Viele Menschen mit Mundschutz warten in Japan an einem Zebrastreifen.
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Japan kam bislang vergleichsweise harmlos durch die Pandemie. Woran liegt das?

Ist es nur die geografische Lage?

Corona in Japan: Das Land hat die Pandemie im Griff - was wir von ihm lernen können

  • Christina Denk
    vonChristina Denk
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Japan scheint die Corona-Pandemie im Griff zu haben. Anders als in Deutschland gab es dort nie einen Lockdown. Doch was läuft in Japan anders als in europäischen Ländern?

  • In vielen Ländern steigen aktuell die Corona-Infektionszahlen - eine zweite Welle* der Corona-Pandemie*.
  • In Japan sind die Zahlen dagegen vergleichsweise gering.
  • Nicht nur die geografische Lage, sondern auch das Verhalten der Bevölkerung spielt der Politik Japans zu.

Berlin - Während die John-Hopkins-Universität am Samstag (31.10) für Deutschland 14054 Neuinfektionen verzeichnete, waren es in Japan gerade einmal 877. Der Höchstwert des Landes lag überhaupt nur bei 1762 Ende Juli, während Deutschland aktuell an der 20.000er Marke schrammt. Doch was macht das asiatische Land anders als wir in Deutschland?

Corona in Japan: Höhere Bevölkerung und mehr Risikopatienten - Japan steht schlechter dar

Obwohl Japan mit 126,5 Millionen Einwohnern mehr als 40 Millionen Mitbürger mehr hat als Deutschland, scheint das Land deutlich weniger Probleme mit der Pandemie zu haben. Rein bevölkerungstechnisch lässt sich dies nicht erklären, denn in Japan leben im Durchschnitt 347 Menschen auf einem Quadratkilometer - mehr als in Deutschland (hier: etwa 233). Auch ist der Anteil der über 65-Jährigen, also der Risikopatienten, etwas höher und liegt bei 28 Prozent (Deutschland: 21,7%).

In den Todeszahlen spiegelt sich diese Altersstruktur jedoch genauso wenig wider, wie die Einwohnerzahl in der Infektionsrate. Eher umgekehrt. In Japan starben seit Beginn der Pandemie 1.775 Menschen am Coronavirus*, in Deutschland waren es bis Anfang November 10.507.

Corona in Japan: Klima und geografische Lage beeinflussen Infektionsgeschehen positiv

Doch was beeinflusst die Unterschiede im Infektionsgeschehen? Zum einen spielt die geografische Lage Japans der Regierung in die Karten. Eine Insel lässt sich leicht abschirmen, denn potenzielle Infektionen gelangen lediglich auf dem See- oder Luftweg in das Land. Ein dauerhafter Verkehr zwischen den Nachbarländern, wie wir ihn in Deutschland erleben, gibt es in Japan nicht.

Auch das Klima könnte Japan helfen. Die Lage mitten im Ozean lässt die Temperaturen auch im Winter kaum unter zwei Grad fallen und im Mittel etwa bei sechs Grad liegen. In Berlin fallen die Temperaturen in der kalten Jahreszeit dagegen laut wetter.de auf ein mittleres Temperaturminimum von minus drei Grad. Auch die Sonnenstunden liegen in Japan im Durchschnitt höher. Lüften und ein Alltag im Freien? - In Japan also einfacher.

Corona in Japan: Verhalten der Bevölkerung - Maske tragen ist eine Tugend

Doch es darf nicht den Anschein erwecken, Japan hätte lediglich Glück mit seiner geografischen Lage. Auch die Bevölkerung hat wohl maßgeblich zur Eindämmung der Pandemie* beigetragen. Eine Maske zu tragen war bereits vor der Pandemie in Japan üblich. Mittlerweile gibt es sie sogar „to go“ im Getränkeautomaten zu kaufen, wie das ZDF berichtet. Von Verschwörungstheorien über Masken keine Spur.

Und auch in anderen Bereichen scheinen sich die Japaner ohne große Proteste an die Regeln zu halten. Abstand, Kontakte einschränken, Menschenmassen meiden. Was in Deutschland zumindest unter einigen lautstarken Minderheiten als obrigkeitshörig angesehen wird, gilt in Japan wohl als Tugend. Und so reichen für die Japaner offenbar Empfehlungen statt Einschränkungen, um die Pandemie im Griff zu halten.

So heißt es auf der Seite des auswärtigen Amtes: „Einschränkungen des öffentlichen Lebens haben die Form eines dringenden Appells, der zwar nicht rechtlich bindend ist, aber von weitgehender Befolgung durch die Bevölkerung ausgeht.“ Bereits im Frühjahr war Japan ohne einen Lockdown durch die Krise gekommen. Der Notstand wurde im Mai landesweit aufgehoben, berichtete das RND. (chd) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerkes.

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