Coronavirus - Außengastronomie geöffnet
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In Deutschland ist im Gegensatz zu einigen Nachbar ländern nur die Außengastronomie unter Auflagen geöffnet.

Wann kehrt die Normalität zurück?

Ende des Corona-Lockdowns in Deutschland? Nachbarländer öffnen - Experten fordern Lockerungen

  • Veronika Arnold
    VonVeronika Arnold
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Die Corona-Lage in Deutschland und Europa entspannt sich mehr und mehr. Während in vielen Nachbarländern bereits geöffnet wird, lockert Deutschland nur zaghaft.

Berlin - 7-Tages-Inzidenz, Belegung der Intensivstationen, Neuinfektionen oder R-Wert: sämtliche Gradmesser für die Corona-Lage in Deutschland sind seit Tagen im Sinkflug. Ähnlich wie im Rest Europas setzt sich der erfreuliche Trend, wonach sich die Corona-Infektionslage endlich zu entspannen scheint, auch in Deutschland fort.

Corona-Krise in Deutschland: Virologe erklärt Gründe für sinkende Zahlen

Grund dafür ist unter anderem wohl die Jahreszeit mit steigenden Temperaturen. Der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erklärt den Effekt gegenüber Bild.de so: „Ein Grund dafür ist die Saisonalität des Virus: Stärkere Sonneneinstrahlung, höhere Temperaturen und Trockenheit erschweren die Ansteckung. Die Menschen gehen mehr raus, sind gesünder.“ Auch „die Impfung und die Immunitätslage in der Bevölkerung“ spielen seiner Ansicht nach eine Rolle für die sinkenden Zahlen.

Doch während zahlreiche Nachbarländer in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens wieder öffnen, beharrt Deutschland weitestgehend auf strengen Beschränkungen. Bis auf wenige Ausnahmen, etwa in einzelnen Modellregionen, sind Innenbereiche von Restaurants, Universitäten und Fitnessstudios geschlossen. Die Außengastronomie dürfen nur Geimpfte, Genesene oder negativ Geteste besuchen. In zahlreichen Schulen findet nach wie vor nur Wechselunterricht statt. Und das bei ähnlicher oder teils sogar niedrigerer Inzidenz (Stand 25. Mai 2021: 7-Tages-Inzidenz laut RKI bei 58,4).

Corona-Zahlen sinken: Nachbarländer öffnen - Deutschland bleibt bei vielen Beschränkungen

Zum Vergleich: Bei einer Inzidenz von 60 ist in der Schweiz der Präsenzunterricht an Schulen für alle Altersklassen sowie an Universitäten erlaubt. Restaurants und Bars sind im Außenbereich geöffnet. Generell gilt keine Test-Pflicht sondern nur eine Empfehlung. Privat dürfen sich bis zu zehn Menschen treffen. Veranstaltungen können mit bis zu 50 Personen stattfinden. Ebenso sind Fitnessstudios geöffnet.

Mehr Freiheiten gibt es auch In Österreich, wo die Inzidenz derzeit bei 49 liegt. Dort haben unter der sogenannten 3-G-Regel (sprich für Geimpfte, Genesene oder Getestete) und bestimmten Auflagen zahlreiche Bereiche wieder geöffnet: Hotels, Außen- wie Innengastronomie, Sportstätten und Freizeitbetriebe. Für Geschäfte oder Museen entfällt sogar die 3-G-Regel. Zusammenkünfte bis zu 10 Personen sind ohne Test erlaubt. Und Schulen sind komplett geöffnet.

Auch in Frankreich haben in der vergangenen Woche erste große Öffnungsschritte begonnen. Hier liegt die aktuelle Inzidenz (Stand 25. Mai 2021) bei 131,8 und damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Außenbereiche von Restaurants sowie Kultureinrichtungen und Geschäfte dürfen im Deutschen Nachbarland unter Auflagen wieder Besucher empfangen. Kindergärten und Schulen vieler Altersklassen sind geöffnet.

Corona-Lage in Deutschland entspannt sich: Experten fordern Lockerungen

Dagegen werden in Deutschland nur sehr zaghaft vorsichtige Lockerungen in Erwägung gezogen. Die Einschätzung von Experten geht dabei auseinander. Während SPD-Politiker und Epidemiologe Karl Lauterbach vor voreiligen Öffnungsschritten warnt, halten andere namhafte Experten Anpassungen der Maßnahmen für verantwortbar und sogar sinnvoll.

Deutscher Aerosol-Experte: „Testpflicht für die Außengastronomie ist überflüssig“

So etwa Gerhard Scheuch, einer der führenden Aerosol-Forscher in Deutschland. Im Gespräch mit bild.de fordert der Wissenschaftler Korrekturen, vor allem für Aktivitäten im Freien: „Die Testpflicht für die Außengastronomie ist überflüssig. Auch die Maskenpflicht im Freien ist in den meisten Fällen absurd, zum Beispiel im Park oder Zoo. Wen soll ich denn anstecken? Die Büsche im Park, die Tiere im Zoo?“, wird Scheuch zitiert.

Ex-WHO-Experte Stöhr: „Öffnungen in vielen Bereichen bereits sicher möglich“

Der ehemalige WHO-Experte und Epidemiologe Klaus Stöhr kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die Pandemie ist seiner Ansicht nach zwar nicht vorbei. Doch schon jetzt „ist auch die Öffnung der Innengastronomie, von Fitnessstudios und ähnlichen Einrichtungen sicher möglich: das war ja auch im letzten Jahr um diese Zeit so“, erklärt er gegenüber bild.de. Grund für seine optimistische Position ist der Stand der Impfungen. „Wenn die Ü50-Jährigen geimpft sind, werden die Todesfälle und meisten schweren Erkrankungen verhindert werden können“, sagt Stöhr.

Corona-Lockdown in Deutschland: FDP-Politiker Kubicki fordert Stellungnahme

Wolfgang Kubicki, stellvertretender FDP-Parteivorsitzender und Bundesratsvizepräsident.

Auch von Seiten der Politik gibt es Forderungen nach einem Lockdown-Ende oder zumindest Lockerungen. Wolfgang Kubicki (FDP) etwa sieht für strenge Maßnahmen in Gebieten mit einer Inzidenz unter 35 „keine rechtlichen Möglichkeiten mehr“, wie er es gegenüber bild.de formuliert. Der Bundestagsvizepräsident erwartet „von der Bundesregierung eine klare Stellungnahme, ab wann die Grundrechtseinschränkungen wieder zurückgenommen werden“. Gleichzeitig gibt es von Seiten der Union und SPD offenbar Pläne die epidemische Lage von nationaler Tragweite, sprich den Ausnahmezustand in Deutschland über den Juni hinaus zu verlängern. Das berichten verschiedene Medien, darunter Welt.de. (va)

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