Nach Kritik am Vakzin

Corona: Lauterbach sagt geplante Astrazeneca-Impfung ab - Gesundheitsexperte in Gefahr?

Nach der anhaltenden Kritik am Impfstoff des Herstellers Astrazeneca wollte sich Gesundheitsexperte Karl Lauterbach impfen lassen. Doch nun muss der Dienst im Impfzentrum abgesagt werden.

Update vom 19. Februar 2020: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat seinen geplanten Dienst in einem Leverkusener Impfzentrum abgesagt. „Leider hat es schon im Vorfeld so viele angekündigte Proteste gegen das Leverkusener Impfzentrum gegeben, dass ich den Start erst einmal absagen muss. Polizei und Sicherheitsbehörden sahen Gefährdung“, twitterte Lauterbach am Freitag. Der Politiker hatte vorher angekündigt, sich „wie alle Mitglieder des Impfzentrums“ auch selbst mit dem Vakzin von Astrazeneca impfen zu lassen.

„Da ich weder die großartigen KollegInnen noch den Betrieb des Zentrums gefährden will, nehme ich mich zurück. Es ist allerdings schade, wie stark der Einfluss radikaler Minderheiten auf unser Handeln jetzt wächst“, schrieb Lauterbach am Freitag bei Twitter.

Corona-Impfstoff: Lauterbach lässt sich Astrazeneca spritzen - und erklärt mögliche neue Impf-Strategie

Ursprungsmeldung vom 18. Februar 2020: Berlin - Während in Sachsen aktuell rund 2.500 Impf-Termine noch unbesetzt sind, warten viele tausende Bürger noch auf ein Impf-Angebot. Doch obwohl die Impf-Bereitschaft in Deutschland in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist, sorgt vor allem der Impfstoff des Herstellers Astrazeneca für Schlagzeilen. Nachdem sich auffällig viele Klinik-Mitarbeiter nach einer Impfung mit dem Vakzin krank gemeldet hatten, stoppten zwei Kliniken in Deutschland vorübergehend die Impfung des Wirkstoffs. Doch nun will SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) mit gutem Beispiel vorangehen.

Corona: Astrazeneca-Impfstoff in der Kritik - Karl Lauterbach positioniert sich eindeutig

Der Mediziner wird in der kommenden Woche als Impfarzt in einem Leverkusener Impfzentrum arbeiten, dabei soll Lauterbach dann auch selbst mit dem Impfstoff versorgt werden. „Ich werde mich dort, wie alle Mitglieder des Impfzentrums, natürlich mit Astrazeneca impfen lassen“, sagte der Mediziner und Bundestagsabgeordnete dem „Tagesspiegel“. Der Gesundheitsexperte wolle damit auch ein klares „Bekenntnis zu Astrazeneca abgeben, das ist ein sicherer und guter Impfstoff“.

Die Empfehlung der Ständigen Impfkommission, diesen Impfstoff nur für unter 65-Jährige einzusetzen, „hat offenkundig dem Impfstoff geschadet, viele sehen ihn unberechtigterweise als Impfstoff zweiter Klasse“, kritisierte Lauterbach. Dabei sei es wichtig, die Impfreihenfolge einzuhalten. Es sei nicht ratsam, die Impfdosen nur Freiwilligen zu spritzen. „Das würde bedeuten, dass die größten Risikogruppen, also auch Ärzte und Pfleger unter 65 Jahren, länger gefährdet sind“, so der Gesundheitsexperte weiter.

Corona-Impfungen laufen schleppend an - Doch Gesundheitsexperte wagt ungewöhnlichen Vorschlag

Karl Lauterbach geht in dem Interview sogar noch weiter, sein Vorschlag könnte nach eigenen Angaben möglicherweise tausende Menschenleben retten. „Ab dem 14. Tag nach der ersten Dosis von Biontech/Pfizer und Moderna liegt der Schutz bei rund 92 Prozent. Dass der Schutz in den Wochen danach absinkt, ist extrem unwahrscheinlich. Daher könnte man überlegen, die zweite Dosis erst nach sechs oder zwölf Wochen zu setzen.“ Durch die Verzögerung der zweiten Impfdosis könnten somit mehr Menschen die wichtige erste Dosis geimpft bekommen. Das Vektor-basierte Astrazeneca-Mittel ist in der EU ein wichtiger Baustein in der Impfstrategie, da es vergleichsweise günstig ist und weniger hohe Anforderungen an Transport und Lagerung stellt als die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. Für den Weg hin zu Impfungen in Arztpraxen ist das entscheidend.

Rubriklistenbild: ©  Bernd von Jutrczenka/dpa

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