Während Corona-Zahlen steigen

9.000 Intensivbetten weniger als noch 2020: Warum Betten immer häufiger „gesperrt“ werden, ist alarmierend

Das Coronavirus sorgt aktuell für die zunehmende Belegung in Krankenhäusern, doch gleichzeitig schrumpfen die zur Verfügung stehenden Intensivbetten. Der Grund ist alarmierend.

Berlin - Das Coronavirus sorgt in vielen Fällen für lediglich milde oder sogar gar keine Symptome, viele Menschen erkranken jedoch auch schwer an dem Virus. Besonders Risikopatienten laufen Gefahr einen schweren Verlauf der Krankheit zu durchleben, einige von ihnen müssen dann sogar im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden. Vor einer Überlastung des Gesundheitssystems warnen Experten bereits von Beginn an, doch nun wirft die Situation auf den Intensivstationen Fragen auf.

Corona in Deutschland: Intensivbetten schrumpfen - weniger freie Plätze als noch 2020

Wie Bild nun nämlich unter Berufung auf die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung der Intensiv- und Notfall-Mediziner (DIVI) berichtet, standen Patienten in Deutschland noch im Sommer 2020 rund 32.000 Intensivbetten zur Verfügung, nun sollen es nur noch 23.000 freie Betten sein. Wie das Portal unter Berufung auf die DIVI weiter berichtet, sollen rund 4.700 Corona-Patienten aktuell auf den Intensivstationen in Deutschland liegen.

Doch wieso stehen nun weniger Intensivbetten zur Verfügung als noch im vergangenen Sommer? Genau dieses Phänomen erklärte Nina Meckel, Sprecherin des Intensiv-Registers, gegenüber dem Blatt. Demnach sei ein verschärfter Pflege-Schlüssel Schuld an den sinkenden Intensivplätzen. Seit dem 1. Januar 2021 dürfe jeder Pfleger tagsüber nur noch für zwei und nachts für drei Betten verantwortlich sein. Zuvor hätten Pfleger 2,5 bzw 3,5 Betten betreuen dürfen. In der ersten Corona-Welle sei dieser Pflege-Schlüssel zunächst außer Kraft gesetzt worden, ab dem 1. August sei dieser zunächst wieder eingeführt worden. Am 1. Januar 2021 sei er dann sogar verschärft worden, so Meckel weiter.

Corona in Deutschland: Fehlendes Pflegepersonal sorgt für gesperrte Betten in Kliniken

Genau dieser verschärfte Pflege-Schlüssel sperrt nun eigentlich funktionstüchtige Intensivbetten. Denn: gibt es kein Pflegepersonal, das die vorhandenen Betten betreuen kann, müssen die Betten gesperrt werden. Zu der eh schon aktuellen Personalnot würde noch hinzukommen, erklärt die Sprecherin des Intensiv-Registers weiter, dass sich auch Pflegepersonal infiziere oder ganz gewöhnlich krankheitsbedingt ausfalle. Für jede Pflegekraft, die ausfällt, müssen Kliniken die ihm zugeteilten Betten-Anzahl dann streichen, erklärt die Sprecherin gegenüber Bild weiter.

„Viele Kräfte halten durch, weil sie sehen, dass sie derzeit besonders gebraucht werden. Wir sehen aber auch, dass Pflegekräfte aus dem Beruf aussteigen, weil die Belastung nach einem Jahr Ausnahmezustand zu hoch wird“, zitiert Bild Nina Meckel weiter.

Die aktuellen Corona-Zahlen in Deutschland versprechen zunächst eine Enspannung der Lage, doch ein Blick auf eine RKI-Prognose verdeutlicht: es könnte sich auch um die Ruhe vor dem Sturm handeln. Handelt endlich!“ fordern Intensivmediziner. Die RKI-Zahlen sind trügerisch - Intensivmediziner geht von Inzidenz deutlich über 150 aus.

Joko und Klaas dokumentierten die Schicht einer Pflegekraft aus Münster. Das Echo ist gewaltig. Auch Jens Spahn äußerte sich in einer Pressekonferenz.

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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