Kind mit ärmelloser Schulter, Artzhandschuh mit Spritze
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Kinder gegen das Coronavirus impfen: Hamburger Ärztekammer warnt vor Eile

Wissenschaftliche Abwägung gefordert

Kinder gegen Corona impfen: Hamburger Ärztekammer warnt vor Eile

  • Kathrin Reikowski
    VonKathrin Reikowski
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Kinder ab zwölf Jahren können möglicherweise bald gegen das Coronavirus geimpft werden. Der Präsident der Hamburger Ärztekammer fordert eine wissenschaftliche Abwägung.

Hamburg - Wer sich schon mit der Entscheidung über die eigene Impfung schwer tut, tut sich mit der Impfung für die Kinder sicherlich nicht leichter. Rückenwind für die Lieber-Abwarten-Fraktion unter den Eltern gibt es jetzt vom Hamburger Ärztekammerpräsidenten Pedram Emami. Der will sich auf keinen Fall als Impfskeptiker verstanden wissen und hält auch nichts davon, die Gefahr des Coronavirus zu leugnen. Dennoch warnt er vor Eile.

Es ist keine einfache Entscheidung, vor die Eltern in den kommenden Monaten gestellt werden: Die Kinder gegen Corona* impfen lassen - und ihnen damit nach dem langen Lockdown* endlich wieder ein unbeschwerteres Leben ermöglichen? Sie gegen eine potentiell gefährlich Krankheit schützen? Oder lieber abwarten - weil auch eine Impfung Risiken bergen könnte?

Coronavirus: Kinder-Impfung sollte wissenschaftlich abgewogen werden

„Ist die Gefahr schwerer Krankheitsverläufe in dieser Altersgruppe tatsächlich so hoch, dass der breite Schutz durch die Impfung für alle zwingend erforderlich ist?“ So lautet eine der Fragen, die der Präsident der Hamburger Ärztekammer, Pedram Emami, diskutiert haben möchte. Gegenüber dem NDR sagte er, dass Nutzen und Risiken auf wissenschaftlicher Basis sehr genau abgewogen werden müssten.

Dazu gehöre auch, zu untersuchen, ob das Impfen von Kindern und Jugendlichen aus epidemiologischer Sicht erforderlich ist - etwa, um die Ausbreitung der Krankheit in anderen Altersgruppen zu unterbinden. Oder eben nicht.

Kinder gegen Corona impfen: Die USA und Kanada impfen bereits, Spahn hofft auf Impfung ab Sommer

In den USA können seit dieser Woche Kinder ab zwölf Jahren gegen das Coronavirus geimpft werden, in Kanada schon länger. Auch, weil man hofft, damit möglichst große Teile der Bevölkerung zu immunisieren. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hofft darauf, dass ab Sommer auch in Deutschland Impfangebote* für Kinder ab zwölf gemacht werden können - sobald die Zulassung da ist. Die Entscheidung dafür sei freiwillig, betonte er jüngst.

Aktuell wird der Biontech-Impfstoff* von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA geprüft, danach müsste auch die Stiko in Deutschland zustimmen. Hier wird noch gebremst: „Wir wollen in jedem Fall die Daten zur Impfung von Kindern genau prüfen, bevor eine generelle Impfempfehlung für Kinder gegeben werden kann“, sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens. „Derzeit diskutierte Argumente wie Urlaub können nicht die primären entscheidungsrelevanten Argumente der Stiko sein“, sagte er. Wenn die Zulassung für Kinder von 12 bis 15 Jahren erteilt sei, „dann sollten tatsächlich Kinder mit schweren Vorerkrankungen zuerst geimpft werden“. (kat) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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