Intensivmediziner schlagen Alarm: Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen nimmt kontinuierlich zu.
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Intensivmediziner schlagen Alarm: Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen nimmt kontinuierlich zu.

Dramatische Lage

„Es brennt, jeder Tag zählt“ - Intensivmediziner fassungslos über Corona-Gipfel-Absage

  • Martina Lippl
    vonMartina Lippl
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Die dritte Corona-Welle setzt Kliniken unter Druck. Etwa 4500 Covid-19-Patienten müssen auf der Intensivstation behandelt werden. Intensivmediziner sind über die Corona-Lage besorgt.

Update vom 8. April, 10.45 Uhr: „Es brennt“, betont DIVI-Chef Gernot Marx. Portugal und Griechenland hätten gezeigt, dass ein harter Lockdown einen positiven Effekt habe. Ob die Corona-Mutation B.1.1.7 sich schon auf den Intensivstationen zeigen würde, lasse sich noch nicht wissenschaftlich valide sagen. Es gebe jüngere Patienten an verschiedenen Standorten mit schweren Verläufen und langen Liegezeiten.

„Es ist eine sehr enttäuschende Situation, dass die Ministerpräsidentenkonferenz abgesagt wurde“, sagt Marx. „Wir brauchen Entscheidungen. Wir brauchen einen harten Lockdown, mindestens zwei bis drei Wochen.“

„Die Maßnahmen, die heute getroffen werden, sehen wir erst in 10-12 bis 14 Tagen“, hatten Marx zuvor nochmals ausdrücklich betont.

Update vom 8. April, 10.38 Uhr: Die Belastung der Pflegekräfte auf den Stationen ist enorm, teilt Prof. Dr. med. Uwe Janssens, Past Präsident der DIVI. Nur ein harter Lockdown könnte eine weitere dramatische Belastung psychisch und physisch der Pflegekräfte verhindern. In der Intensivmedizin fehlen Kräfte. 9000 Mitarbeiter:innen haben in der Pandemie gekündigt. Und angesichts der Infektionszahlen von heute sind in 14 Tagen 350 bis zu 750 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zu erwarten.

Update vom 8. April, 10.14 Uhr: „Einige Krankenhäuser können keine Notfälle mehr aufnehmen“, erklärt Prof. Dr. med. Christian Karagiannidis, Leiter des DIVI-Intensivregisters. Dabei gehe es um Herzinfarkte oder schwere Verkehrsunfälle. In Bremen stehen, laut Karagiannidis, kaum mehr Betten für Covid-Patienten zur Verfügung. In Thüringen wäre nur noch ein Bett frei.

Pflegekräfte und auch Ärzte fehlen. Das bringt die Krankenhäuser in eine schwierige Lage. Die Kapazitäten sind bald erschöpft. Der Intensivmediziner stellt klar, dass kein Krankenhaus Intensivbetten abgebaut hätte. „Pflegepersonal bestimmt wie viel Intensivbetten wir betreiben können.“

Update vom 8. April, 10.09 Uhr: „Jeder Tag zählt“, betont Prof. Dr. med. Gernot Marx, Präsident der DIVI. „Wir fordern einen harten Lockdown und ein bundeseinheitliches Vorgehen“. Es gäbe keine Zeit für Lockerungen. Die Zahlen sind extrem gestiegen. Deutschland steuert auf 5000 Patienten zu.

Update vom 8. April, 10.04 Uhr: Mit Blick auf die Zahlen hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) kurzfristig zu einer virtuellen Pressekonferenz eingeladen.

Intensivmediziner fordern: Wir brauchen einen harten Lockdown - Immer mehr Corona-Patienten auf den Stationen

Berlin - Die Betten auf den Intensivstationen sind voll. Inzwischen liegen 4.468 Corona-Patienten auf einer Intensivstation in Deutschland. 2531 davon müssen künstlich beatmet werden. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervor (Stand: 8. April, 9.48 Uhr). Noch gibt es freie Betten, doch um Covid-19-Patienten zu versorgen ist versiertes medizinisches Personal nötig. Pflegekräfte arbeiten seit der Pandemie am Anschlag.

Intensivmediziner fordern harten Lockdown

Seit Wochen fordern Intensivmediziner einen harten Lockdown, um das Schlimmste abzuwenden. Anfang Januar 2021 hatte die Zahl der Covid-Intensivpatienten mit mehr als 5.500 Fälle einen Höhepunkt in Deutschland erreicht. Mit dem Abflauen der zweiten Corona-Welle im März waren es dann weniger als 3.000 Patienten. Der aktuelle Stand von 4.468 Corona-Patienten deutet auf eine angespannte Situation hin.

Aus aktuellem Anlass lädt die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) zu einer virtuellen Pressekonferenz ein. Seit Ostern stochert Deutschland bei den Corona-Fallzahlen im Nebel. Das Robert-Koch-Institut (RKI) spricht von weniger Tests. Die Zahl der Patienten auf der Intensivstation liegt dagegen vor. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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