Holland öffnet: In Amsterdam genießen die Menschen einen Drink am Kanal.
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Holland öffnet: In Amsterdam genießen die Menschen einen Drink am Kanal.

Trotz hoher Inzidenz

Niederlande macht selbst Gastro auf: „Ich verstehe, dass die Deutschen neidisch sind“

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Einige Länder in Europa lockern in der dritten Corona-Welle. Italien und Österreich sind dabei. Die Niederlande läutet trotz hoher Infektionszahlen den Sommer ein.

Update vom 29. April 2021: Gastronomen in den Niederlanden konnten am Mittwoch die Korken knallen lassen. Jedenfalls ein bisschen. Gaststätten und Lokale dürfen im Außenbereich von 12 bis 18 Uhr öffnen. Trotz hoher Corona-Fallzahlen. Und die Neuinfektionen steigen im Moment. Allein in den 24 Stunden wurden 8.713 Neuinfektionen gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz lag bei 317.

„Ich verstehe, dass die Deutschen neidisch sind...“, sagt Wirt Erik Schreurs aus dem niederländischen Venlo der Bild. Vier Monate hatte er seine Gaststätte demnach geschlossen.

Die Niederlande waren seit Mitte Dezember im strengen Lockdown. Neben den Lockerungen in der Außengastronomie ist Shoppen ohne Termin wieder möglich. Zu Hause darf man zwei Besucher am Tag treffen. Museen, Kinos und Theater bleiben dicht. Schüler und Studenten sollen zumindest einmal in der Woche Präsenzunterricht. 30 Prozent sind schon geimpft.

Trotz Mega-Inzidenz: Niederlande beendet harten Corona-Lockdown und feiert - weitere EU-Staaten öffnen

Erstmeldung vom 28. April 2021

München - Während in Deutschland bis Ende Juni keinerlei Lockerungen zu erwarten sind, gibt es in mehreren europäischen Ländern bereits erste Öffnungskonzepte. So herrscht beispielsweise in den Niederlanden große Freude. Denn seit Mittwoch (28. April) dürfen laut dpa dort alle Geschäfte wieder öffnen - auch ohne Termin. Auch Außengastronomie ist wieder bis 18 Uhr erlaubt und die seit Januar geltende nächtliche Ausgangssperre ist ebenfalls abgeschafft. Bürgern ist es nun gestattet zwei Personen statt nur einer pro Tag zu treffen. Außerdem dürfen Universitäten einmal pro Woche Präsenzunterricht anbieten.

Der durchschnittliche Sieben-Tage-Inzidenzwert in Holland liegt bei etwa 220. In Deutschland dagegen bewegt er sich bei rund 160. Während Deutschland wegen des Inzidenzwertes die Niederlande als Hochinzidenzgebiet einstuft, bezeichnete der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte die Gefahr bei der Öffnung als „kalkuliertes Risiko“.

Corona in den Niederlanden: Wissenschaftler befürchten „Code Schwarz“ in Krankenhäusern

Dank der Impfungen erwarte er ab Anfang Mai einen Rückgang der Infektionen mit dem Coronavirus. Rutte stellte sich damit gegen die Empfehlung der beratenden Wissenschaftler, welche die Öffnungen erst deutlich später für sinnvoll halten. Sie befürchten einen Notstand in den Krankenhäusern, welche momentan schon voll ausgelastet sind.

Sollten die Infektionszahlen nicht zurück gehen, hieße das „Code Schwarz“, so die Mediziner. Das würde bedeuten, dass die Krankenhäuser dann entscheiden müssten, wem geholfen werden kann - und wem nicht. In den Niederlanden ist bislang etwa ein Drittel der Erwachsenen mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft worden.

Corona in Italien: Öffnung der Außengastronomie - trotz hoher Inzidenz

Und auch in Italien erwacht die Bevölkerung wieder zum Leben. So öffnete Ministerpräsident Mario Draghi bereits am Montag (26. April) die Außengastronomie in allen „gelben Zonen“ mit moderaten Infektionszahlen. Das sind momentan 15 Gebiete, darunter Mailand, Rom und die Toskana.

