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Long Covid: Neue Studie überrascht – Lang anhaltende Beschwerden auch nach mildem Corona-Verlauf

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Von: Max Partelly

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Nach einer Corona-Infektion klagen viele Betroffene über Beschwerden, die weit nach der Krankheit anhalten: Long Covid oder auch Post-Covid-Syndrom.

Tübingen - Je nachdem, wen man fragt, bekommt man unterschiedliche Antworten, wie schlimm eine Corona-Erkrankung nun wirklich ist. Die persönlichen Erfahrungen mit dem Coronavirus sind individuell und nicht immer bedeutet das Vorhandensein von Risikofaktoren, dass man zwangsläufig auch schwer erkrankt. Bei vielen Menschen, die sich mit SARS-Cov-2 angesteckt haben, zeigen sich jedoch weit nachdem die eigentliche Krankheit vorbei ist noch Beschwerden - auch wenn der Verlauf mild war.

Unter dem Namen Long Covid bekannt, gibt dieses Phänomen Rätsel auf. Wieso erholen sich die Menschen oftmals nicht von Corona? Welche Ausmaße hat das sogenannte Post-Covid-Syndrom und wie zeigt es sich? Welche Risikofaktoren gibt es, die dazu führen, dass man auch Monate nach der Krankheit noch etwa mit dem Treppensteigen zu kämpfen hat? Diese Fragen stellten sich auch Forschende der Uni Tübingen. In einer Studie befragten sie eine Vielzahl von Menschen, die sich mit dem Virus infiziert hatten.

Long-Covid-Studie gibt Aufschluss über Häufigkeit von lang anhaltenden Beschwerden

Die Wissenschaftler der Uni Tübingen stellten Nachforschungen an. In drei deutschen Landkreisen sollten alle erwachsenen Personen, die im Zeitraum zwischen März und September 2020 einen positiven PCR-Test hatten, einen Fragebogen ausfüllen. Am Ende erhielten die Forschenden von den 4632 infrage kommenden Personen 1907 Rückmeldungen. Danach wurden die Fragebögen auf die klinischen Merkmale analysiert und festgestellt, wer höchstwahrscheinlich unter Long Covid leidet. Ausschlaggebend war, ob die Patienten auch zwölf Wochen nach der Infektion noch Beschwerden hatten.

Nach einem letzten Aussortieren verblieben 1459 Personen in der Studienauswertung. Da ein bevölkerungsbasierter Forschungsansatz gewählt wurde, konnten gerade auch die Betroffenen befragt werden, die während der Akutphase ihrer Krankheit nicht im Krankenhaus lagen. 87 Prozent der Studienteilnehmer gehörten dieser Gruppe an. Dadurch konnten die bisherigen Studien zu Long Covid ergänzt werden, die primär mit Patienten durchgeführt wurden, die schwere Verläufe hatten. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass auch bei weniger schweren Verläufen häufig lang anhaltende Beschwerden bleiben.

Corona-Infektion zieht oft Long Covid nach sich - auch bei milden Verläufen

Das Team um Instituts- und Studienleiterin Prof. Dr. Stefanie Joos fand heraus, dass 46 Prozent der ambulant behandelten Patientinnen und Patienten auch zwölf Wochen nach der Infektion weiterhin unter Beschwerden leiden. Wesentlich häufiger, mit 73 Prozent, berichteten Patienten und Patientinnen, die während der akuten Erkrankungsphase ihrer Infektion schwer krank und im Krankenhaus behandelt werden mussten, über Langzeitsymptome.

Als häufigste Symptome beider Gruppen identifizierte die Forschergruppe Müdigkeit, körperliche Erschöpfung, Konzentrationsstörungen sowie Geschmacks- und Geruchsverlust. Der Risikofaktor war den Ergebnissen zufolge für Frauen am höchsten, nach einer Corona-Infektion Long Covid zu bekommen.

Bisherige Studien zu Long Covid ergaben andere Zahlen

Da Studien bislang andere sogenannte Prävalenzen bei Long Covid gezeigt hatten, gehen die Forschenden in der Studie auf diesen vermeintlichen Kritikpunkt ein. So wurden bei Kohorten von Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, in anderen Studien zwischen 33 und 87 Prozent und bei Studien zu Patienten, die nicht im Krankenhaus behandelt werden mussten, zwischen 2 und 53 Prozent angegeben. Diese Studien hätten kleine und nicht repräsentative Gruppen analysiert oder gar Personen ohne positiven PCR-Test aufgenommen, so die Erklärung der Autoren.

Ihrer eigenen Studie bescheinigen die Wissenschaftler aus Tübingen, dass sie keine Kontrollgruppe genutzt haben. Daher sei es nicht möglich, zwischen spezifischen Corona-Symptomen und Symptomen anderer Ursachen zu unterscheiden. Auch die Datenerhebung mittels Fragebogen berge eine gewisse Gefahr der Verzerrung der Ergebnisse, stellten die Forscher klar - schließlich wurde seit den vergangenen Studien ein größeres Bewusstsein für Long Covid geschaffen. Hinzu kommt noch, dass sich an Befragungsstudien weniger diejenigen beteiligen, die keine Beschwerden mehr haben. Deshalb wird davon ausgegangen, dass der Anteil der von Long Covid Betroffenen niedriger ist, als in der Studie erfasst.

Koordinator der Long-Covid-Studie überrascht von so vielen Meldungen über „gravierende Symptome“

„Dass es nach manchen Virusinfektionen zu anhaltenden Beschwerden kommen kann, ist nicht neu“, so Studienkoordinator Dr. med. Christian Förster in einer Pressemitteilung der Uni Tübingen zu der Studie. „Trotzdem hat es uns überrascht, dass so viele Betroffene nach dieser Zeit über so gravierende Symptome berichteten.“ Auch andere Forscher kamen zu ähnlichen Ergebnissen: Spätfolgen sind auch bei einem milden Corona-Verlauf möglich.*

Inwieweit sich die Erkenntnisse auf die Erkrankung mit den Mutanten des Coronavirus übertragen lassen, ist nicht klar. Die Frage, wie gefährlich der Omikron-Subtyp BA.2 ist, lässt sich beispielsweise aus den Studienergebnissen nicht ablesen. (mda) *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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