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Vorerst Erleichterung: Die ergatterten Vorräte sollten für zwei Wochen reichen. 

Corona-Krise

Wie Hilfsorganisationen um Schutzmaterial kämpfen

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Atemschutzmasken, Handschuhe, oder auch Desinfektionsmittel sind in der Corona-Krise schwer zu bekommen. Der Markt gleicht einem Dschungel. Hilfsorganisationen wie das Bayerische Rote Kreuz kämpfen sich durch. 

Der Chef packt selbst mit an. Leonhard Stärk, Geschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), sichert mit zwei Johannitern, deren Ladung. In den Kisten, die sie gerade in den Lkw gewuchtet haben, befindet sich Schutzmaterial. Atemmasken, Handschuhe, auch Desinfektionsmittel. Dinge, die die Helfer beim BRK, bei den Johannitern oder bei den Maltesern brauchen, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Nur sind sie gerade überall äußerst rar.

Doch in dieser Lagerhalle westlich von München stehen 50 Tonnen davon. Zivile Polizisten haben das Gebäude Tag und Nacht bewacht, bevor die Sachen heute vom BRK an die eigenen Bezirksverbände und andere Hilfsorganisationen verteilt werden. Auch jetzt behalten Beamte die Übergabe im Auge. „Geht leider nicht anders“, sagt BRK-Chef Stärk. Selbst Rettungswagen des BRK wurden zuletzt schon aufgebrochen. Denn Medizin-Artikel wie Atemschutzmasken, die vor der Krise kleine Cent-Beträge gekostet haben, sind in diesen Zeiten begehrtes Diebesgut. Die Preise gingen nach oben wie am Goldmarkt, sagte dazu gestern Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Auch für die Helfer ist die Schutzausrüstung Gold wert. „Der heutige Tag stand bei uns allen rot im Kalender“, sagt Christoph Treubel, der beim BRK den Überblick über die Materialbestände hat – ehrenamtlich. Ohne die lang ersehnte Nachschub-Lieferung wären die Bestände nämlich in wenigen Tagen aufgebraucht gewesen. Nun sollte dieses Problem zumindest für die kommenden 14 Tage gelöst sein.

Treubel sagt, wenn er vor der Krise darüber nachgedacht hat, welche Schwierigkeiten eine Pandemie mit sich bringen könnte, sei ihm vieles eingefallen. „Aber ich hätte mir niemals träumen lassen, dass alle plötzlich anfangen, Desinfektionsmittel aufzukaufen.“ Diese psychologischen Effekte in der Bevölkerung habe niemand auf dem Schirm gehabt. „Und jetzt zahlen wir für Cent-Artikel Euro-Beträge.“

Gerade hat BRK-Chef Stärk mit einem Autozulieferer telefoniert, der nun auf die Produktion von Atemschutzmasken umgestellt hat. „Für 6,90 Euro das Stück“, sagt Stärk, das Telefon noch in der Hand. Es sei toll, dass die Wirtschaft helfen wolle. Nur: „Die kosten normalerweise acht Cent.“ Er hat die Firma erst mal ans Ministerium verwiesen.

Seit Wochen arbeitet das BRK bereits daran, Nachschub zu organisieren. Die Krise hat den Markt in einen Dschungel verwandelt. „Es sind jede Menge unseriöse Anbieter unterwegs“, sagt Treubel. Menschen, die gegen 30 Prozent Vorkasse angeblich Kontakte in China spielen lassen. „Darauf gehen wir natürlich nicht ein“, sagt Treubel. Die 50 Tonnen, die heute verteilt werden können, stammen zum Teil aus dem, was der Bund besorgt hat. Zum Teil hat das BRK die Sachen über eine Tochterfirma selbst beschafft.

Der Betrag, mit dem das BRK auch dafür in Vorleistung gegangen ist, nähere sich einer zweistelligen Millionensumme, sagt Treubel. „Und wir wissen nicht, ob wir dieses Geld wiederbekommen.“ Auch für diese Lieferung werde man den anderen Organisationen keine Rechnung stellen. Gleichzeitig hat das BRK in der Krise notgedrungen alle Erste-Hilfe-Kurse abgesagt, die Tagespflegen geschlossen, Behindertenfahrdienste ausgesetzt. Sprich: Es kommt gerade kaum noch Geld rein. 

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