Auch Kulturstätten unter freiem Himmel, wie etwa Freiluft-Theater oder Kinos dürfen unter Auflagen öffnen. Im Gegensatz zu den Niederlanden bleibt in Italien jedoch wegen der Ansteckungsgefahr die nächtliche Ausgangssperre von 22 bis 5 Uhr bestehen. Dort beträgt die durchschnittliche Sieben-Tage-Inzidenz ähnlich wie in Deutschland etwa 150.

Corona in Österreich: Präsident Sebastin Kurz will Mitte Mai fast alles öffnen

Ebenso wagt sich Frankreich an erste Öffnungen. So entschied Präsident Emmanuel Macron vergangene Woche, dass Kindertagesstätten und Grundschulen ab Montag (26. April) wieder kompletten Präsenzunterricht anbieten dürfen. Der Unterricht vor Ort sei wichtig, um „gegen soziale und schicksalhafte Ungleichheiten zu kämpfen“. Weitere Öffnungsschritte, wie die Öffnung der Außengastronomie ab Mitte Mai, seien bereits in Planung. In Frankreich liegt der Inzidenzwert bei etwa 300.

Österreich plant gleichfalls mit großen Öffnungsschritten ab Mitte Mai. So soll laut Bundeskanzler Sebastian Kurz ab 17. Mai wieder kompletter Präsenzunterricht an allen Schulen stattfinden. Ab dem 19. Mai soll der Lockdown dann fast komplett aufgehoben werden. Gastronomie, Theater und andere Kulturstätten aber auch Messen und Kongresse sollen dann ihre Türen wieder öffnen dürfen. Laut Kurz soll auch der Tourismuszweig dadurch wieder aufgenommen werden. In der Alpenrepublik liegt die Sieben-Tage-Inzidenz leicht höher als in Deutschland, bei etwa 170.

Corona in der Schweiz: Konzerte und Fußballspiele vor Publikum erlaubt

Im Nachbarland, der Schweiz, sind Museen und Geschäfte bereits seit längerem offen. Doch damit nicht genug: Laut dem Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset wolle man wegen dem Fortschreiten der Impfungen trotz hoher Infektionszahlen „etwas mehr Risiken eingehen.“ Daher sind seit Mitte April auch Außengastronomie, Theater und Kinos wieder geöffnet. Sogar Open-Air-Livekonzerte und Fußballspiele vor Publikum sind unter Auflagen erlaubt. In der Schweiz liegt die Inzidenz momentan bei etwa 170.

Ebenfalls wagt Polen die ersten Lockerungen, da laut Regierungschef Mateusz Morawiecki die dritte Welle bereits gebrochen sei. Dort dürfen etwa Kosmetikstudios bereits wieder öffnen. Ab dem 4. Mai öffnen dann ebenso Einkaufszentren, Baumärkte und Möbelgeschäfte sowie Kunstgalerien und Museen unter Auflagen. Ab Mitte Mai sei dann Schritt für Schritt die Öffnung der Außengastronomie und Hotels geplant. Ende Mai sollen auch Fitnessstudios, Schwimmbäder und Restaurants im Innenbereich öffnen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt dort ebenfalls bei rund 170.

Corona in Großbritannien: England prescht voraus - Biergärten schon geöffnet

In Sachen Öffnungen ist das Vereinigte Königreich den meisten Ländern in Europa weit voraus. In ganz Großbritannien ist es seit Mitte April wieder möglich, in Restaurants und Bars draußen zu sitzen. Während England schon früher mit diesen Schritten begann, hatten sich Schottland, Wales und Nordirland bei der Entscheidung rund um Friseure und Biergärten noch etwas länger Zeit gelassen und erst seit Anfang dieser Woche geöffnet. In Großbritannien liegt die Inzidenz derzeit gerade einmal bei 25. Einer der niedrigsten Werte, was die Infektionszahlen in Europa angeht.

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