Hinweis für Corona-Regeln bei Torfhaus im Harz.
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Torfhaus: Abermals zog es viele Wintersport-Fans nach Torfhaus in den Harz - trotz strenger Corona-Regeln.

Anstürme gehen weiter

Corona: „Unerfahrene Wintersportler“ in Massen - Bergwachten berichten von dramatischen Einsätzen

  • Patrick Mayer
    vonPatrick Mayer
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In der Coronavirus-Pandemie in Deutschland strömen trotz strenger Corona-Regeln weiter viele Menschen in die Wintersport-Gebiete - schwere Unfälle und Sorgen inbegriffen.

München/Feldberg - Die Hilferufe und Bitten aus deutschen Intensivstationen und Ambulanzen verhallen beinahe ungehört. Diesen Eindruck erwecken die Bilder aus Skigebieten und von Rodelhängen im gesamten Land.

Die Deutschen haben in der Coronavirus-Pandemie offenbar das Rodeln und Schlittenfahren sowie die Ski-Touren als Breitensport für sich entdeckt. Alles andere ist wegen der Maßnahmen zur Eindämmung der Lungenkrankheit Covid-19 ja schließlich nicht mehr erlaubt.

Corona-Pandemie in Deutschland: Viele Verletzte nach Schlitten- und Bergunfällen

Doch: Für die ohnehin längst ausgelasteten Krankenhäuser und Kliniken bedeuten Schlitten-, Langlauf- und Bergunfälle weitere Schwerstarbeit. Insbesondere, da sich die Berichte von Verletzten aus den Wintersportgebieten zwischen Harz, Taunus, Schwarzwald und dem Allgäu mehren.

Nachdem der Harzer Tourismusverband dazu appelliert hatte, wegen der hohen Schneelast die verschneiten Wälder zu meiden, entspannte sich die Lage am Brocken etwas. Doch zum Beispiel nach Torfhaus auf der niedersächsischen Seite des Harzes strömten am vergangenen Wochenende wieder Hunderte Wintersport-Fans.

Berichte von Schlittenunfällen und Ski-Tour-Missgeschicken gibt es vor allem aus dem Süden der Republik. Bei Rottweil (Baden-Württemberg) am Rande des Schwarzwalds musste die Bergwacht am Wochenende dreimal zur sogenannten „Rettung aus unwegsamen Gelände“ ausrücken.

Wintersport-Unfälle im Corona-Lockdown: Frakturen bei Langläufern, Personen verlieren Bewusstsein

Ein Vater musste nach einem schweren Sturz geborgen werden, wie die Neue Rottweiler Zeitung berichtet. Da die üblichen Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr nicht zum Unfallort kamen, waren zwei Geländewagen im Einsatz.

Tiefer im Schwarzwald war die Situation nicht weniger ernst. So berichtet die Bergwacht Schwarzwald von aufwendigeren Einsätzen als in üblichen Wintern. Obwohl die Liftanlagen geschlossen seien, habe es am Wochenende viele Einsätze gegeben. Darunter fielen Schlittenunfälle und Frakturen bei Langläufern, wie die Badische Zeitung schreibt.

Mehrere Personen mussten demnach gerettet werden, weil sie wegen der Kälte das Bewusstsein verloren hätten. Insgesamt würden mehr Verletzungen und Einsätze als gewöhnlich registriert.

Coronavirus-Pandemie: Viele Einsätze für Bergwacht Schwarzwald wegen neuem Wintersport-Publikum

„Das liegt vor allem an dem veränderten Publikum, das sich nun Winter-unerfahren in den Schnee traut und zum ersten Mal Wintersport ausprobiert“, erklärte der Landesvorsitzende der Bergwacht Schwarzwald, Adrian Probst, und berichtete von angehenden Wintersportlern, die das erste Mal in ihrem Leben auf Langlauf-Ski unterwegs seien. Probst weiter: „Viele überschätzen sich selbst, eine gute Ausrüstung allein hilft nicht“, sagt Adrian Probst. „Unsere Befürchtung ist, dass wir mehr Personal brauchen werden.“

Gefahren lauern auch abseits der markierten Wege. „Ich wage mal zu behaupten, dass wir in den letzten Tagen am Feldberg-Gipfel fast die zehnfache Menge an Leuten hatten als in den Weihnachtsferien zuvor“, erzählte Feldbergranger Achim Laber der Badischen Zeitung

Rodelunfälle im Corona-Lockdown: Münchnerin muss am Schliersee ins Krankenhaus

Beispiele für schwierige Einsätze gibt es auch von andernorts: Am Spitzingsee (nahe Miesbach) in den bayerischen Voralpen musste zuletzt eine 32-jährige Münchnerin nach einem Rodelunfall von der Bergwacht Schliersee (Bayern) geborgen werden und mit einer Hüftprellung ins Krankenhaus gebracht werden. Im Allgäu wurden dagegen drei Menschen bei Rodelunfällen bei Kempten und Memmingen verletzt und mussten ebenfalls zur Behandlung in Krankenhäuser.

In jene Kliniken also, die im Kampf gegen Corona sowieso schon Schwerstarbeit zu verrichten haben. Tagestouristische Ausflüge in Wintersportgebiete - in der Covid-19-Krise und trotz Corona-Leine (15-km-Regel) in manchen Bundesländern bleiben diese ein polarisierendes Thema. (pm)

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