert, genaue Termine noch offen, soll am Donnerstag besprochen werden

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland sind im aktuellen Lockdown ein wichtiger Faktor. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet am Montagmorgen verzögert aktuelle Daten. (ml) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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