Jens Spahn (r, CDU), Bundesminister für Gesundheit, Lothar Wieler (l), Präsident des Robert Koch Instituts, und Sandra Ciesek (M), Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, unterhalten sich nach der Pressekonferenz zur Entwicklung der Corona Pandemie.
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Virologin Sandra Ciesek informiert in ihrem Podcast über die Corona-Pandemie. (Archivbild)

Gute Konzepte und Teststrategien nötig

Corona-Infektion: Virologin nennt Berufsgruppen mit besonders hohem Risiko einer Ansteckung

  • Patrick Huljina
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In einer neuen Folge des NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“ nennt Virologin Sandra Ciesek Berufsgruppen, die ein besonders hohes Corona-Risiko haben.

Hamburg - Die Corona-Impfkampagne in Deutschland ist bislang schleppend angelaufen. Aufgrund der Knappheit des Corona-Impfstoffs sollten zunächst gezielt die Risikogruppen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus geschützt werden. Mit der ab April geplanten Einbeziehung der Arztpraxen soll das Impftempo in Deutschland deutlich an Fahrt aufnehmen. Dann könnten auch Angehörige von Berufsgruppen mit einem hohen Infektionsrisiko geimpft werden.

Corona-Infektion: Studie zeigt Berufsgruppen mit hohem Risiko

Virologin Sandra Ciesek verwies diesbezüglich in einer neuen Folge des NDR-Podcasts „Das Coronavirus-Update“ auf eine Preprint-Studie aus den USA. Forscher aus San Francisco hatten in ihrer Arbeit Daten von mehr als 10.000 Covid-19-Verstorbenen im berufstätigen Alter im Hinblick auf Beruf und Ethnie untersucht. Ciesek nannte die Ergebnisse „ganz spannend“.

Die Studie zeigte, dass Mitarbeiter der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft das höchste Risiko einer schwer verlaufenden Corona-Infektion tragen. Danach folgten Transport und Logistik, sowie Baugewerbe und Fabriken. In diesen Berufsgruppen habe man auch in Deutschland vermehrt große Ausbrüche gesehen. Ciesek nannte als Beispiel die Ausbrüche in Werken des Fleischproduzenten Tönnies.

Corona-Infektion: Ciesek fordert „gute Konzepte und gute Teststrategien“ für Risiko-Berufsgruppen

Von der ethnischen Zugehörigkeit her hatten Latinos in der Studie das höchste Risiko einer schweren Corona-Infektion. Sie arbeiteten in Kalifornien häufig in Lebensmittel- und Landwirtschaftsbetrieben, erklärte die Virologin. Auch in Deutschland arbeiteten in den besonders gefährdeten Berufsgruppen häufig Menschen, die extra für diese Arbeiten ins Land kämen und hier zum Teil in Gruppenunterkünften lebten, so Ciesek.

„Das zeigt noch mal, wie wichtig es ist, dass es für diese Berufsgruppen gute Konzepte gibt, auch gute Teststrategien“, sagte Ciesek. Wichtig sei auch, „dass man gut aufklärt, dass die Impfquote in diesen Berufen nicht zu niedrig ist, um das Infektionsgeschehen effizient eindämmen zu können“.

Corona-Impfung in Deutschland: Haus- und Fachärzte sollen ab April einsteigen

Wegen des vorerst knappen Corona-Impfstoffes gilt in Deutschland derzeit eine festgelegte Reihenfolge bei den Impfungen - Priorität haben Ältere, Gesundheitspersonal mit hohem Ansteckungsrisiko und Menschen mit bestimmten Erkrankungen. Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte im Bezug auf die Einbeziehung der Arztpraxen ab April: „Ich habe ein sehr hohes Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte, dass sie zuerst diejenigen Patienten impfen werden, die auch am meisten gefährdet sind.“ Eine Priorisierung sei generell auch weiterhin notwendig.

Corona-Impfung in Deutschland: Söder fordert Aufweichung der Impf-Reihenfolge

„Sobald wir ausreichend Impfstoff für alle haben, sollten Haus- und Fachärzte auch selbst über die Impfreihenfolge entscheiden dürfen“, forderte Ärztepräsident Klaus Reinhardt in der Rheinischen Post. „Sie wissen am besten, welche ihrer Patienten besonders
gefährdet sind“, erklärte er weiter. Zu viele Vorgaben und Prüfverfahren hielten nur unnötig auf. In Serbien bezieht man bei der Priorisierung für die Corona-Impfungen den Beruf bereits mit ein. Neben Personen über 65 Jahren haben dort auch alle Menschen Vorrang, die beruflich viel mit anderen Menschen zu tun haben.

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder forderte ebenfalls bereits eine Aufweichung der Impf-Reihenfolge. Am Mittwoch verkündete er, dass die bayerischen Corona-Hotspots an der Grenze zu Tschechien kurzfristig noch einmal 100.000 zusätzliche Dosen Impfstoff bekommen. „Die Landkreise sollen weitgehend selbst und flexibel entscheiden können, wer geimpft werden soll. Damit können auch andere Gruppen schneller an die Reihe kommen“, so Söder. Er habe sich sowohl bei Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch bei EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen dafür eingesetzt. (ph/dpa)

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