„Absolute Raritäten“

Wundersame Krebsheilung durch Corona? Patient hat nach Infektion kaum noch Tumore - Experten ordnen ein

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
    schließen

Ein Brite mit Blutkrebs hat nach einer Infektion mit Covid-19 fast keine Tumore mehr. Mit Blick auf die Untersuchungsergebnisse spricht ein Experte von „absoluten Raritäten“.

In seltenen Fällen kann das Coronavirus eine Hilfe bei Krebserkrankungen sein.

Cornwall - Ein Mann aus Cornwall in Großbritannien sorgt für Aufsehen: Denn ihm half das Coronavirus bei der Genesung seiner Krebserkrankung. Bei dem Briten wurde im Sommer 2020 ein Hodgkin-Lymphon gefunden. Blutkrebs. Wie Bild berichtet, infizierte sich der 61-Jährige kurz darauf mit Covid-19. Überraschenderweise waren die Tumore danach erheblich zurückgegangen.

Die zuständigen Mediziner, die den Mann behandelten, veröffentlichten das ungewöhnliche Phänomen in einem Beitrag im British Journal of Haematology. Dort berichteten sie, dass die Infektion mit dem Coronavirus bereits vor der anstehenden Chemotherapie erfolgte. Die Ärzte halten daher einen Rückgang der Tumore aufgrund des Virus für durchaus möglich.

Ärzte vermuten: Coronavirus führte zu einer Anti-Tumor-Reaktion des Immunsystems

So vermuten die Mediziner, dass Covid-19 eine Anti-Tumor-Reaktion durch das Immunsystem des Mannes ausgelöst habe. Die Annahme ist, dass wegen des Virus der Körper des Patienten vermehrt T-Zellen ausschüttete. Diese weiße Blutkörperchen zerstören vom Virusbefall betroffene Zellen. Also eigentlich für den Kampf gegen das Virus. Der positive Nebeneffekt, dass diese auch die mit dem Tumor erkrankten Zellen angriffen, ist daher ein Glücksfall.

Dass generell die Infektion mit einem Virus und die Reaktion des körpereigenen Immunsystems Krebszellen bekämpfen kann, ist in der Medizin bekannt. So sagte Prof. Michael von Bergwelt, Onkologe und Infektiologe und Leiter am LMU Klinikum der Onkologischen Klinik und der Corona-Klinik der Bild gegenüber: „Es gibt in ganz seltenen Fällen das Phänomen, dass durch eine allgemeine Infektion Krebserkrankungen schrumpfen können. Das wurde schon 1893 zum ersten Mal beschrieben – so wurde die Immuntherapie erfunden.“

Nur in Einzelfällen hilft eine Virus-Erkrankung gegen Krebs: „Absolute Raritäten“

Jedoch stellt der Mediziner auch klar, dass es sich bei Tumorrückgängen durch Infektionen um „absolute Raritäten“ handle. Er gibt ebenfalls zu bedenken, dass ein bis zwei Prozent aller Krebspatienten ganz von selbst, also ohne zutun von außen, Rückgänge der Tumore verzeichnen. Das Coronavirus ist also sicher kein Allheilmittel bei Krebserkrankungen.

Bei den Genesungen handle es sich daher um Seltenheiten. So erklärt von Bergwelt: „Es wird sicherlich Einzelfälle von Patienten geben, deren Krebs nach einer COVID-19-Infektion verschwindet. Allerdings ist sehr fraglich, ob diese Fälle bei dieser speziellen Virus-Infektion häufiger auftreten, als bei anderen Infektionen. Das müsste in Studien überprüft werden.“ 

Experte macht klar: Auf keinen Fall mit Corona infizieren, um den Krebs zu heilen

Eine Corona-Erkrankung als Heilmittel zu sehen, sei laut dem Mediziner daher ein völlig falscher Trugschluss: „Von einem Schutzeffekt kann man sicherlich nicht ausgehen! Sich mutwillig mit COVID-19 in Hoffnung auf Heilung zu infizieren, davon ist in jedem Fall abzuraten!“ Im Gegenteil, es gebe laut ihm anders herum mehr Fälle, in denen eine Virus-Infektion zu einer Krebserkrankung führte.

Rubriklistenbild: © Peter Byrne/dpa

Auch interessant

Kommentare