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Corona: Blutwäsche als neue Therapie gegen Covid-Langzeitfolgen

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Von: Bettina Menzel

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Viele Menschen leiden auch Wochen oder Monate nach einer überstandenen Corona-Infektion noch an Langzeitfolgen wie chronischer Müdigkeit oder Erschöpfung. Dann ist von „Long Covid“ die Rede (Symbolbild). © picture alliance/dpa | Oliver Killig

Eine Ärztin aus Mülheim an der Ruhr verzeichnet mit einer Blutwäsche-Therapie Erfolge bei der Behandlung von Long-Covid-Patienten - doch Krankenkassen übernehmen die Behandlung nicht.

Mülheim an der Ruhr - Rund jeder zehnte Corona-Erkrankte hat mit Langzeitfolgen zu kämpfen. Unter den ambulant im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten leiden sogar 46 Prozent auch zwölf Wochen nach der Infektion noch unter den Folgen, wie eine Studie der Universität Tübingen ergab. Doch eine neue Blutwäsche-Therapie soll nun Hilfe bringen.

Corona: So funktioniert die Blutwäsche-Therapie gegen „Long Covid“-Folgen

Long-Covid-Betroffene leiden noch Wochen oder Monate nach einer Corona-Infektion unter Kurzatmigkeit, Müdigkeit, dem Fatigue-Syndrom, Gedächtnisstörungen oder psychischen Problemen. Auch Muskelschwäche, Herzmuskelentzündung, die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, Thromboembolien - sowie massive Leberschäden können Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung sein. Forscher der Universität Oxford stellten zudem fest, dass Long Covid die Entstehung von Krankheiten wie Alzheimer oder Demenz begünstigen kann, wie im Video erklärt wird:

In Mülheim an der Ruhr will man eine neue Therapiemethode gegen Long Covid gefunden haben. In der Praxis der Internistin Beate Jäger wäscht eine Maschine das Blut der Patienten und befreit es von Spike-Proteinen und Blutgerinnseln. Im Anschluss wird es zurück in den Körper der Patienten gepumpt. Schon nach zwei oder drei Behandlungen soll es Betroffenen, die unter Long Covid leiden, deutlich bessergehen, wie RTL berichtet.

Das Verfahren, das Jäger anwendet nennt sich H.E.L.P.-Apherese. „Apherese bedeutet im Wesentlichen eine Trennung von Plasma von Blutzellen, um pathogene Substanzen aus dem Blut bei der Behandlung chronischer Stoffwechselerkrankungen zu entfernen“, erklärt die Ärztin auf ihrer Homepage. „Wobei H.E.L.P. für Heparin-induziertes extrakorporales Lipoprotein/Fibrinogen Niederschlag steht.“ Das Verfahren besteht aus vier Schritten: Plasmatrennung, Niederschlag mit anschließender Filtration, Heparinadsorption und Ultrafiltration. Seit 1985 behandelt die Internistin mit der Maschine bereits Patienten mit Stoffwechselerkrankungen.

Corona: Deshalb ist die neue Long-Covid-Heilmethode bei Krankenkassen nicht anerkannt

Jäger behandelte bereits 250 Long-Covid-Patienten, weitere 7000 Menschen stehen auf ihrer Warteliste. Doch die Therapiemethode der Ärztin aus Mülheim an der Ruhr ist derzeit noch nicht von Krankenkassen anerkannt, die Behandlungskosten von rund 1000 Euro pro Sitzung müssen Patienten selbst übernehmen. Der Grund ist die mangelnde Studienlage zum Thema. Damit die Krankenkassen die Kosten übernehmen, muss die Nützlichkeit der Therapie wissenschaftlich bewiesen sein.

Apherese wird auch bei Patienten mit einem hohen Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle seit Jahren angewendet. In diesen Fällen kann es sein, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt, hier gibt es eine Einzelfallentscheidung. „Wenn sämtliche andere Maßnahmen ausgeschöpft sind, kommt es in der Regel zu einer positiven Entscheidung“, erklärt der Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie und Leiter des Diamedikums Potsdam, Jens Ringel, gegenüber Focus Online. Gut möglich also, dass auch Long-Covid-Patienten in Zukunft die Therapie bezahlt bekommen, sofern Studien die Wirksamkeit der Apherese-Therapie bei Corona-Langzeitfolgen nachweisen können.

„Die Chancen, dass wir da eine mögliche Heilungsoption für Long Covid etablieren, stehen gut“, erklärt die Fachärztin für Atemwegserkrankungen, Jördis Frommhold, gegenüber RTL. Sie ergänzt jedoch gegenüber Spiegel.de: „Wir brauchen wissenschaftliche Studien, die untersuchen, ob die Verfahren tatsächlich etwas bringen, damit sie der breiten Bevölkerung zugänglich gemacht werden können.“ Um diese ganzen Therapieverfahren werde gerade viel Hype gemacht, viele glauben an Wunderheilung. Ganz so einfach sei es aber nicht.

Long Covid: Das ist die beste Vorsorge gegen Corona-Langzeitfolgen

Die Fachärztin für Atemwegserkrankungen rät, nach einer Corona-Erkrankung nicht übereilt in den normalen Alltag zu starten: „Man kann also Langzeitfolgen schon entgegenwirken, wenn man auf seinen Körper achtet und ihm eine Chance gibt, richtig auszuheilen. Das ist in unserer Gesellschaft aber ziemlich schwierig, weil wir so auf Leistung getrimmt sind“, so Frommhold gegenüber Spiegel.de.

Doch die beste Vorsorge gegen Corona-Langzeitfolgen ist noch immer die Corona-Impfung. Sie mindert nicht nur das Risiko einer schweren Erkrankung und dämmt die Corona-Pandemie ein. Eine Studie aus Israel ergab nun, dass eine zweifache Impfung das Risiko von Corona-Langzeitfolgen um bis zu 68 Prozent reduziert. *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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