Vierte Welle trifft das Land

Neuer Corona-Lockdown? Israel droht trotz hoher Impfquote der Rückfall in düstere Zeiten

  • Kai Hartwig
    VonKai Hartwig
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Nach Monaten der Entspannung und der Rückkehr zum „normalen“ Lebensalltag kämpft Israel derzeit gegen die vierte Corona-Welle. Die Folgen könnten drastisch sein.

Jerusalem – Für viele war Israel lange Zeit ein Vorbild bei der Bekämpfung des Coronavirus. Mit einer schnellen Impfkampagne sowie der daraus resultierenden hohen Impfquote schien das Land Corona im Griff zu haben.

Bald fielen in Israel die Corona-Maßnahmen nach und nach weg. Das öffentliche Leben kehrte vor knapp vier Monaten zur Normalität zurück, ebenso der Arbeitsalltag. Die Menschen konnten wieder unbeschwert in Restaurant gehen oder Partys und Familienfeste feiern.

Corona in Israel: Zahlen steigen bedrohlich – erneuter Lockdown nicht mehr ausgeschlossen

Inzwischen droht jedoch der Rückfall in überstanden geglaubte Zeiten. Die vierte Welle ist da. Selbst ein neuer Lockdown gilt als möglich. Israels Premierminister Naftali Bennett musste einige Corona-Beschränkungen wieder einführen, darunter die Maskenpflicht bei Großveranstaltungen. Gesundheitsminister Nachman Ash sprach bereits im Juli mehrfach davon, dass ein weiterer Lockdown nicht auszuschließen sei.

Premier Bennett ließ über einen Sprecher zwar verkünden, dass er einen erneuten Lockdown „nicht auf der Agenda“ stehen habe. Doch die aktuellen Corona-Zahlen sind alarmierend hoch. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am 14. August bei 417,9 (Quelle: Our World in Data). Zum Vergleich: Am 10. Juni hatte Israel den Wert noch auf 0,8 herunterbringen können.

Zudem erklärte die Regierung, dass sich derzeit auch bei der Zahl der Krankenhauseinlieferungen von Corona-Patienten bedrohliches tut. Diese verdoppele sich alle zehn Tage, dem israelischen Gesundheitssystem droht der Kollaps.

Corona: Israel will vierte Welle mit auffrischenden Drittimpfungen gegen das Virus stoppen

Mit einer Drittimpfung versucht der Staat im Nahen Osten nun, den Corona-Negativtrend zu stoppen. Alle Menschen über 60 Jahre, die bereits vollständigen Impfschutz haben, will Israel zu einer dritten Impfung bewegen. Insgesamt haben etwa 60 Prozent der 9,4 Millionen Israelis zwei Impfungen erhalten. Der Großteil bekam den Biontech-Impfstoff verabreicht. Wie auch hierzulande kämpft man in Israel allerdings gegen eine zunehmende Impfmüdigkeit an.

Laut Erkenntnissen des israelischen Gesundheitsministeriums lässt die Wirkung des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer mit der Zeit nach. Die Wirksamkeit soll innerhalb von einigen Monaten von ursprünglich über 90 Prozent auf etwa 40 Prozent sinken.

Um dem entgegenzutreten, wurden bereits bei mehr als einer halben Million Menschen die Corona-Impfung aufgefrischt. Alle betroffenen Personen sind entweder über 60 Jahre alt oder leiden an einem geschwächten Immunsystem. Weltweit wird genau beobachtet werden, ob die Drittimpfungen im Kampf gegen Corona der Schlüssel zum Erfolg sind. Israel nimmt einmal mehr die Vorreiterrolle ein. (kh)

Rubriklistenbild: © Sebastian Scheiner/dpa

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