Trotz Booster-Impfungen

Vierte Welle schien besiegt - Corona-Vorbild Israel hat mit steigenden Fallzahlen zu kämpfen

  • Tom Offinger
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Israel galt bis vor kurzer Zeit noch als Corona-Vorbild für Deutschland. Die vierte Welle galt als besiegt. Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden.

Tel Aviv/München - Die Augen der Welt haften während der Corona-Pandemie weiterhin an Israel. Dank einer zweiteiligen Strategie aus umfassender Impfkampagne und flächendeckenden Tests konnte das Land am östlichen Mittelmeer die vierte Welle erfolgreich in die Schranken weisen. Die Infektionszahlen sanken rapide ab, pro Tag wurden vor wenigen Wochen nur noch 400 Fälle gemeldet. Doch nun scheint die erfolgreiche Strategie nicht mehr zu fruchten, die Fallzahlen und der R-Wert steigen wieder langsam an.

Israel: Vorbild im Kampf gegen Corona? Infektionszahlen steigen wieder

Salman Sarka ist als nationaler Corona-Beauftragter Israels das Gesicht der erfolgreichen Kampagne, doch auch ihn beunruhigen die steigenden Zahlen. „Zu früh und zu schnell“ kämen die Neu-Infektionen, heißt es im nationalen Rundfunk. Im September hatte Israel sich mit mehr als 11.000 neuen Fällen pro Tag auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie befunden. Mithilfe von frühzeitigen und vor allem umfangreichen Booster-Impfungen gelang es, die Infektionszahlen wieder auf durchschnittlich 400 am Tag zu drücken. Die vierte Corona-Welle galt als überwunden, eine fünfte - wie sie jüngst auch von RKI-Chef Wieler für Deutschland prophezeit wurde - scheint sich bereits anzukündigen.

Zuletzt verzeichnete das Gesundheitsministerium wieder einen leichten Anstieg der Fallzahlen und des R-Werts, der das
Infektionsgeschehen widerspiegelt. Experten erklären dies dem Bericht zufolge unter anderem mit der sinkenden Immunität von mehr als einer Million Israelis, die ihre zweite Impfdosis vor mehr als sechs Monaten erhielten. Ein ähnliches Szenario hatte Sarka erst vor wenigen Tagen dem Spiegel geschildert, man habe gemerkt, dass die Wirkung der ursprünglichen Impfungen nachgelassen habe. „Ich weiß auch nicht, ob es die letzte Impfung sein wird. Vielleicht braucht man einen Booster, vielleicht zwei. Vielleicht auch drei oder vier“, gab Zarka damals zu bedenken.

Corona-Impfungen: Israel impft nun auch seine Kinder

Als erstes Land weltweit hatte Israel Ende Juli eine Booster-Kampagne mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer gestartet. Schon fünf Monate nach der zweiten Impfung können Israelis eine Booster-Impfung bekommen. In dieser Woche begann zudem die Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren. Von 9,4 Millionen israelischen Bürgern sind rund 43 Prozent inzwischen dreifach geimpft. Fast zwei Drittel bekamen zumindest zwei Spritzen.

Ähnlich wie in Italien wird in Israel auch ein sogenannter „Grüner Pass“ verwendet. Dieses Impfzertifikat muss an belebten Orten vorgezeigt werden, bei einem negativen Test wird ungeimpften Menschen ein temporärer Ausweis ausgestellt. „Bei einigen Massenveranstaltungen haben wir entschieden, Ungeimpfte nicht hineinzulassen. Und die Menschen müssen wieder eine Maske tragen und Abstand voneinander halten“, berichtete Sarka dem Spiegel. (afp/to)

Rubriklistenbild: © Oded Balilty

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