Auswirkungen „völlig unvorhersehbar“

Corona-Langzeitfolgen machen Forscher ratlos: „Merkwürdigste Krankheit, die ich kenne“

  • Felix Durach
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Immer mehr Experten gehen davon aus, dass Covid-19 auch eine Reihe von Langzeitfolgen mitbringen kann, die sich nach einer scheinbar überstandenen Infektion zeigen.

Berlin - Dem letzten Bericht des Robert-Koch-Instituts zufolge wurden in Deutschland seit Beginn der Pandemie knapp über 196.000 Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 registriert. Erfreulich ist dabei, dass 181.700 dieser Fälle mittlerweile als Genesene* gelten, also Covid-19 überstanden haben. Doch bedeutet genesen auch, dass die Betroffenen keine Beschwerden mehr haben? Da Sars-CoV-2 ein neuartiges Coronavirus ist, fällt es selbst Experten immer noch schwer abzusehen, welche möglichen Langzeitschäden eine Covid-19-Erkrankung auslösen kann. 

Coronavirus: Langzeitfolgen nach Covid-19-Erkrankung „völlig unvorhersehbar“

Doch je länger die Corona-Pandemie andauert, bei der Virologe Hendrik Streeck auch in Deutschland eine zweite und dritte Infektionswelle erwartet, desto mehr Einschätzungen können von Experten getroffen werden. „Die Leute denken: Entweder man stirbt, oder es geht einem wieder gut. So ist das aber nicht“, erklärte die Medizinerin Helen Salisbury gegenüber dem Spiegel. Die öffentliche Debatte sei lange Zeit von der Frage nach ausreichenden Beatmungsplätzen dominiert worden. Salisbury sorge sich inzwischen aber auch darum, dass es viele Menschen geben könnte, die dauerhaft krank bleiben.

So klagen Patienten, die eine Covid-19-Erkrankung erfolgreich überstanden haben, auch danach noch über wiederkehrende Symptome*, wie Erschöpfung, Husten oder Fieber. Eine der ersten Corona-Patientinnen Deutschlands hat bei Markus Lanz erst kürzlich über ein bisher kaum bekanntes Symptom gesprochen, das sie Monate nach ihrer Infektion erschreckt.

Die Symptome scheinen dabei ohne einen erkennbaren Grund aufzutreten und wieder zu verschwinden. „Niemand weiß, wie es mit ihnen weitergeht“, gesteht Salisbury ein. Auch der britische Professor Timothy Spector, der am Kings College in London im Rahmen einer Studie die Krankheitsverläufe von 200.000 Corona-Fällen untersucht, hält die Auswirkungen von Covid-19 für „völlig unvorhersehbar“.

Welche Langzeitfolgen hat Covid-19? Vermehrte Tests, wie hier in Spanien, und Untersuchungen sollen Auskunft geben.

Britischer Professor zieht Corona-Fazit: „Covid-19 ist die merkwürdigste Krankheit, die ich kenne“

Etwa zehn Prozent der von Spector untersuchten Fälle hätten auch noch einen Monat nach dem Krankheitsausbruch noch regelmäßig unerklärliche Symptome, wie auch von Salisbury beschrieben. Ähnlich wie die Medizinerin ist auch Spector noch auf der Suche nach der richtigen Vorgehensweise. „Ich bin ausgebildeter Rheumatologe und kenne mich mit merkwürdigen Krankheiten aus. Aber Covid-19 ist die merkwürdigste Krankheit, die ich kenne“, sagte der Professor. 

In Fachkreisen wird darüber hinaus auch diskutiert, welche Auswirkungen eine Covid-19-Erkrankung auf das Gehirn haben könnte. So traten bei manchen Patienten schwere neurologische Erkrankungen auf - sogenannte Enzephalopathien - die sich vor allem Unruhe und Verwirrtheit ausdrücken würden. Peter Berlit, der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, warnte bereits vor wenigen Woche, dass diese Einschränkungen auch über längere Zeit erhalten bleiben könnten. 

Covid-19: Ärzte sehen bei Langzeitfolgen Ähnlichkeiten zur Sars-Pandemie

Nach Informationen des Spiegels sehen Ärzte aufgrund der Krankheitsverläufe mittlerweile Ähnlichkeiten zu der Sars-Pandemie im Jahr 2003. Das damals ebenfalls neuartig aufgetretenen Coronavirus Sars-CoV löste Erschöpfungssymptome aus, die bei Betroffenen auch ein Jahr nach dem Krankheitsausbruch noch auftreten konnten. Welche Langzeitfolgen Covid-19 mit sich bringen wird und wie lange diese andauern können ist weiterhin schwer abzuschätzen. Darüber werden wohl vor allem Untersuchung von Krankheitsverläufen über einen deutlich längeren Zeitraum Auskunft geben können (fd).

In einer europäischen Region wurden in der vergangenen Woche „explosionsartige“ Anstiege bei den Neuinfektionen verzeichnet. Experten fordern harte Konsequenzen. In der Glaubensgemeinschaft der Mennoniten in Euskirchen ist das Coronavirus ausgebrochen. Doch wer sin die Mennoniten eigentlich?*

*merkur.de und fr.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Rubriklistenbild: © dpa / Marijan Murat

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