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Corona-Inzidenz von 35: Forscher nennen Merkels Zielmarke derzeit „unrealistisch“ und zeigen brisantes Modell

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Beim letzten Corona-Gipfel wurde eine 7-Tage-Inzidenz von 35 als Richtwert für mögliche Lockerungen ausgegeben. Laut Forschern der TU Berlin ist das Erreichen dieses Werts derzeit unrealistisch.

Berlin - Die ansteckenderen Corona-Mutation B.1.1.7 breitet sich derzeit in Deutschland aus. Damit rückt aus Expertensicht auch die von Bund und Ländern im Hinblick auf mögliche Lockerungen ausgegebene Zielmarke von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz in weite Ferne. Am Dienstagmorgen lag der bundesweite Wert laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 60,5.

Corona in Deutschland: 7-Tage-Inzidenz von 35 „bis auf weiteres unrealistisch“

Ohne zusätzliche Maßnahmen erscheine das Erreichen des Zielwerts „bis auf weiteres unrealistisch“, erklärte Kai Nagel, Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der TU Berlin, gegenüber der dpa. Seine Gruppe modelliert das Infektionsgeschehen in Berlin unter anderem mit anonymisierten Mobilfunkdaten. Nagel zufolge sind die Ergebnisse übertragbar auf die bundesweite Lage.

Nach Daten des RKI von vergangener Woche breitet sich die vor Weihnachten zunächst in Großbritannien entdeckte Virus-Mutante B.1.1.7 auch hierzulande schnell aus. Innerhalb von zwei Wochen wuchs der Anteil in Stichproben von knapp sechs auf 22 Prozent.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) nehmen an einer Plenarsitzung des Deutschen Bundestages teil.
Der von Bund und Ländern ausgegebene Zielwert von 35 bei der 7-Tage-Inzidenz ist laut Experten derzeit „unrealistisch“. (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Corona in Deutschland: Modell der Forscher zeigt dritte Welle - Kontakte in Innenräumen vermeiden

Berücksichtige man die deutlich erhöhte Ansteckungswahrscheinlichkeit, sei die Corona-Situation laut Modell „deutlich kritischer als bisher von uns vorhergesagt“, erläuterte Nagel. „Bei reiner Beibehaltung der jetzigen Maßnahmen bekommen wir dann laut Modell eine dritte Welle; jede Art von Öffnungen vergrößert diese Welle.“ Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist eine dritte Welle der Corona-Pandemie in Deutschland nicht mehr zu vermeiden.

Nagel betonte: „Wir können dagegenhalten, indem Kontakte in Innenräumen ohne Schutzmaßnahmen generell vermieden werden.“ Zu solchen zu vermeidenden Kontakten gehörten neben Schulen auch Großraumbüros und gegenseitige Besuche. Mögliche Schutzmaßnahmen seien Masken, Corona-Schnelltests, Impfungen und eine Verlagerung von Veranstaltungen nach draußen.

In die Modelle der TU-Wissenschaftler fließen auch Kennzahlen zum Coronavirus und Aspekte wie die Temperatur und die davon abhängigen Freizeitaktivitäten ein. Zuletzt sei in den Mobilitätsdaten kein verändertes Verhalten der Menschen zu sehen gewesen, schilderte Nagel. Die einzige Ausnahme seien Wochenenden, an denen bei besserem Wetter mehr Leute unterwegs seien. Solange diese zusätzlichen Aktivitäten allerdings im Freien stattfänden, „entstehen daraus laut unseren Modellen aber keine relevanten zusätzlichen Infektionen“, so Nagel. (ph/dpa)

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