„Wir gehen fest davon aus“

Corona: Deutsche Intensivstationen füllen sich binnen kürzester Zeit - Mediziner macht „dramatische“ Prognose

  • Patrick Mayer
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In Deutschland liegen mehr als 4.000 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Es könnten in der Coronavirus-Pandemie bald noch deutlich mehr sein.

Update vom 5. April, 21.50 Uhr: Deutschland befindet sich tief in der dritten Corona-Welle. Darin sind sich Mediziner, andere Wissenschaftler und die Politik unisono einig. Die schwer arbeitenden Ärzte und Pflegekräfte auf den Intensivstationen haben die Wucht der steigenden Coronavirus-Infektionen einmal mehr besonders erfahren. Und sie müssen sich auf noch viel mehr Schwerstarbeit im Kampf gegen Covid-19 einstellen, geht es nach einem Vertreter ihres Berufsstandes.

Am Ostersonntag (4. April) lagen erstmals seit Februar wieder mehr als 4000 Corona-Patienten mit schweren Verläufen auf den deutschen Intensivstationen. Laut Gernot Marx dürften es bald noch deutlich mehr sein.

„Die nächsten zwölf bis vierzehn Tage gehen wir fest davon aus, dass sich die Steigungsraten der letzten Wochen fortsetzen. Das heißt, dass wir 5000 Patienten oder mehr mit Covid-19 zu versorgen haben. Die Lage ist also wirklich sehr dramatisch, muss man sagen“, erklärte der Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bei einem gemeinsamen Medientermin mit Armin Laschet (CDU) in einem Impfzentrum in Aachen, bei dem sich der NRW-Ministerpräsident für einen Brücken-Lockdown* aussprach, um die Zahl der Corona-Neuinfektionen zu drücken.

Coronavirus-Pandemie in Deutschland: Corona-Patienten auf Intensivstationen - aktuelle Zahlen

Covid-19-Lage auf deutschen Intensivstationen
Corona-Patienten auf Intensivstationen:4143
Corona-Patienten invasiv beatmet:2317
Prozentualer Anteil invasiv beatmeter Patienten:55,93 %
Intensivbetten für Corona-Patienten frei:1459

Quelle: Intensivregister von DIVI und RKI, Stand 5. April, 21.19 Uhr

Wie das „heute journal“ des ZDF am Abend berichtete, stieg die Zahl der Corona-Patienten auf deutschen Intensivstationen in nur zwei Wochen sogar um ein Drittel. Die bangen Blicke gehen somit in Richtung Krankenhäuser - wo Ärzte und Pflegekräfte weiter an vorderster Linie stehen.

Corona-Patienten auf der Intensivstation: Zahl der schweren Covid-19-Verläufe nimmt sprunghaft zu

Erstmeldung vom 5. April: München/Berlin - Es ist eine Entwicklung vor der Intensivmediziner seit Wochen warnen. Die Zahl der Corona*-Patienten auf den Intensivstationen nimmt stetig zu.

Am Ostersonntag mussten 4051 Menschen mit Covid-19 intensivmedizinisch in einer Klinik behandelt werden. Das sind 133 Patienten mehr als am Vortag. Am Ostermontag sind es 4.107 (plus 56 zum Vortag), wie aus den Daten des DIVI-Intensivregisters hervorgeht (Stand: 5. April, 9.24 Uhr). Mehr als die Hälfte - rund 55 Prozent - muss künstlich beatmet werden. Hier finden Sie unseren News-Ticker zum Thema Corona in Deutschland.

Anfang Januar 2021 hatte die Zahl der Covid-Intensivpatienten mit mehr als 5.500 Fälle einen Höhepunkt in Deutschland erreicht. Mit dem Abflauen der zweiten Corona-Welle im März waren es dann weniger als 3.000 Patienten.

Corona-Patienten auf der Intensivstation: Höchster Stand seit Anfang Februar

Mit der steigenden Zahl an Neuinfektionen in der dritten Welle geht auch die Zahl der Intensivpatienten wieder nach oben. Intensivmediziner berichten jedoch, dass sich die Zeit zwischen Infektion und der Einweisung ins Krankenhaus zusehends verkürzt. Corona-Patienten mit schweren Verläufen werden früher in die Klinik eingewiesen.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat ein Prognose-Modell für die Intensivbettenauslastung entwickelt. Die Simulation verläuft momentan sehr genau nach der vorausgesagten Kurve.

Keiner will und wollte es hören - die Intensivmediziner fordern seit Wochen Gebetsmühlenartig einen harten Lockdown. Schon Anfang März sprachen sie sich gegen Lockerungen aus. „Sonst wird die 3. Welle nur sehr schwer oder überhaupt nicht beherrschbar sein“, mahnte DIVI-Chef Prof. Dr. med. Gernot Marx bei einer Videoschalte damals. Mit unterschiedlichen Szenarien aus dem DIVI- Prognose-Modell* versuchen die Experten ihre Forderungen zu untermauern. Das Impfen würde der Infektionswelle nach laufen, befürchteten die Mediziner.

Intensivmediziner schlagen erneut Alarm

Bei Inzidenzen um die 200 prognostizierten die Notfallmediziner für Anfang Mai rund 5.000 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen. Das wären fast so viele wie auf dem Höhepunkt der zweiten Welle Anfang Januar und das könnte viele Kliniken erneut schwer belasten. Nun liegen schon Anfang April mehr als 4.000 Menschen mit Covid-19 auf einer Intensivstation. Wenn sich dieser negative Trend fortsetzt, „sind wir in weniger als vier Wochen an der regulären Kapazitätsgrenze angelangt“, sagte Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters, kürzlich der Rheinischen Post.

Auch die Sorge vor den Corona-Mutationen wächst. Vor Ostern hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) einen Bericht zu den Virusvarianten* veröffentlicht. Nach den Feiertagen sehen die Prognosen düster aus.

Das Robert-Koch-Institut* (RKI) verzeichnete Ostermontag eine 7-Tage-Inzidenz* von 128 (Vortag: 127) Am Freitag lag der Wert noch bei 134,0. Allerdings sind die Corona-Zahlen des RKI über die Ostertage kein verlässlicher Gradmesser für das Infektionsgeschehen - unter anderem, weil weniger getestet und weniger gemeldet wird. Die vom RKI registrierten Fälle fallen dadurch also tendenziell niedriger aus. (ml) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

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