Auf ein Detail kommt es an

Corona: Was versteht man unter „Lockdown“ in Deutschland? Und ist der Unterschied zwischen „Lockdown und „Shutdown“?

  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Mal Shutdown, mal Lockdown - wie unterscheiden sich die Begriffe voneinander? Ein Blick in Wörterbücher gibt Aufschluss. Auch darüber, warum Merkel mal einen Begriff verwendet und mal nicht.

  • Lockdown und Shutdown bedeuten nicht dasselbe. Die Begriffe gab es auch schon vor Sars-Cov-2.
  • Bei einem geht es eher um Bewegungseinschränkungen, bei dem anderen mehr um Schließungen des wirtschaftlichen Lebens.
  • Ein zweiter Lockdown in Deutschland ist der Wortbedeutung zufolge falsch.

München - Am 20. April nahm Kanzlerin Angela Merkel einmal das Wort „Shutdown“ in den Mund: „Ich glaube, uns alle eint die Hoffnung, dass es keinen erneuten allgemeinen Shutdown geben wird.“ Kurz vor einem Corona-Gipfel forderte NRW-Chef Armin Laschet: „Der Lockdown muss schnellstmöglich kommen.“ Nach den Beschlüssen stellte sich wiederum Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, vor die Kamera: „Wir sind miteinander zu dem Ergebnis gekommen, dass wir den Shutdown erklären.“ Was denn nun? Wo liegt eigentlich der Unterschied zwischn „Lockdown“ und „Shutdown“?

Corona: Shutdown oder Lockdown - Wo liegt da der Unterschied?

Zuerst einmal: Die beiden englischen Begriffe „Shutdown“ und „Lockdown“ sind keine Wort-Neuschöpfungen im Zuge der Corona-Pandemie, wie es beispielsweise „Covidiot“ ist, um Menschen zu bezeichnen, die sich trotz Corona-Auflagen leichtsinnig verhalten und das Virus leugnen oder nicht ernst nehmen. Den Shutdown und den Lockdown gab es schon vorher.

Um Begriffsbedeutungen zu klären lohnt ein Blick in unterschiedliche Wörterbücher. Das Cambridge Dictionary etwa definiert den Begriff „Shutdown“ als „eine Situation, in der ein Unternehmen oder ein großes Gerät normalerweise für einen vorübergehenden Zeitraum nicht mehr in Betrieb ist“. Im Gegensatz dazu ist „Lockdown“ eine „Notsituation, in der Personen aufgrund von Gefahren nicht frei in ein Gebäude oder einen Bereich eintreten, diesen verlassen oder sich frei bewegen dürfen“. Solche Fälle könnten etwa bei Anschlägen, Attentaten oder Naturkatastrophen auftreten.

Der Eintrag zum „Lockdown“ umfasst aber auch noch eine zweite Bedeutung: „Eine Zeitspanne, in der Menschen aufgrund einer gefährlichen Krankheit ihre Häuser nicht verlassen oder nicht frei reisen dürfen“. In den Beispielen für diese Verwendung wird mittlerweile sogar explizit das Coronavirus angeführt.

Corona: Der Begriff Shutdown ist auch aus den USA, der IT oder von Kernreaktoren bekannt

Inhaltlich gleiche Definitionen wie die beiden zuerst genannten liefert auch Oxford Learner‘s Dictionaries. „Shutdown“ muss aber nicht nur mit der wirtschaftlichen Schließung oder Stilllegung von Unternehmen zu tun haben. Der Begriff kann auch das Herunterfahren eines Computers meinen oder das Abschalten eines Kernreaktors. Außerdem sind „Government Shutdowns“ auch aus den USA bekannt: Wenn sich Kongress und US-Präsident nicht rechtzeitig auf neue Haushaltsmittel einigen, wird manchmal kurzzeitig die Verwaltung stillgelegt.

Der Duden nennt als Bedeutung von Lockdown zwei weitere Begriffe, die derzeit häufig in der Corona-Diskussion aufkommen: Ausgangssperre und Abriegelung.

Ein entscheidender Unterschied also: Maßnahmen, die Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken, gibt es beim Shutdown nicht.

Gab es in Deutschland schon einen Lockdown? Nachbarländer waren stärker von Ausgangssperren betroffen

Weitreichende Ausgangssperren hat es während der ersten Corona-Welle in Deutschland nicht gegeben. Das sah in mehreren europäischen Ländern anders aus. Womöglich deshalb sprach Kanzlerin Merkel im April daher von einem „Shutdown“, denn Schließungen und das Herunterfahren der Wirtschaft fand durchaus statt.

Jetzt von einem zweiten Lockdown zu sprechen, ist also von der Wortbedeutung her nicht ganz exakt. Und auch in der jetzigen Beschlussvorlage des Bundes zu den seit Mittwoch geltenden Corona-Regeln steht nichts zu Ausgangssperren - nur von Ausgangsbeschränkungen in Hotspots ist die Rede. Nachts werden Ausgangssperren aktuell regional in manchen Bundesländern erlassen. Doch auch das ist ein Fakt: In dem Beschlusspapier kommt weder das Wort „Lockdown“ noch „Shutdown“ vor. (cibo)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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