Zwei Krankenschwestern mit Mundschutz wachen über einen Patienten im Bett.
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Die Situation in den Krankenhäusern wird sich laut dem DIVI-Leiter deutlich verschlechtern.

„Ich sehe da ganz schön schwarz“

Überfüllte Intensivstationen, ausgebranntes Personal: DIVI-Leiter prognostiziert verheerende Corona-Folgen

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Christian Karagiannidis, Leiter des Registers der Intensivstationen, befürchtet Ausnahmezustände in deutschen Kliniken - vor allem nach der Pandemie. „Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen“

Berlin - Über die Auslastung der Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern informiert täglich die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Der Leiter, Christian Karagiannidis (47), macht sich große Sorgen um das medizinische Personal in den Krankenhäusern. Erst recht nach der Corona-Pandemie.

Wie er dem Spiegel gegenüber sagte, sei vielen Entscheidungsträgern die kritische Situation und Belastung in den Hospitälern nicht ganz bewusst: „Es lässt mich verzweifeln, dass die Leute nicht verstehen, was diese dritte Corona-Welle für die Krankenhäuser bedeutet“ so Karagiannidis. Trotz der kurzen Verschnaufpause im vergangenen Sommer würde das Klinikpersonal mehr und mehr an seine Grenzen stoßen - physisch wie psychisch.

DIVI-Leiter schlägt Alarm bei Krankenhaus-Personal: „Ich sehe da mittlerweile ganz schön schwarz“

Daher sei es laut ihm nur eine Frage der Zeit bis die Mitarbeiter komplett am Ende mit ihren Kräften seien: „Es macht einfach einen Unterschied, ob in der ersten Welle 3.000 Covid-Patienten auf den Intensivstationen liegen und das Personal hoch motiviert ist. Oder ob jetzt 5.000 Covid-Patienten – die ja zusätzlich zu allen anderen Patienten kommen – auf den Stationen liegen und das Personal inzwischen ausgebrannt ist“.

Diese Überlastung sei auch langfristig nach der Coronavirus-Pandemie gefährlich, da immer mehr Klinik-Mitarbeiter aus Eigenschutz kündigen werden. Dass damit auch das Problem des fehlenden Krankenhauspersonal-Nachwuchses einhergehe sei verheerend. So ginge laut ihm „eine ganze Generation“ an Mitarbeitern verloren. Aufgrund des „galoppierenden Personalmangels“ befürchtet er, dass demnächst dutzende Kliniken um ihre Existenz bangen müssten. „Ich sehe da mittlerweile ganz schön schwarz“, so Karagiannidis.

Wissenschaftler hält harten Lockdown für mindestens zwei Wochen für unausweichlich

Zum Gegensteuern sei laut dem DIVI-Leiter ein mindestens zwei Wochen langer, harter Lockdown unausweichlich. „Es muss jetzt passieren“, so Karagiannidis auf Twitter. Dort fragte er in einem Handlungsappell an die Regierung ebenso, wie hoch die Zahlen denn noch steigen sollten, bis die Entscheidungsträger etwas unternehmen. „Wir verpassen jede Ausfahrt zur Senkung der Zahlen“ schrieb er.

Trotz großer Disziplin der Deutschen was die Maßnahmen, wie etwa das Tragen von FFP2-Masken, gegen das Coronavirus betreffe, sei die Bevölkerung von der britischen Virusmutante „ausgetrickst“ worden. Nun, wo Jugendliche und Kinder zusätzliche Infektionsherde bilden, seien Regionale Sondermodelle zwar an sich sinnvoll, „allerdings nicht zum jetzigen Zeitpunkt“. Die Ansteckungszahlen in Deutschland seien dafür einfach zu hoch. Momentan brauche es bundesweite, einheitliche Regeln.

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