Mehr als 400.000 Fälle an einem Tag

„Leute ersticken in den Autos“: Indien-Botschafter schildert im ZDF schockierende Szenen der Corona-Tragödie

  • Veronika Arnold
    vonVeronika Arnold
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Die Corona-Lage in Indien ist dramatisch. Schockierende Szenen schildert der deutsche Botschafter aus dem hart getroffenen Land während endlich erste Hilfslieferungen ankommen.

Neu Delhi - Es sind schockierende Szenen, die der deutsche Botschafter in Indien, Walter Lindner, aus dem von der Corona-Pandemie derzeit heftig getroffenen Land schildert. „Die Lage ist schrecklich und deprimierend“, sagte Lindner am Samstagabend im ZDF-„heute journal“. „Die Leute ersticken zum Teil in den Autos, weil sie vom einen Krankenhaus zum nächsten fahren. Die ersticken in der Wartereihe, um auf Sauerstoff zu warten. Das ist alles schrecklichst, was wir draußen erleben“, sagte Lindner in Neu-Delhi beim Eintreffen der ersten Hilfslieferung aus Deutschland am Samstagabend. Die erste Lieferung durch die Bundeswehr umfasste 120 Beatmungsgeräte, Medikamente sowie Sanitäter.

Hilfeaufrufe in den Sozialen Medien würden laufend verbreitet werden - mit der Hoffnung auf ein Krankenhausbett oder Sauerstoff. „Und am nächsten Tag heißt es dann oft: „Leider gestorben, niemand hat uns geholfen.“ Die aktuelle Situation sei ein „Riesenschlag“ für das Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern.

Corona in Indien: Auch Mitarbeiter in deutscher Botschaft infiziert

Auch die deutsche Botschaft ist Lindners Angaben zufolge von der Pandemie betroffen. Von 150 Mitarbeitern hätten sich rund 30 mit dem Coronavirus infiziert. "Es ist schon mühsam, den Betrieb aufrechtzuerhalten", sagte er. "Es ist eine harte Zeit, aber wir schaffen das schon."

Corona-Drama in Indien: Kein Land derzeit so hart getroffen

Kein Land auf der Welt wird derzeit so hart von der Corona-Pandemie getroffen wie Indien. An nur einem Tag wurden mehr als 400.000 Corona-Neuinfektionen registriert - erneut ein weltweiter Rekordwert. Zudem starben im selben Zeitraum mehr als 3500 Menschen in Verbindung mit Covid-19. Das geht aus den Zahlen des indischen Gesundheitsministeriums von Samstag hervor.

Die Meldungen der vergangenen Wochen und Tage aus Indien lassen auf eine dramatische Lage schließen. Krankenhäuser und Krematorien sind überfüllt. In dem südasiatischen Land mangelt es an medizinischem Sauerstoff, Medikamenten und Corona-Impfdosen - und das, obwohl Indien zu den größten Impfstoffproduzenten der Welt gehört.

Corona in Indien: Mehr als 400.000 Neuinfektionen an nur einem Tag

Hinzu kommt eine Explosion der Zahl an täglichen Corona-Neuinfektionen. In dem Land mit seinen mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern meldete das Gesundheitsministerium am Samstag (1. Mai) bereits den neunten Tag in Folge einen neuen traurigen Höchstwert. Insgesamt 401.993 haben sich an nur einem Tag mit dem Coronavirus infiziert. Seit Beginn der Pandemie steckten sich in Indien mehr als 19 Millionen Menschen an. Mit fast 212.000 Toten liegt das Land hinter den USA, Brasilien und Mexiko auf dem vierten Platz weltweit.

Medizinischer Sauerstoff ist in Indien knapp. Angehörige von Covid-19-Patienten stehen Schlange, um ihre leeren Flaschen aufzufüllen.

Nach einem Plan der indischen Regierung sollen sich von diesem Samstag an eigentlich alle Erwachsenen impfen lassen dürfen. Allerdings berichteten mehrere Bundesstaaten, dass ihnen die Corona-Impfdosen ausgingen oder bereits ausgegangen seien. Bislang hatten in Indien lediglich die über 45-Jährigen Anspruch auf eine Impfung. Rund zehn Prozent von ihnen erhielten den Angaben der Behörden zufolge bisher mindestens eine Impfdosis.

Corona in Indien: Erste Hilfe aus Deutschland angekommen

Mehrere Länder haben Indien im Kampf gegen die Corona-Pandemie ihre Unterstützung zugesagt, darunter Deutschland, die USA, Großbritannien, Japan und auch Russland. Am Samstagabend traf die erste Hilfe aus Deutschland in der indischen Hauptstadt Neu Delhi ein. Mit einem Flugzeug der Luftwaffe wurde Hilfsmaterial und -personal eingeflogen.

An Bord der Maschine, die sonst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und weitere Mitglieder der Regierung fliegt, waren 120 Beatmungsgeräte sowie 13 Sanitätssoldat:innen. Wegen der steigenden Zahl der Corona-Patienten geht in vielen Krankenhäusern der medizinische Sauerstoff aus. Die deutschen Soldat:innen sollen eine mobile Sauerstoffgewinnungsanlage der Bundeswehr in Indien aufbauen, das Personal des örtlichen Roten Kreuzes einweisen und dazu 14 Tage im Land bleiben, sagte ein Sprecher der Luftwaffe. Die Anlage macht Außenluft zu medizinischem, hochprozentigem Sauerstoff, der anschließend abgefüllt werden kann. Sie soll am Mittwoch und Donnerstag mit zwei Transportflugzeugen geliefert werden. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Nazim Ali Khan/dpa

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